Bin Ladens Terrornetz Al Qaida
Globales Netzwerk von Terrorgruppen erstreckt sich auf etwa 50 Länder
Von Urs Gehriger
Zürich - Osama Bin Laden macht sich ein Netzwerk zu Nutze, das zu großen Teilen vom Westen aufgebaut und finanziert worden ist. In den achtziger Jahren unterstützten die USA, Saudi-Arabien und andere Staaten den Widerstand gegen die sowjetischen Truppen. Nach dem Rückzug der Sowjets aus Afghanistan 1989 kam die Organisation, die Tausende von moslemischen Kämpfern alimentierte, bewaffnete und ausbildete, unter die Kontrolle von Osama Bin Laden. Innerhalb weniger Jahre baute er diese zu einem globalen Netzwerk von Terrorgruppen aus und gab ihr den Namen Al Qaida (die Basis). Rückgrat und treibende Kraft von Al Qaida war von Beginn an Bin Laden. Heute zählt Al Qaida zwischen 3000 und 5000 Mitglieder, verfügt über Zellen in etwa 50 Ländern rund um die Welt und ist durch modernste Technologie vernetzt. Viele der Mitglieder werden zu speziellen Zwecken ausgebildet und leben in den jeweiligen Ländern als so genannte Schläfer, bis sie auf Kommando zum terroristischen Einsatz kommen.
Die Ideologie
"Die Tötung der Amerikaner und ihrer Verbündeten ist persönliche Pflicht jedes Moslems", hieß es in einem Manifest, das Al Qaida Anfang 1998 im afghanischen Khost veröffentlichte. Damit war die Stoßrichtung der Organisation offiziell gegeben: Die moslemische Welt sollte im "Dschihad gegen Juden und Kreuzritter" mobilisiert werden. Mit seinem panmoslemischen Appell distanzierte sich Bin Laden bewusst von jeglichem nationalen Gedankengut, das immer wieder zu Feindschaften innerhalb der islamischen Welt geführt hatte. Bin Ladens Feind Nummer eins sind die USA, ein Land, das er als direkte Bedrohung für den Islam betrachtet. Aber auch Israel, Russland, Indien und europäische Staaten stehen auf der schwarzen Liste seiner Organisation.
Die Mitglieder
Viele Al-Qaida-Mitglieder sind Mudschahedin aus dem afghanischen Krieg. Rund 50 000 Kämpfer aus dem gesamten islamischen Raum hatten am Dschihad gegen die Sowjets teilgenommen; viele von ihnen haben seither in zahlreichen Konflikten weitergekämpft, so etwa in Kaschmir, Tschetschenien, Berg-Karabach, Tadschikistan, Bosnien-Herzegowina und Algerien. Die breit gefasste Ideologie von Al Qaida hat es ihren Mitgliedern ermöglicht, islamische Gruppen verschiedener Schattierungen zu infiltrieren. Auch zahlreiche moslemische Gesellschaften in nicht-islamischen Ländern wurden unterwandert.
Die Verbündeten
Bin Laden selbst verfügt über ein Guthaben von schätzungsweise 300 Millionen Dollar. Verschiedene arabische Millionäre, vor allem aus der Golfregion, haben Bin Laden oder assoziierte Gruppen regelmäßig unterstützt. Zudem sind substanzielle Beträge aus dem Sudan und dem Iran in die Kassen von Al Qaida geflossen. Schließlich bezieht die Organisation Gelder von verschiedenen moslemischen Wohltätigkeitsorganisationen. Der internationale Geldtransfer wird vor allem von Osama Bin Ladens Schwager, Mohammed Jamal Khalifa, abgewickelt.
Die "Unverwundbarkeit"
Bin Laden hat eine Organisation aufgebaut, die schwer aufzudecken ist. Die internationalen Geheimdienste bekunden Mühe mit der ungewohnten Agilität und der dynamischen Struktur der Organisation. Drei Hindernisse machen den Kampf gegen Al Qaida zu einer komplizierten Angelegenheit: Mit Bin Laden hat Al Qaida einen charismatischen Führer, der in der islamischen Welt auf große Sympathien stößt. Viele von Al Qaida geplanten Anschläge werden von kleinen, zum Teil unbekannten Splittergruppen ausgeführt.
Bin Laden selbst ist kaum zu fassen. Das gebirgige Afghanistan bietet ihm ideale Möglichkeiten, sich zu verstecken. Die radikal-islamischen Taliban, die ihr Regime von der Welt praktisch abgekapselt haben, fungieren als idealer Schutzschild. Da die Infrastruktur in dem Land am Hindukusch daniederliegt, können Bombardierungen die Kämpfer kaum in die Knie zwingen. Auch diplomatische Druckmittel sind keine Option. Das Land ist politisch ohnehin bereits weit gehend isoliert.
