Hi Stephan und alle anderen Activa-Jünger,
das DCF Modell (Discounted Cash-Flow) ist der meist anerkannte (auch von mir) Ansatz zur Unternehmensbewertung (und als Resultat erhält man ja den Present Value PV). Ist der PV gleich Null, erwirtschafte ich nur den zur Abdiskontierung zugrunde gelegten Zinssatz, d.h. ich decke meine Kapitalkosten. Bei einem positiven PV schaffe ich Mehrwert fürs Unternehmen, neudeutsch Shareholder-Value. Ist der PV z.B. 100 und ein Käufer zahlt mir 100 für mein Unternehmen, dann hat der Käufer ceteris paribus keinerlei Vorteil durch diese Transaktion. Daraus folgt, dass wenn der Aktienkurs von Activa den PV 10 Wert pro Aktie erreicht, sagen wir mal ca. 60 €, dann hätte ein neuer Käufer, ceteris paribus, keinerlei Anreiz zu kaufen, da er keinen Mehrwert schaffen kann. Ich leite daraus ab, dass der Kurs bei vollständiger Information aller nicht den PV 10 erreichen wird, er sollte jedoch zumindest relativ nahe darankommen. Theoretisch, wenn keine Käufer mehr zu finden sind, sollten Aktionäre dann halten und über die entsprechenden Rückflüsse, nämlich die freien Cashflows, die durch die Geschäftstätigkeit und ggfs Liquidation des Unternehmens erwirtschaftet werden, genau den PV 10 Wert ausgeschüttet bekommen. Je nach Zeitfortschritt wird das absolut mehr Geld werden, da ja die Abdiskontierung für die seit dem Bewertungsstichtag bereits vergangenen Perioden wegfällt.
Soweit die Theorie. Nun, manche Gründe, warum jemand etwas anderes bezahlen sollte als PV 10, wurden ja von Dir und Shentist schon aufgeführt. Sie heben die ceteris paribus Bedingung auf. Ich überlege mir jetzt mal ein paar Beweggründe, warum unter oder über PV ver-/gekauft werden könnte (angenommen man hat einen "öffentlichen" PV, also z.B. von einer dritten Person), ohne natürlich vollständig sein zu können:
Verkäufer verkauft unter PV:
- er braucht Geld jetzt und nicht später
- er will sich auf anderes konzentrieren
- er erwirbt damit eine Option, die ihm ein vielfaches einbringen könnte
- er sieht Risiken, die er nicht eingehen will (rein theoretisch sollten diese Risiken natürlich in der PV Berechnung berücksichtigt sein, aber in der Praxis lässt sich das wohl kaum abbilden)
Käufer kauft unter PV:
- clevere Zug, denn er schafft Shareholder Value
Käufer kauft zu oder über PV:
- er kann Synergien bergen
- er vermutet Potential, dass nicht im PV berücksichtigt ist
- er schätzt das Risiko anders als der Ersteller des PV ein
So, nun wundere ich mich, dass Activa so weit unter PV einkaufen konnte. Vielleicht weil der PV 10 vor der Due Dilligence, also in den Augen der Rileys viel niedriger war? Vielleicht weil die Rileys denken, sie können nun ein vielfaches erwirtschaften als Activa Aktionäre. Vielleicht weil ihre Risikoeinschätzung eine andere war/ist. Ich weiss es natürlich nicht.
Mein Problem ist nun, dass die Unterbewertung Activas, die offensichtlich am Markt besteht, über das letzte Jahr gesehen eher grösser geworden ist anstatt sich langsam zu schliessen. Liegt das nun an einem Informationsmangel oder an einer unterschiedlichen Einschätzung der Risiken oder an der Anzweifelbarkeit der veröffentlichten PV 10 Werte?
Keine Ahnung. Mein Infragestellen des PV 10 Ansatzes rührt etwas daher, dass der Markt ja bekanntlich immer recht hat. Wenn jemand meint die Aktie ist 60 € wert, er kann aber nur Käufer finden, 13,50€ bezahlen, was ist dann der Wert???
Da ich ja doch an die theoretische Richtigkeit des PV Ansatzes glaube und auch subjektiv meine, sich auf die Angaben des Management verlassen zu können, habe ich investiert mit der HOFFNUNG, dass der Kurs sich dem PV 10 annähert. Ich muss aber auch die Möglichkeit berücksichtigen, das der Kurs das nicht tut, denn Börsen sind nicht logisch. Dann heisst es ausharren, bis die Dividenden fliessen oder die Firma verkauft wird (hoffentlich nahe am PV 10 Wert) und der Verkaufserlös ausgeschüttet wird. Das kann bei einem Juniorexplorer, dessen Management noch grosse Wachstumspläne hat, natürlich noch ewig dauern, inklusive der Gefahr, dass irgendwann mit den Cashflows neue Projekte eingegangen werden, die Wert vernichten.
Fazit: ich bin nicht überzeugt, dass die Börse dem PV 10 Ansatz folgt (sie kann, muss aber nicht). Deshalb macht es zwar Spass, sich auszurechnen, wie gross das Potential der Aktie ist (mache ich ja auch), auf der anderen Seite macht es dann aber auch wenig Sinn, sich zu beschweren, wenn der Kurs sich über Jahre nicht in die Richtung bewegt, die man ja logisch errechnet hat. Bessere Kommunikationspolitik würde da zwar sicher helfen, wäre aber auch keine Garantie dafür, dass man sich dem PV 10 annähert.
Ich wünschte natürlich, es wäre anders, aber das ist nunmal meine Meinung zum PV Konzept.