ANALYSE: Chancen für Neuen Markt in 2000 gering - Gewinne im Frühjahr möglich
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Enttäuschung der Investoren über die ausgebliebene Jahresendrally am Neuen Markt und die tiefen Wunden aus den jüngsten Kursverlusten haben die Chancen für eine nachhaltige Erholung am Neuen Markt noch in diesem Jahr deutlich schrumpfen lassen. Das Vertrauen in den Neuen Markt und die im NEMAX50 zusammengefassten Schwergewichte sei empfindlich gestört worden und habe die Hoffnung auf einen schnellen Aufschwung des technologietitel-lastigen Index zerstört. Dies ist der Tenor der von dpa-AFX befragten Händler und Analysten am Donnerstag.
"Der Markt wird sich auf absehbare Zeit nicht wieder auf die hohen Niveaus erholen können, die noch im Frühjahr dieses Jahres erreicht wurden", sagte ein Analyst. Einige Händler zeigten sich jedoch zuversichtlich, dass sich die Einstellung zum Neuen Markt zu Beginn des kommenden Jahres wieder bessern könnte. Wie ein Frankfurter Händler allerdings zu bedenken gab, könnten Anleger den Markt für das laufende Jahr vermutlich "abschreiben". "Derzeit sei eine nachhaltige Erholung nicht in Sicht, weil Investoren das gesamte Vertrauen in den Markt verloren haben", meinte der Händler.
Maximillian Schoeller von Merck Finck & Co geht jedoch davon aus, dass einige starke Aktien im Markt von ihren aktuell niedrigen Kursniveaus nach oben drehen könnten. Ein anderer Händler sehe aus langfristigen Gesichtspunkten heraus besonders gute Chancen für EM.TV & Merchandising AG . Der Münchner Medienriese habe sich gut positioniert und mache Gewinne, so seine Argumentation. Dabei spiegele die derzeitige Marktkapitalisierung weniger als der Preis für einen 50prozentigen Anteil am Formel 1-Geschäft wieder.
Christopher Ossig von JP Morgan sieht gute Chancen für Online-Banken. Langfristig sollten die Discount-Broker von dem steigenden Interesse und Engagement privater Investoren an den Aktienmärkten und bei Fonds profitieren. Alle drei großen am Neuen Markt gelisteten Unternehmen Consors Discount-Broker , Comdirect Bank AG und Direkt Anlage Bank AG sieht Ossig als "attraktiv" an. Allerdings müsse sich der Mark erst stabilisieren, damit die Investoren wieder zurückkehrten. Ossig sagte: "Wer will schon in ein fallendes Messer hineingreifen!?"
Ein Analyst einer Frankfurter Bank erklärte, dass die Überbewertung vieler Unternehmen am Neuen Markt im Zuge der jüngsten Korrektur deutlich abgebaut worden sei. Diese habe viele Investoren von einem Wiedereinstieg abgehalten, die nun wieder zögerlich als Käufer zurückkehren könnten. Nun könnten sich Anleger wieder "Qualitätsunternehmen" wie Aixtron AG und Qiagen widmen, die eine hohe Liquidität aufwiesen und zuverlässig seien.
Wie ein anderer Analyst erklärte, dürfte sich die Aktienkultur in Deutschland durch die scharfen Verluste der verdangenen Monate allerdings grundlegend geändert haben. Die Investoren dürften vorsichtiger geworden sein und deutlich selektiver und konservativer bei ihrer Aktienauswahl vorgehen. Dem Analyst zufolge dürften nicht mehr so hohe Preise für Fantasie bezahlt werden. Dennoch seien einige Unternehmen nach den Kurseinbrüchen mittlerweile deutlich unterbewertet: Als Beispiel nannte der Analyst Intershop , die als "gutes und starkes" Unternehmen als "Strong Buy" gesehen werden könnten. "Nun haben die Investoren die Chance, sich wieder die Gewinneraktien von weiterhin intakten und gesunden Unternehmen herauszusuchen, nachdem zuvor zahlreiche Firmen doch sehr schwache und enttäuschende Ergebnisse vorgelegt hatten".
"Schwarze Schafe wie beispielsweise Infomatec wird es aber auch weiterhin immer geben", betonte Volker Bosse von der HypoVereinsbank. Ein anderer Analyst nannte das Medienhaus Intertainment als Beispiel für ein Unternehmen, das die überzogenen Erwartungen des Marktes nicht erfüllen konnte. Eine herbe Enttäuschung sei aufgekommen, nachdem Intertainment am vergangenen Freitag seine Gesamtjahresprognosen nach unten revidiert habe. Auch die Telekom-Internet-Tochter T-Online habe die hohen Erwartungen der Anleger nicht erfüllen können, nachdem die Strategie, über eine "Flat-Rate" zum zeitlich unbegrenzten Surfen im Internet neue Marktanteile zu gewinnen, einfach zu hohe Kosten produziert habe./fa/av/fl
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Enttäuschung der Investoren über die ausgebliebene Jahresendrally am Neuen Markt und die tiefen Wunden aus den jüngsten Kursverlusten haben die Chancen für eine nachhaltige Erholung am Neuen Markt noch in diesem Jahr deutlich schrumpfen lassen. Das Vertrauen in den Neuen Markt und die im NEMAX50 zusammengefassten Schwergewichte sei empfindlich gestört worden und habe die Hoffnung auf einen schnellen Aufschwung des technologietitel-lastigen Index zerstört. Dies ist der Tenor der von dpa-AFX befragten Händler und Analysten am Donnerstag.
