Wirtschaftlicher Hürdenlauf im "Jahr des Pferdes". China fordert Japan zu Reformen auf
Tokio - Die Arbeitslosigkeit ist mit 5,6 Prozent so hoch wie nie, die Aktienkurse sind im Keller und die Finanzinstitute ächzen einmal mehr unter faulen Krediten: Seit gut zehn Jahren ist Japans Wirtschaft, der Wachstumsmotor für den asiatisch-pazifischen Raum, nicht mehr in Schwung gekommen. Und volkswirtschaftliche Daten deuten darauf hin, dass sich daran auch in diesem Jahr nichts ändern wird.
"Die Hoffnungen für eine wirtschaftliche Wiederbelebung ruhen in den Händen der Vereinigten Staaten", hatte die Wochenzeitschrift "Nikkei" schon zum Jahreswechsel ihren ökonomischen Ausblick formuliert. Aus eigener Kraft werde Japan kaum aus der Flaute herausfinden. Eine Erholung könne nur vom Export angeführt werden, angetrieben von einem Aufschwung in Amerika, schrieb das Blatt.
Auf Stimulanz von außen setzt nicht nur die größte Industrienation Asiens. Auch die Tigerstaaten, die fest damit gerechnet hatten, die Finanzkrisen der Jahre 1997 und 1998 vollends hinter sich lassen zu können, hoffen auf anziehende Exporte, um der Wiederkehr der wirtschaftlichen Schwäche zu entrinnen. Das Übergewicht der High-Tech-Produkte in den Ausfuhren hat sich dabei plötzlich als Nachteil erwiesen: Singapur steuert auf den schlimmsten Abschwung der vergangenen dreißig Jahre hin. Taiwan steckt erstmals in der Geschichte in einer Rezession. Malaysia muss mit negativem Wachstum rechnen. Selbst Südkorea, dessen Börse im Jahr 2001 zu den Spitzenreitern zählte, muss um die Dynamik des noch jungen Aufschwungs fürchten.
Wegen der einsetzenden Konjunkturschwäche in Amerika und der ökonomischen Folgen der Terroranschläge des 11. September mussten sämtliche Wachstumsprognosen korrigiert werden. Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) hatte für Taiwan, Hongkong, Südkorea und Singapur im Frühjahr noch ein Wirtschaftswachstum von mehr als vier Prozent im Jahr 2001 vorausgesagt, nun lautet die Prognose auf 0,1 Prozent. Immerhin rechnet die Japan External Trade Organisation (Jetro) für diese Länder im Jahr 2002 mit einem Wachstum von 3,1 Prozent, doch die meisten Volkswirte zwischen Tokio und Singapur erwarten eine selbsttragende Erholung erst 2003.
Die jüngste Krise in Argentinien habe zudem die Sensibilitäten in den Schwellenländern erhöht: Neue Investitionen dürften in den Tigerstaaten Asiens zögerlicher als erwartet fließen. Das Jahr des Pferdes verspricht ein Hürdenlauf zu werden, in dem Vorsicht und Zurückhaltung regieren werden.
Schwer abzuschätzen sind die ersten Konsequenzen des Beitritts Chinas und Taiwans zur Welthandelsorganisation (WTO) auf die asiatische Region. Außer Frage steht - zumindest in öffentlichen Erklärungen der Regierungen - der langfristige Nutzen des freien Welthandels. Andererseits ist schon jetzt abzusehen, wie taktische Schutzwälle gezogen werden. Seit wenigen Monaten scheint Japan zum Beispiel mehr auf bilaterale als auf multinationale Handelsabkommen zu setzten. Erstmals vereinbarte das Land im Dezember ein Freihandelsabkommen mit einem anderen Staat - mit Singapur. Ähnliche Abkommen will Tokio mit Südkorea, Mexiko, Chile und Kanada schließen.
