ALLES WISCHI-WASCHI ?!!H. THIEME


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ALLES WISCHI-WASCHI ?!!H. THIEME

 
13.08.02 08:33
12.08.2002
Jubiläum mit Schmerzen
Die Börsenturbulenzen in diesem Jahr haben viele Anleger entnervt. Seit der Jahrtausendwende scheint auf dem Börsenparkett außer fallenden Kursen kaum etwas zu laufen. Die These, bei Kursschwächen zu kaufen, scheint seit dem Frühjahr 2000 widerlegt. Pessimisten erwarten weitere Kursverluste, obwohl etliche Werte bereits mehr als 90 Prozent von ihren Höchstständen entfernt sind. In diesen turbulenten Zeiten erinnern sich wahrscheinlich nur wenige daran, daß vor genau 20 Jahren, am 12. August 1982, die größte Hausse der Börsengeschichte begann. Der Dow-Jones-Index stand bei 777 und - ähnlich wie heute - sprach kaum jemand von einem bevorstehenden Aufschwung, der
dann fast 18 Jahre andauern sollte.

Damals befand sich Mexiko in Finanzschwierigkeiten, heute sind es Brasilien und Argentinien. Die amerikanische Wirtschaft kämpfte mit einer Rezession, und die Unternehmensgewinne standen, ähnlich wie heute, unter Druck. Fünf Jahre später, als der Dow Jones seinen damaligen Rekordstand von mehr als 2700 Punkten erreichte, kam die Superhausse ins Stocken. Der knapp zweimonatige Abwärtstrend endete am 19. Oktober mit dem größten Tagesverlust von fast 23 Prozent. Von diesem Rückschlag erholte sich Wall
Street jedoch bereits innerhalb von zwei Jahren. Sie erzielte neue Höchststände, bis 1990 der Einmarsch der Iraker in Kuweit zwischen August und Oktober zu einem neuerlichen Rückschlag führte. Knapp zehn Jahre später wurde dann am 14. Januar 2000 mit 11 723 Punkten die bisherige Höchstmarke
erreicht. Dies bedeutete einen Rekordanstieg von 1400 Prozent in 17 Jahren
und fünf Monaten.

Die Durststrecke, die Börsianer seitdem durchmachen mußten, war zwar

äußerst schmerzhaft, jedoch kann sie sich im nachhinein als durchaus gesund
erweisen. Übertriebene Gewinnerwartungen erzeugten unter Anlegern ein
vollkommen verzerrtes Bild. Anstatt mit einem normalen Jahresgewinn von bis
zu zehn Prozent zufrieden zu sein, glaubten die meisten, daß dies in
Zukunft eher ein Tagesergebnis sein könnte. Nach dem inzwischen
herrschenden Kater sollte man sich nüchtern mit den Chancen der Börse
auseinandersetzen.

Käme es jetzt zu einem ähnlich starken Anstieg bis zum Jahre 2020 wie
zwischen 1982 und 2000, dann würde der Dow Jones von seinem diesjährigen
Tiefstand vom 23. Juli von rund 7700 auf über 115 000 Punkte steigen. Dies
entspräche einem Jahresdurchschnitt von fast 17 Prozent. Kommt es dagegen
eher zu einer normalen Börsenentwicklung, ist ein Indexstand von 30 000
Punkten bis 2020 erreichbar. Dies würde lediglich einen Jahresanstieg von 8
Prozent bedeuten und in etwa dem langjährigen Indexanstieg der Börse
entsprechen.

Ein weiteres Jubiläum gab es am Sonntag, als Notenbankchef Alan Greenspan
sein fünfzehntes Jahr als Notenbankpräsident feierte. Als er am 11. August
1987 sein Amt antrat, wurde er nur gut zwei Monate später mit dem größten
Börsencrash der Geschichte konfrontiert. Seine Fähigkeit, nicht nur in
schwierigen, sondern auch in euphorischen Börsenzeiten die richtige
Zinsstrategie zu verfolgen, hat ihm allgemeines Lob eingebracht. Für seine
Leistung wurde er vor wenigen Tagen auch in England geadelt.

Der August hat sich nach einem äußerst schwachen Beginn in der vergangenen
Woche seit Dienstag deutlich erholt und weist mit rund fünf Prozent den
besten Wochengewinn seit September auf. Der Dow Jones liegt mit 8745 gut
1000 Punkte über dem bisherigen Jahrestief vom 23. Juli. Der Startschuß für
die Jubiläumswoche ist somit bereits gefallen und wird hoffentlich wie vor
20 Jahren noch lange Früchte tragen.

HEIKO THIEME


mfg
ath

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