Das sagen die Analysten
MLP
- Neue Beschuldigungen gegen MLP
In seiner neuesten Ausgabe hat das Magazin Börse Online neue Vorwürfe gegen den Finanzdienstleister MLP erhoben. Darin wird behauptet, dass Provisionen an die Berater durch eine Aufrechnung mit Vorauszahlungen künstlich gemindert wurden, um so einen höheren Gewinn auszuweisen. Laut MLP findet eine solche Verrechnung nicht statt. Die WestLB Panmure sieht keinen Grund, die Aussage des Unternehmens zu bezweifeln. Die Vorauszahlungen erreichten im vergangenen Jahr 26,5 Millionen Euro und sind demnach geringer als von Börse Online vermutet. Selbst wenn man annehme, dass eine Verrechnung stattgefunden habe, sei der Betrag noch so gering, dass eine Beeinflussung des Gewinns kaum Gewicht hätte, so die Analysten.
Weiterhin schreibt das Magazin, dass die differierende Zahl des Neugeschäfts für das Jahr 2000 in den Einzelabschlüssen der MLP Leben von 2000 und 2001 nicht erläutert worden sei. Die WestLB weist darauf hin, dass ein solches Vorgehen sicher nicht korrekt sei, der Tatbestand aber noch lange kein Grund, an der Bilanzierungspraxis von MLP zu zweifeln. Die Analysten bezeichnen die Beschuldigungen von Börse Online als "haltlos" und führen sie auf ein Kommunikationsproblem zwischen dem Magazin und MLP zurück. Dieses müsse möglichst bald beseitig werden. Die WestLB empfiehlt die Aktie zum Kauf, bei einem Kursziel von 78 Euro.
Nokia
- Stabilisierung des Nokia-Kurses erwartet
Obwohl der finnische Handyriese Nokia sein Umsatzziel um rund 10 Prozent verfehlen wird, können stabile Margen den Kurs nach Ansicht von HSBC in der Region von 18 bis 20 Euro Cents halten. Die Auslieferungszahlen für die ersten beiden Quartale dieses Jahres lassen jedoch annehmen, dass wir es bei Nokia in diesem Jahr mit einer gleichbleibenden Entwicklung ohne größere Anstiege zu tun haben. Hinzu kommt, dass der Netzwerkmarkt sich weitaus schwieriger entwickelt als von den Analysten erwartet. Eines der Probleme ist die Verzögerung der Einführung von 3G bis mindestens 2003.
Um diese Risiken in ihrer Prognose zu reflektieren, haben die Analysten ihre Umsatzschätzungen für dieses Jahr um sieben, für das nächste um 14 Prozent reduziert. Nokia habe aber weiteres Potenzial, sollte es gelingen, den Ruf als hochqualitatives Wachstumsunternehmen wiederherzustellen. Dies könnte im nächsten Jahr etwa durch die Einführung von Farbdisplays erzielt werden. HSBC empfiehlt die Aktie mit "Hinzufügen" und einem Kursziel von 14 Euro. Die Analysten gehen davon aus, dass sich die Aktie im nächsten Quartal stabilisieren wird.
GROUP Technologies
- hat nur geringes Potenzial
Der Hersteller von Sicherheitssoftware GROUP Technologies hat erstmals eine konkrete Guidance für das Geschäftsjahr veröffentlicht. Erreicht werden soll ein Umsatz von 10,2 Millionen Euro, bei einem EBIT von 0,4 Millionen. Dies entspricht im wesentlichen der Planung der DZ Bank. Im Vordergrund muss nach Meinung der Analysten die Neuausrichtung des Vertriebs stehen, vor allem der Direktvertrieb in den Bereichen Allfinanz und Industrie. Als positiv bewertet die Bank, dass es GROUP gelungen ist, trotz der Insolvenz der Mutter alle Bestandskunden zu erhalten.
Das zweite Quartal wird sich aufgrund der Umstrukturierungen und der damit verbundenen Kosten jedoch noch schwierig gestalten. Erst ab dem dritten Quartal rechnen die Analysten mit einer erneuten Dynamik im operativen Geschäft. Beim derzeitigen Kursniveau halten sie die Aktie für fair bewertet und sehen für die nächsten sechs Monate ein nur geringes Kurspotenzial von 10 Prozent. Die DZ Bank bleibt bei ihrem Urteil "Akkumulieren".