Warum sind solche Abkommen nötig, wenn man die WTO hat? Analysten in Sydney und Seoul vermuten, dass sich Japan gegen einen Subventionsabbau für die heimische Agrarwirtschaft stemmen und sich innerhalb der WTO nur geringfügig für landwirtschaftliche Importe öffnen will. In Freihandelsvereinbarungen mit einzelnen Staaten können solche Produkte ausgeklammert werden, von Bremsmanövern in der WTO ablenken.
Theoretisch wollen die Asean-Staaten in zehn Jahren eine Freihandelszone gründen, in die auch China, Japan und Südkorea eingeschlossen werden sollen. Ein Wirtschaftsraum mit rund zwei Milliarden Menschen und einem Bruttoinlandsprodukt von 2 Bio. Dollar könnte entstehen. Doch auf dem Weg zu einer umfassenden Freihandelszone müssen noch viele Hürden genommen werden. Ein Handelsstreit über Shitake-Pilze und Klimaanlagen - wie von April bis Dezember zwischen Japan und China geführt - lässt den Glanz der großen Idee verblassen.
Die Freihandelsankündigungen auf Papier bereiten den meisten asiatischen Staaten derzeit weniger Sorgen als die sinkenden Kurse des japanischen Yen: Malaysia, Südkorea, Taiwan, Hongkong und China fürchten um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Exporte. Peking hat Tokio schon relativ laut aufgefordert, gegenzusteuern - die chinesische Währung legte im vergangenen Jahr etwa zehn Prozent gegenüber der japanischen zu.
Eine Delegation japanischer Parlamentarier musste sich vergangene Woche in Peking den Vorwurf gefallen lassen, Japan verschleppe die bitter nötige Reform seines Finanzsektors. Japanische Medien berichteten, Präsident Jiang Zemin persönlich habe die faulen Kredite in Nippons Bankensystem angesprochen.
Analysten der Bank of America erwarten eine Abwertung der chinesischen Volkswährung (Renminbi), sollte der Yen in diesem Jahr auf ein Niveau von 140 Yen je Dollar fallen. Sollte Tokio zu forsch versuchen, mit Hilfe eines schwachen Yen einen Export-Boom zu produzieren, droht nicht nur Ärger aus Washington
Tokio - Die Arbeitslosigkeit ist mit 5,6 Prozent so hoch wie nie, die Aktienkurse sind im Keller und die Finanzinstitute ächzen einmal mehr unter faulen Krediten: Seit gut zehn Jahren ist Japans Wirtschaft, der Wachstumsmotor für den asiatisch-pazifischen Raum, nicht mehr in Schwung gekommen. Und volkswirtschaftliche Daten deuten darauf hin, dass sich daran auch in diesem Jahr nichts ändern wird.
"Die Hoffnungen für eine wirtschaftliche Wiederbelebung ruhen in den Händen der Vereinigten Staaten", hatte die Wochenzeitschrift "Nikkei" schon zum Jahreswechsel ihren ökonomischen Ausblick formuliert. Aus eigener Kraft werde Japan kaum aus der Flaute herausfinden. Eine Erholung könne nur vom Export angeführt werden, angetrieben von einem Aufschwung in Amerika, schrieb das Blatt.
Auf Stimulanz von außen setzt nicht nur die größte Industrienation Asiens. Auch die Tigerstaaten, die fest damit gerechnet hatten, die Finanzkrisen der Jahre 1997 und 1998 vollends hinter sich lassen zu können, hoffen auf anziehende Exporte, um der Wiederkehr der wirtschaftlichen Schwäche zu entrinnen. Das Übergewicht der High-Tech-Produkte in den Ausfuhren hat sich dabei plötzlich als Nachteil erwiesen: Singapur steuert auf den schlimmsten Abschwung der vergangenen dreißig Jahre hin. Taiwan steckt erstmals in der Geschichte in einer Rezession. Malaysia muss mit negativem Wachstum rechnen. Selbst Südkorea, dessen Börse im Jahr 2001 zu den Spitzenreitern zählte, muss um die Dynamik des noch jungen Aufschwungs fürchten.