"Der Markt wird sich auf absehbare Zeit nicht wieder auf die hohen Niveaus erholen können, die noch im Frühjahr dieses Jahres erreicht wurden", sagte ein Analyst. Einige Händler zeigten sich jedoch zuversichtlich, dass sich die Einstellung zum Neuen Markt zu Beginn des kommenden Jahres wieder bessern könnte. Wie ein Frankfurter Händler allerdings zu bedenken gab, könnten Anleger den Markt für das laufende Jahr vermutlich "abschreiben". "Derzeit sei eine nachhaltige Erholung nicht in Sicht, weil Investoren das gesamte Vertrauen in den Markt verloren haben", meinte der Händler.
Maximillian Schoeller von Merck Finck & Co geht jedoch davon aus, dass einige starke Aktien im Markt von ihren aktuell niedrigen Kursniveaus nach oben drehen könnten. Ein anderer Händler sehe aus langfristigen Gesichtspunkten heraus besonders gute Chancen für EM.TV & Merchandising AG . Der Münchner Medienriese habe sich gut positioniert und mache Gewinne, so seine Argumentation. Dabei spiegele die derzeitige Marktkapitalisierung weniger als der Preis für einen 50prozentigen Anteil am Formel 1-Geschäft wieder.
Christopher Ossig von JP Morgan sieht gute Chancen für Online-Banken. Langfristig sollten die Discount-Broker von dem steigenden Interesse und Engagement privater Investoren an den Aktienmärkten und bei Fonds profitieren. Alle drei großen am Neuen Markt gelisteten Unternehmen Consors Discount-Broker , Comdirect Bank AG und Direkt Anlage Bank AG sieht Ossig als "attraktiv" an. Allerdings müsse sich der Mark erst stabilisieren, damit die Investoren wieder zurückkehrten. Ossig sagte: "Wer will schon in ein fallendes Messer hineingreifen!?"
Ein Analyst einer Frankfurter Bank erklärte, dass die Überbewertung vieler Unternehmen am Neuen Markt im Zuge der jüngsten Korrektur deutlich abgebaut worden sei. Diese habe viele Investoren von einem Wiedereinstieg abgehalten, die nun wieder zögerlich als Käufer zurückkehren könnten. Nun könnten sich Anleger wieder "Qualitätsunternehmen" wie Aixtron AG und Qiagen widmen, die eine hohe Liquidität aufwiesen und zuverlässig seien.
Wie ein anderer Analyst erklärte, dürfte sich die Aktienkultur in Deutschland durch die scharfen Verluste der verdangenen Monate allerdings grundlegend geändert haben. Die Investoren dürften vorsichtiger geworden sein und deutlich selektiver und konservativer bei ihrer Aktienauswahl vorgehen. Dem Analyst zufolge dürften nicht mehr so hohe Preise für Fantasie bezahlt werden. Dennoch seien einige Unternehmen nach den Kurseinbrüchen mittlerweile deutlich unterbewertet: Als Beispiel nannte der Analyst Intershop , die als "gutes und starkes" Unternehmen als "Strong Buy" gesehen werden könnten. "Nun haben die Investoren die Chance, sich wieder die Gewinneraktien von weiterhin intakten und gesunden Unternehmen herauszusuchen, nachdem zuvor zahlreiche Firmen doch sehr schwache und enttäuschende Ergebnisse vorgelegt hatten".
"Schwarze Schafe wie beispielsweise Infomatec wird es aber auch weiterhin immer geben", betonte Volker Bosse von der HypoVereinsbank. Ein anderer Analyst nannte das Medienhaus Intertainment als Beispiel für ein Unternehmen, das die überzogenen Erwartungen des Marktes nicht erfüllen konnte. Eine herbe Enttäuschung sei aufgekommen, nachdem Intertainment am vergangenen Freitag seine Gesamtjahresprognosen nach unten revidiert habe. Auch die Telekom-Internet-Tochter T-Online habe die hohen Erwartungen der Anleger nicht erfüllen können, nachdem die Strategie, über eine "Flat-Rate" zum zeitlich unbegrenzten Surfen im Internet neue Marktanteile zu gewinnen, einfach zu hohe Kosten produziert habe./fa/av/fl