Merck
- erweitert Pipeline
Auf einer Healthcare-Konferenz der Investmentbank Goldman Sachs hat Merck KgaA darauf hingewiesen, dass man entschieden an einer Ausweitung der Pipeline arbeite. Der Fokus soll dabei auf der Onkologie liegen. Mit einer Verbesserung rechnen die Analysten ab 2003. Dies wird den Kurs laut Goldman Sachs auch langfristig positiv beeinflussen. Erfreulich sei auch, dass Merck zunehmend nach Lizenzpartnern suche, vor allem außerhalb seiner Spezialgebiete Onkologie und Metabolismus.
Mercks gegenwärtige Bewertung bringe das Unternehmen eher in die Nähe von Spezialchemie-Anbietern als von Pharmaunternehmen, hieß es bei Goldman Sachs. Dies Analysten halten dies für begründet, da besonders die anhaltenden Probleme im Pharmabereich die operativen Margen in diesem Jahr auf 8,5 Prozent drücken werden. Die enttäuschende Entwicklung um das Diabetes-Mittel Glucophage könnte den Kurs weiter unter Druck bringen. Mit neuen klinischen Ergebnissen aus einer erweiterten Pipeline könnte Merck diesen Effekt nach Ansicht der Goldmänner aber ausgleichen. Goldman Sachs empfiehlt die Aktie mit "Market Performer" und einem Kursziel von 33 Euro.
Degussa
- Drohender Stillstand von Degussa-Kurs
Die WestLB Panmure geht davon aus, dass der anvisierte Eigentümerwechsel bei Degussa die ausgezeichneten fundamentalen Perspektiven, die für einen nachhaltigen Kursanstieg hätten sorgen können, bis auf weiteres außer Kraft setzt. Nach Ansicht der Bank wird der Kurs für eine gewisse Zeit beim RAG-Angebot von 38 Euro je Aktie verharren. Dies liegt deutlich unter dem von den Analysten errechneten Fair Value von 45 Euro. Die WestLB senkt ihr Rating daher von "Kaufen" auf "Neutral".
Bis zum Jahresende sei Degussa jedoch auf gutem Wege, sein Portfolio um alle Aktivitäten, die nicht zum Kerngeschäft gehören, zu bereinigen. Auf diese Weise werde das Unternehmen sich über kurz oder lang als fokussierter Hersteller von Spezialchemie präsentieren, so die Analysten. In den nächsten Jahren wird Degussa nach Ansicht der WestLB auch zügig seine Finanzen verbessern. Dies soll in erster Linie durch Veräußerungserlöse (ca. 3,5 Milliarden Euro) erzielt werden, aber auch mit einem höheren operativen Gewinn und der Normalisierung der Investitionen. Auf diese Weise werde die Selbstfinanzierungskraft des Unternehmens wieder deutlich zunehmen, hieß es bei der WestLB.
Leica Geosystems
- Vontobel bestätigt Kaufempfehlung
Leica Geosystems, Anbieter von Vermessungstechnologie und Geomatik, konnte für das Geschäftsjahr 2001/2 ein organisches Wachstum sowie wesentliche Fortschritte in der Mittelgenerierung und der Integration einer Reihe von Akquisitionen melden. Angesichts des widrigen Marktumfeldes im vergangenem Jahr bestätigt die Bank Vontobel aufgrund dieser Erfolge ihre Kaufempfehlung. Die Analysten gehen davon aus, dass der Konzernumsatz im laufenden Geschäftsjahr auf 850 Millionen Schweizer Franken steigen und 2003 dann 950 Millionen Schweizer Franken erreichen wird.
Die Folgen einer aggressiven Akquisitionspolitik führten dazu, dass Leica Geosystems für das abgelaufene Geschäftsjahr einen "Reingewinn" von -55,3 Millionen Schweizer Franken verbuchte. Dieser wird sich in den beiden folgenden Jahren auf fünf bzw. 25 Millionen Schweizer Franken verbessern, so die Vontobel-Prognosen. Nach den Berechnungen der Schweizer Bank wird Leica Geosystems mit einem signifikanten Bewertungsabschlag im Vergleich zu anderen eidgenössischen Firmen aus dem seinem Sektor gehandelt. Auch gegenüber dem Hauptkonkurrenten Trimble Navigation, weist der aktuelle Kurs der in Zürich notierten Vermessungs-Aktie einen bedeutenden Discount auf.