Wegen der einsetzenden Konjunkturschwäche in Amerika und der ökonomischen Folgen der Terroranschläge des 11. September mussten sämtliche Wachstumsprognosen korrigiert werden. Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) hatte für Taiwan, Hongkong, Südkorea und Singapur im Frühjahr noch ein Wirtschaftswachstum von mehr als vier Prozent im Jahr 2001 vorausgesagt, nun lautet die Prognose auf 0,1 Prozent. Immerhin rechnet die Japan External Trade Organisation (Jetro) für diese Länder im Jahr 2002 mit einem Wachstum von 3,1 Prozent, doch die meisten Volkswirte zwischen Tokio und Singapur erwarten eine selbsttragende Erholung erst 2003.
Die jüngste Krise in Argentinien habe zudem die Sensibilitäten in den Schwellenländern erhöht: Neue Investitionen dürften in den Tigerstaaten Asiens zögerlicher als erwartet fließen. Das Jahr des Pferdes verspricht ein Hürdenlauf zu werden, in dem Vorsicht und Zurückhaltung regieren werden.
Schwer abzuschätzen sind die ersten Konsequenzen des Beitritts Chinas und Taiwans zur Welthandelsorganisation (WTO) auf die asiatische Region. Außer Frage steht - zumindest in öffentlichen Erklärungen der Regierungen - der langfristige Nutzen des freien Welthandels. Andererseits ist schon jetzt abzusehen, wie taktische Schutzwälle gezogen werden. Seit wenigen Monaten scheint Japan zum Beispiel mehr auf bilaterale als auf multinationale Handelsabkommen zu setzten. Erstmals vereinbarte das Land im Dezember ein Freihandelsabkommen mit einem anderen Staat - mit Singapur. Ähnliche Abkommen will Tokio mit Südkorea, Mexiko, Chile und Kanada schließen.
Warum sind solche Abkommen nötig, wenn man die WTO hat? Analysten in Sydney und Seoul vermuten, dass sich Japan gegen einen Subventionsabbau für die heimische Agrarwirtschaft stemmen und sich innerhalb der WTO nur geringfügig für landwirtschaftliche Importe öffnen will. In Freihandelsvereinbarungen mit einzelnen Staaten können solche Produkte ausgeklammert werden, von Bremsmanövern in der WTO ablenken.
Theoretisch wollen die Asean-Staaten in zehn Jahren eine Freihandelszone gründen, in die auch China, Japan und Südkorea eingeschlossen werden sollen. Ein Wirtschaftsraum mit rund zwei Milliarden Menschen und einem Bruttoinlandsprodukt von 2 Bio. Dollar könnte entstehen. Doch auf dem Weg zu einer umfassenden Freihandelszone müssen noch viele Hürden genommen werden. Ein Handelsstreit über Shitake-Pilze und Klimaanlagen - wie von April bis Dezember zwischen Japan und China geführt - lässt den Glanz der großen Idee verblassen.
Die Freihandelsankündigungen auf Papier bereiten den meisten asiatischen Staaten derzeit weniger Sorgen als die sinkenden Kurse des japanischen Yen: Malaysia, Südkorea, Taiwan, Hongkong und China fürchten um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Exporte. Peking hat Tokio schon relativ laut aufgefordert, gegenzusteuern - die chinesische Währung legte im vergangenen Jahr etwa zehn Prozent gegenüber der japanischen zu.
Eine Delegation japanischer Parlamentarier musste sich vergangene Woche in Peking den Vorwurf gefallen lassen, Japan verschleppe die bitter nötige Reform seines Finanzsektors. Japanische Medien berichteten, Präsident Jiang Zemin persönlich habe die faulen Kredite in Nippons Bankensystem angesprochen.
Analysten der Bank of America erwarten eine Abwertung der chinesischen Volkswährung (Renminbi), sollte der Yen in diesem Jahr auf ein Niveau von 140 Yen je Dollar fallen. Sollte Tokio zu forsch versuchen, mit Hilfe eines schwachen Yen einen Export-Boom zu produzieren, droht nicht nur Ärger aus Washington