Folgender Artikel befasst sich mit alten, von den "Multis" aufgegebenen Feldern in den USA.
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Handelsblatt Nr. 183 vom 21.09.07 Seite 24
Neues Geschäft mit alten Ölfeldern
Multis hinterlassen riesige Ölmengen in den USA - Kleinunternehmen beuten die Felder weiter aus
SÖNKE IWERSEN | DÜSSELDORF Obwohl der Ölpreis seit Jahren steigt, liegen in den USA, beim größten Ölverbraucher der Welt, mehrere hunderttausend Ölfelder brach. Große Konzerne wie Exxon und Chevron haben die alternden Quellen als zu unwirtschaftlich eingestuft. Nun machen sich kleinere, oft ausländische Unternehmen daran, aus den Hinterlassenschaften der Multis Profit zu schlagen. Die Einheimischen empfangen die Neuankömmlinge mit offenen Armen.
"Das Arbeiten mit dem Amerikanern ist sehr angenehm", sagt Holger Friedrich, Vorstandschef der United Energy Group. Der Deutsche, der sein Unternehmen im April 2006 gegründet und im Juni 2007 an die Börse gebracht hat, konzentriert sich auf Texas und Oklahoma. Die US-Bundesstaaten waren einst Grundpfeiler der Weltölwirtschaft, haben jedoch schwere Zeiten hinter sich. Mehr als 100 000 US-Ölarbeiter verloren in den 80er und 90er Jahren ihre Jobs, als der Ölpreis in für die Förderer katastrophale Tiefen fiel. "Manche Felder, die wir gekauft haben, sehen aus, als ob sie damals über Nacht verlassen wurden", sagt Friedrich. "Da liegt teilweise sogar das Werkzeug noch herum."
Bei einem Ölpreis von sieben Dollar pro Fass war für die Konzerne wirtschaftliches Arbeiten nicht mehr möglich. Was nicht verkauft werden konnte, wurde stillgelegt.
Zurück blieben detailliere Daten - für jedermann zugänglich. "In dieser Beziehung sind uns die USA um einiges voraus", sagt Hans Georg Babies von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. "In Deutschland gehören die Daten über Ölvorkommen und gefördertes Öl den jeweiligen Unternehmen. In den USA liegen sie bei den Behörden." Und die geben sie gern weiter, "Die Grundeinstellung zum Öl ist hier positiv", sagt Friedrich. Wenn seine Firma sich nach Bohrlizenzen erkundigt, ist die Begrüßung meist ausgesprochen freundlich. Fast jeder, so scheint es. hat Interesse an neuen Investoren, die aus den alten Löchern neues Öl holen. Steuereinnahmen und Lizenzabgaben an die Grundbesitzer sind überzeugende Argumente.
Denn auf eine Rückkehr der Großkonzerne können die Amerikaner trotz eines Ölpreises von derzeit mehr als 80 Dollar pro Fass nicht zählen. "Die Multis müssen bei ihrer Rechnung ihren gesamten Kostenapparat auf die einzelnen Löcher umlegen", erklärt Donald Hertzmark, Ölexperte von der University of Georgetown. Dies rechne sich bei alten Ölfeldern nicht, weil die zu erwartende Restfördermenge zu gering sei.
"Wir müssen unser Geld dort investieren, wo es am meisten Ertrag bring", bestätigt ein Sprecher von Shell. Der Ölriese investiere daher lieber in Milliardenprojekte im Golf von Mexiko oder neuen, ebenfalls mit sehr hohen Kosten verbundenen Ölsand-Projekten in Kanada, weil die dort erwartete Fördermenge ungleich höher ist. Selbst noch nicht ausgeschöpfte Ölfelder in der Nordsee wurden bereits verkauft.
Für die kleinen Förderer dagegen sind die alternden Felder attraktiv. Die aufwändige, teure Suche nach Vorkommen entfällt, und weil die kleinen Firmen oft mit einer minimalen Verwaltung arbeiten, sind auch geringe Förderaufkommen für sie profitabel.
Hinzu kommt, dass neue Technik auch aus alten Feldern mehr Öl herauslockt als ursprünglich angenommen. Im Durchschnitt wurden bisher nur 30 Prozent des Öls aus dem Boden geholt. Geologen und Ingenieure haben in den vergangenen Jahren diverse Techniken entwickelt, um diesen Wert zu steigern. Selbst kleinere Prozentzuwächse können den Zeitpunkt, an dem der Welt das Öl ausgeht, erheblich nach hinten verschieben. Für den Unternehmer Friedrich, der gerade ein neues, verlassenes Feld in Oklahoma aufgekauft hat, ist die Frage nach dem Ende des Ölzeitalters ohnehin eher akademisch. Friedrich: "Ich würde den technischen Fortschritt nicht unterschätzen. Wir haben allein auf dem Stand von heute noch zwanzig Jahre Arbeit." Iwersen, Sönke 21. September 2007