HANDELSBLATT, Sonntag, 02. April 2006, 16:53 Uhr
Telekommunikationsausrüster
Alcatel und Lucent fusionieren
Der französische Telekommunikationsausrüster Alcatel und sein US-Konkurrent Lucent Technologies haben sich auf einen Zusammenschluss verständigt. Auch die Posten im neuen Unternehmen sind schon verteilt.
HB PARIS. Die Entscheidung teilten beide Unternehmen am Sonntag in Paris mit. Die Fusion schafft einen Konzern mit einem Umsatz von 21 Milliarden Euro. Das Einsparvolumen durch die Fusion bezifferten Alcatel und Lucent auf 1,4 Milliarden Euro binnen drei Jahren.
Im Rahmen der Transaktion sollen die Lucent-Aktionäre je Titel 0,1952 American Depositary Share auf Alcatel-Aktien erhalten. Das fusionierte Unternehmen soll seinen Sitz in Paris haben und von Lucent-CEO Patricia Russo geführt werden. Alcatel-CEO Serge Tchuruk soll der nicht im operativen Geschäft tätige Verwaltungsratsvorsitzende werden. Der Verwaltungsrat werde mit je sieben Vertretern von Lucent und Alcatel besetzt. Zusätzlich würden zwei unabhängige Verwaltungsratsmitglieder gesucht, auf die sich beide Parteien verständigen sollen.
Die Gespräche über eine Fusion laufen seit einer Woche. Mit dem Zusammenschluss werde auf den starken Wettbewerb im Markt für Telekomausrüstungen reagiert, teilten die Firmen mit. Analysten ergänzten, das Unternehmen sei dank des Zusammenschlusses in einer besseren Position bei Preisverhandlungen mit den Telekommunikationsgesellschaften. Für Alcatel würde sich zudem die Möglichkeit eröffnen, in die USA zu expandieren.
Hinsichtlich Geographie, Produkten und Dienstleistungen passten die beiden Unternehmen „unglaublich gut“ zusammen, hatte Tony DeSpirito bereits vor Bekanntwerden des Fusionsbeschlusses gesagt. Er ist Portfolio-Manager bei Pzena Investment Management LLC, einem der größten Lucent-Anteilseigner. „Es ist eine hübsche Liaison.“ Lucent könnte die Fusion neues Leben einhauchen. Ein Problem des Unternehmens ist nach Ansicht von Analysten, dass seine Produkte nicht auf dem neuesten Stand sind.