Eine CeBIT ohne Rekorde. Nur noch 700.000 Besucher kamen in diesem Jahr zur weltgrößten Computermesse - rund 18 Prozent weniger als im Jahr 2001. Die Enttäuschung darüber wollte sich aber niemand anmerken lassen.
"Was zählt ist Klasse, nicht Masse", zog Bitkom-Vizepräsident Willi Berchtold seine CeBIT-Bilanz. Die wichtigen IT-Entscheider seien vor Ort gewesen. "Einmal mehr konnte der Fachbesucheranteil - insbesondere aus dem Ausland - gesteigert werden. Zudem waren die Besucher besser vorbereitet", so der Verbandsvertreter. Am Ende waren es aber doch weniger Fachbesucher als noch im letzten Jahr. Wenigstens blieb der Prozentanteil mit 85 Prozent ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres.
Immerhin habe durchschnittlich jeder Gast 23 Stände besucht. Das seien alles in allem mehr als 16 Millionen mögliche Geschäftskontakte, erklärte Ernst Raue, CeBIT-Verantwortlicher bei der Deutschen Messe AG, am letzten Messetag. So schön kann man den Rückgang rechnen. Wie viel der den Veranstalter insgesamt gekostet hat, wollte niemand exakt beziffern. "Viel Geld", antwortete ein Messesprecher auf Nachfrage.
Schmerzlich für den Veranstalter, entspannend für die Besucher. Die Verlängerung der Computermesse um einen Tag - dabei soll es auch im kommenden Jahr bleiben - hat aus Sicht des hannoverschen Verkehrslenkungsdienstes move für überwiegend rollenden Verkehr gesorgt. Es seien deutlich weniger Fahrzeuge als im Vorjahr zur Messe unterwegs gewesen, sagte ein Sprecher der Gesellschaft. Auch die Verkehrsbetriebe Üstra beförderten mit 579.000 Messegästen rund 4,5 Prozent weniger als vor einem Jahr.
Entsprechend verhalten fiel die Bilanz der Messe AG aus. "Wir haben keine Rekordzahlen zu vermelden. Das ist angesichts der Lage auch nicht angebracht", sagte Raue bei der Abschluss-Pressekonferenz. Zum ersten Mal seit der Selbstständigkeit der Messe vor 16 Jahren wurden mit 7962 auch weniger Aussteller als im Vorjahr gezählt. Durchschlagende Wirkung auf die Lage habe die Messe bislang auch nicht gehabt.
Dabei waren die Erwartungen zu Beginn besonders hoch. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte bei seinem Eröffnungsrundgang mehrfach betont, es werde eine Aufbruchstimmung deutlich, die sich auf die Gesamtkonjunktur auswirken werde. Optimismus müsse die Botschaft der diesjährigen CeBIT sein.
Statt dessen herrscht nun mühsam unterdrückte Katerstimmung: Die Veranstaltung sei von "wahrer Nüchternheit" geprägt gewesen, zog Raue das Resumee. Den von Schröder angemahnten Optimismus machte sich lediglich Verbandssprecher Berchtold zu eigen, der bereits während der Veranstaltung nicht müde wurde, die gute Stimmung unter Ausstellern und Besuchern zu loben. "Sie ist besser als öffentlich wahrgenommen".
Mit harten Fakten untermauerte er seine Einschätzung aber nicht, abgesehen von einer Aussteller-Umfrage, die der CeBIT 2002 alles in allem die Schulnote 3 plus geben. Die gute Stimmung wollten freilich nicht alle teilen. Etliche Aussteller fanden sich schnell auf dem Boden der Tatsachen wieder und beklagten deutlich geringere Resonanz als vor einem Jahr. Auch so mancher Messebesucher wurde enttäuscht: "Was tolles Neues habe ich aber nicht gesehen", war zu hören, und "Multimedia auf dem Handy interessiert mich nicht, wieso hat sich auf dem PC-Sektor so wenig Innovatives getan?" All die bunten neuen Handys und zugehörigen Dienste für den Mobilfunk, von denen die Messe überquoll, konnten nicht jeden Besucher begeistern. Das liegt wohl vor allem daran, dass entweder die Preise zu hoch sind oder noch völlige Unklarheit über das Tarifmodell besteht. Viel Rauch um wenig Feuer, so das Fazit einiger gestresster CeBIT-Gänger.
Die CeBIT ohne Wachstum - für die Polizei galt das in diesem Jahr nicht. Sie meldete zum Abschluss mehr Festnahmen als auf früheren Veranstaltungen. Bis zum letzten Messetag seien rund 70 des Diebstahls verdächtige Personen festgenommen worden. Vier Mal so viele wie im Vorjahr. Insgesamt belaufe sich der Wert der auf der Messe abhanden gekommenen Waren auf etwa 850.000 Euro, sagte ein Polizeisprecher. Damit wurde die "Schadenssumme im Vergleich zum vorigen Jahr in etwa halbiert", sagte ein Sprecher zum Abschluss der CeBIT.
Anders als in den Vorjahren seien Stände nicht komplett abgeräumt worden. Eine spezielle Zusammenarbeit zwischen den Beamten, der Messe AG und einem Sicherheitsdienst habe dazu beigetragen. Besonders beliebt bei den Langfingern waren Notebooks und Handys. Bis zum letzten Messetag meldeten Aussteller etwa 180 dieser Geräte als vermisst.