Porsche
- Erfolgreicher Facelift bei Porsche
Das optimistische Geschäftsszenario, das Porsche bei einer Analystenkonferenz anlässlich der Vorstellung des gelifteten Boxsters vorführte, konnte die Berenberg Bank überzeugen. Die Hamburger Privatbankiers bestätigen zwar ihre bisherige "Halten"-Empfehlung, hoben ihren Kursziel aber von 475-525 Euro auf 530 Euro an. Seit seiner Markteinführung vor sechs Jahren hat sich der zweisitzige Boxster mit mehr als 120 000 verkauften Fahrzeugen zum Marktführer unter den sportlichen Roadstern hochgefahren. Auch wenn der bisherige Absatzrekord von 28 000 Einheiten (im Geschäftsjahr 2000/1) nicht mehr einzuholen sein dürfte, gibt sich Porsche-Chef Wiedeking zuversichtlich, dass bereits der eher sanft ausgefallene Facelift genügen wird, um die Absatzzahlen wieder zu stimulieren. Diese Einsschätzung teilen die Berenberg-Analysten, die nun für das Geschäftsjahr 2002/3 mit einem knapp 14-prozentigen Absatzanstieg auf 25 000 verkauften Einheiten rechnen.
Weiterhin gab Porsche bekannt, dass es zur Zeit über den höchsten Orderbestand in seiner Geschichte verfüge. Zudem konnten die Stuttgarter die Analysten davon überzeugen, dass das Kundeninteresse für das ab dem Jahresende erhältliche Off-Roader Modell Cayenne viel größer ist, als die überwiegend negative Designkritik der deutschen Fachpresse glauben macht. Porsche selbst gibt 25 000 Einheiten als Benchmark für den Cayenne-Absatz im Geschäftsjahr 2002/3 vor, Berenberg geht aber nun davon aus, dass gut 34 000 Fahrzeuge ihren Abnehmer finden werden.
Linde
– Schwankungen nur bedingt ausgesetzt
Die Analysten der DZ Bank loben den Technologiekonzern Linde als "eines der wenigen traditionellen Industrieunternehmen, deren Ergebnistrend (... ) kontinuierlich nach oben weist." Dank seiner starken Positionierung im Gasgeschäft ist der Wiesbadener Konzern zyklischen Schwankungen nur bedingt ausgesetzt, im Unterschied zur deutlichen Konjunkturabhängigkeit anderer "Old Economy"-Unternehmen.
Die DZ Bank hält es aber für verfrüht darüber zu spekulieren, welche strategischen Neuorientierungen vom designierten Vorstandsvorsitzenden, dem ehemaligen BMW-Spitzenmanager Wolfgang Reitzle, nach seinem Amtsantritt am Anfang 2003 einleitet werden könnten. Die Analysten glauben jedoch, dass eine Ausweitung der Firmenaktivitäten um ein weiteres Geschäftsfeld vom Kapitalmarkt "sicher kritisch gesehen" würde. Ein Verkauf der ertragsschwachen Geschäftsspalte Kältetechnik, die 10 Prozent von Lindes Umsatz aber nur zwei Prozent seiner Vorsteuergewinne ausmacht, käme hingegen gut an, so die Bank.
Während der Bereich Fördertechnik unter den Folgen eines zyklischen Abschwungs leidet, gehen die Analysten davon aus, dass das laufende Jahr durch steigende Erträge im Gasgeschäft, dem Anlagenbau und der Kältetechnik gekennzeichnet sein wird. Alle Sparten dürften ab 2003 von den Auswirkungen eines prognostizierten konjunkturellen Aufschwungs und den bereits eingeleiteten Kostensenkungsprogrammen profitieren. Diese positiven Aussichten führen die DZ Bank zu ihrer Empfehlung "Akkumulieren", wobei die Analysten den fairen Wert der Aktie bei 58,37 Euro sehen.