Insolvenzverfahren
Karstadt macht Millionen-Gewinn
© ZEIT ONLINE, tst/aen, dpa 12.6.2009 - 12:08 Uhr
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Karstadt ist zahlungsunfähig, doch die Warenhäuser schreiben im laufenden Geschäftsjahr schwarze Zahlen. Das stärkt die Position Arcandors im Insolvenzpoker
Gar nicht mal unprofitabel: Die Karstadt-Warenhäuser, wie dieses in Erfurt
Gar nicht mal unprofitabel: Die Karstadt-Warenhäuser, wie dieses in Erfurt
© Martin Schutt/dpa
Den Karstadt-Kaufhäusern geht es einem Zeitungsbericht zufolge besser als bekannt. Ihr operativer Gewinn, also der mit dem normalen Warenhausgeschäft erzielte Überschuss, habe in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahrs, die am 30. März endeten, bei sieben Millionen Euro gelegen, berichtet die Financial Times Deutschland. Das Blatt beruft sich auf das Gutachten für den gescheiterten Bürgschaftsantrag von Arcandor.
Dessen Verfasser, die Wirtschaftsprüfer der Gesellschaft PriceWaterhouseCoopers, hätten sich jedoch trotz der guten Zahlen gegen staatliche Hilfen für Arcandor ausgesprochen und das vor allem mit dem fehlenden Kapitalpuffer begründet. Arcandor verfüge "nach den Restrukturierungsaktivitäten der vergangenen Jahre mittlerweile über keine freie Substanz mehr".
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Im zweiten operativen Kerngeschäft Arcandors, dem unter Primondo zusammengefassten Versandhandel mit der Hauptmarke Quelle, sehe es dagegen schlechter aus, schreibt das Blatt weiter. Allein in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahrs sei ein operativer Verlust von 57 Millionen Euro aufgelaufen.
Für den Gesamtkonzern ist die Gesundung der Warenhäuser ein wichtiges Argument, um eine rasche Zerschlagung und Abwicklung abzuwenden. Der Generalbevollmächtigte Horst Piepenburg arbeitet an einem Plan zur Fortführung des insolventen Unternehmens. Arcandor musste zu Wochenbeginn Insolvenz anmelden, weil die Bundesregierung sowohl seinen Antrag auf eine Bürgschaft als auch auf einen Nothilfekredit ablehnte.
Möglicherweise ging es auch Arcandor besser, als offiziell verlautbart wurde: Einem Zwischenbericht des Konzerns, der den Zeitraum 1. Oktober 2007 bis 30. Juni 2008 abdeckt, war zu entnehmen, dass der Gewinn aus dem operativen Geschäft 204 Millionen Euro betragen habe – doppelt so viel wie im vergleichbaren Zeitraum im Vorjahr. Dennoch verweigerte die Bundesregierung ihre Hilfe mit dem Argument, Arcandor sei schon vor dem entscheidenden Stichtag, dem 1. Juli 2008, in Schwierigkeiten gewesen.
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Unterdessen versucht Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick für Karstadt die Lösung zu finden, "die für Mitarbeiter und Unternehmen die interessanteste ist", wie er im ZDF sagte. Zunächst schien ein Zusammengehen der Karstadt-Warenhäuser mit dem Konkurrenten Kaufhof der wahrscheinlichste Ausweg aus der Misere. Eick betont nun, das Kaufhof-Mutter Metro nicht der einzige mögliche Partner sei und Arcandor auch mit anderen Interessenten verhandeln werde. Das könnte ihm helfen, für die Warenhäuser einen besseren Preis zu erzielen.