Dies ist ja eine Deiner Lieblingsfiguren aus dem Schatzkästlein der Austrians. Mal abgesehen davon, dass zumindest in Europa stimulierende Massnahmen sich darauf beschränken, Geld noch billiger zu machen und von einer echten antizyklischen Politik, die in der Krise wegfallende private Nachfrage durch staatliche ersetzt, keine Rede sein kann, und stattdessen beinharte Austeritätspolitik in den Piigsstaaten aus Rezession Depression macht, ist Quantitative Easing eine Wette auf die Zukunft. Es wird sich zeigen, ob diese hinreicht, lohnende Geschäfte in makroökonomisch relevantem Ausmass anzuschieben und damit den 'Vorschuss' irgendwann auch wieder abzulösen. Gescheitert ist hier bislang gar nichts...
Was den gegenwärtigen Status angeht, so muss man nur den Blick auf die Piigs werfen um zu verstehen, was es bedeutet hätte, diese Wette nicht einzugehen. Nämlich sozioökonomische Verhältnisse auf 3.Weltniveau, bei einer dann auch nur möglicherweisen Geldwertstabilität. Genauso möglicherweise wie die überall beschworene Hyperinflation, die dann drohen könnte, wenn die Wette nicht aufgehen sollte. Dass alle Staaten, die es sich irgendwie leisten können, diese Wette eingehen und dafür ideologische Paradigmen, Verträge und geschriebenes Recht relativ ungeniert beugen, zeugt deshalb nur von einem: Der Alternativlosigkeit dieses Vorgehens...
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Dein 'vernünftiges' Wirtschaften gibt es nur im Lehrbuch der VWL. Der Kapitalismus draussen ist nicht fair, aber anarchisch. Er lebt von den Übertreibungen nach oben wie nach unten, er lebt von der Unvernunft aller, die an ihm teilnehmen (müssen)...
'..Erst wenn diese Union unter Dach und Fach ist, können wir uns sicher sein, dass auch unsere Kinder und Enkel mit Euro zahlen werden. Eine Währungsunion erfordert auf Dauer eine Fiskalunion, die wiederum eine Vorstufe für eine politische Union ist. Da die Bevölkerung und die nationalen Parlamente dazu noch nicht bereit sind und eine offene Diskussion, darüber wie weit die Europäische Integration letztendlich gehen soll, bislang scheuen, ist die Kombination von Bankenunion und Gelddrucken plus Auflagen das Einzige, was sich gegenwärtig durchsetzen lässt. Das heißt aber nicht, dass dieser neue institutionelle Rahmen nicht belastbar wäre. Wie zu erwarten war, und wie das in der Geschichte des europäischen Friedensprozesses immer wieder der Fall war, muss eine Krise nur ernst genug sein, damit es weitergeht mit der Zusammenarbeit auf unserem kleinen Kontinent. Wir erleben einen historischen Moment, wenn mich nicht alles täuscht...'
aus Sicht des humanistisch erzogenen Normalbürgers bleibt mir zur Kommentierung der gegenwärtigen Lage nur folgender Beitrag:
http://www.youtube.com/watch?v=jygOAnPMWOE
(Bach - Matthäus Passion - Wir setzen uns mit Tränen nieder)
Es sollte aber niemand versuchen, den Dirigenten mit den verzweifelten Bemühungen des Herrn Bernanke, die Finanzmärkte zu dirigieren, zu verwechseln, auch wenn eine gewisse Ähnlichkeit unausweichlich erscheinen mag :-)
Bach ist ein die Jahrhunderte überdauerndes Genie, aber Herr Bernanke nur ein Scharlatan. ;-)
Deine These ist, dass QE umso weniger makroökonomisch messbaren Nutzen bringt und ein umso grösseres implizites Default-Risiko transportiert, je länger und je breiter dieses angewandt wird. Harte Fakten kannst Du dafür allerdings nicht anführen. Denn woran misst Du denn den makroökonomisch messbaren Nutzen ? An den albernen Versprechen der Politik (' Millionen neuer Jobs'), letztlich aber doch wohl an der idealisierten Modellwelt der Austrians. Realistisch gesehen hat QE jedoch dafür gesorgt, dass die mit Lehman bedrohte Liquiditätsversorgung sicher gestellt wurde und die krassen 08 / 09'er Makrotiefs in den wichtigsten Industrieländern auf dem Fuss wieder nach oben verlassen werden konnten. Mit anderen Worten: QE war insofern erfolgreich, als der bereits angekündigte System Default verhindert wurde - und nur daran ist bzw war es zu messen. Eine ähnliche Argumentation gilt für die Eurokrise, die sich mit einer gewissen inneren Logik an die Bankenkrise anschloss...
Nicht zuletzt verdanken sich die ökonomischen Erfolge des Musterlandes Deutschland weniger einem vernünftigen Wirtschaften und einer vorbildlichen Haushaltsdisziplin als vielmehr dem Verstoss dagegen bei allen wichtigen Handelspartnern. Deutschland schmarotzt mit seinem Wohlstand also genau von dem Krisenmanagment, welches es ideologisch so vehement verurteilt...
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„Es ist daher ganz der kleinbürgerlichen Utopisten würdig, dass sie, die die Ware wollen, aber nicht das Geld, das industrielle Kapital wollen, aber nicht das zinstragende, den Profit, aber nicht den Zins.“ K. Marx, Theorien über den Mehrwert III, MEW 26.3, 464.
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