Al Qaida hat zahlreiche internationale Hilfsorganisationen und arabische Gemeinschaften im Westen unterwandert, somit ist die mögliche Täterschaft omnipräsent. Wird eine Zelle aufgedeckt, ist der Schaden für die Gesamtstruktur von Al Qaida meist gering.
El Kaida: Feuer wird unter ihren Fußsohlen lodern
Terrororganisation warnt Briten und Amerikaner davor, in Hochhäusern zu leben und Flugzeuge zu benutzen. US-Angiffe auf Afghanistan werden fortgesetzt
Der Feuerschein einer explodierenden US-Bombe bei Kabul Foto: dpa
Dubai - Die Organisation des Islamisten Osama bin Laden, El Kaida, hat erneut mit Anschlägen gedroht. Der katarische Sender El Dschasira zitierte aus einer Erklärung der Gruppe, in der Amerikaner und Briten, besonders aber Moslems und Kinder gewarnt wurden, Flugzeuge zu benutzen oder in Hochhäusern zu leben.
El Dschasira zitierte El-Kaida-Sprecher Sulaiman Bu Gheith mit den Worten: „Wir sagen Bush und anderen in seiner Regierung, dass der Sturm nicht enden wird, besonders der Sturm der Flugzeuge, bis die Angriffe auf Afghanistan aufhören und palästinensisches Land befreit sein wird.“ Die „Ungläubigen“ aus Großbritannien und den USA sollten zudem die Golfregion verlassen. Andernfalls werde „Feuer unter ihren Fußsohlen lodern“.
Die USA wiesen die Erklärung als Propaganda zurück. Zugleich wurden die US-Angriffe auf Afghanistan in der siebten Nacht in Folge fortgesetzt, wobei auch wieder die Stadt Dschalalabad unter Beschuss lag. Die Stadt ist eines der bevorzugten Ziele der Alliierten ist. Um die Stadt herum befinden sich mehrere Aubildungslager militanter Islamisten, von denen einige von El Kaida betrieben worden sein sollen. Die afghanische Nachrichtenagentur AIP meldete, es seien Armeeeinrichtungen im Osten von Dschalalabad getroffen worden. Dabei seien sechs Menschen verletzt worden. Zwei weitere Bomben seien in den Außenbezirken der Stadt eingeschlagen. Bei den Bombardements seien auch mehrere Häuser getroffen worden. Aus Regierungskreisen verlautete, möglicherweise habe es auch Todesopfer gegeben. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums war am Samstag versehentlich ein Wohngebiet nahe dem Flughafen von Kabul getroffen worden. „Wir bedauern jedes Opfer unter den Bürgern“, hieß es in einer US-Stellungnahme.
Die Sprecherin des US-Präsidialamtes, Jennifer Millerwise, sagte in Washington, die USA betrachteten die Erklärung der El Kaida als neuerliche Propaganda. Bereits am Dienstag hatte die Gruppe über den katarischen Sender eine Erklärung verbreitet, in der weitere Anschläge mit Flugzeugen angekündigt wurden.
Globales Netzwerk von Terrorgruppen erstreckt sich auf etwa 50 Länder
Von Urs Gehriger
Zürich - Osama Bin Laden macht sich ein Netzwerk zu Nutze, das zu großen Teilen vom Westen aufgebaut und finanziert worden ist. In den achtziger Jahren unterstützten die USA, Saudi-Arabien und andere Staaten den Widerstand gegen die sowjetischen Truppen. Nach dem Rückzug der Sowjets aus Afghanistan 1989 kam die Organisation, die Tausende von moslemischen Kämpfern alimentierte, bewaffnete und ausbildete, unter die Kontrolle von Osama Bin Laden. Innerhalb weniger Jahre baute er diese zu einem globalen Netzwerk von Terrorgruppen aus und gab ihr den Namen Al Qaida (die Basis). Rückgrat und treibende Kraft von Al Qaida war von Beginn an Bin Laden. Heute zählt Al Qaida zwischen 3000 und 5000 Mitglieder, verfügt über Zellen in etwa 50 Ländern rund um die Welt und ist durch modernste Technologie vernetzt. Viele der Mitglieder werden zu speziellen Zwecken ausgebildet und leben in den jeweiligen Ländern als so genannte Schläfer, bis sie auf Kommando zum terroristischen Einsatz kommen.
Die Ideologie
"Die Tötung der Amerikaner und ihrer Verbündeten ist persönliche Pflicht jedes Moslems", hieß es in einem Manifest, das Al Qaida Anfang 1998 im afghanischen Khost veröffentlichte. Damit war die Stoßrichtung der Organisation offiziell gegeben: Die moslemische Welt sollte im "Dschihad gegen Juden und Kreuzritter" mobilisiert werden. Mit seinem panmoslemischen Appell distanzierte sich Bin Laden bewusst von jeglichem nationalen Gedankengut, das immer wieder zu Feindschaften innerhalb der islamischen Welt geführt hatte. Bin Ladens Feind Nummer eins sind die USA, ein Land, das er als direkte Bedrohung für den Islam betrachtet. Aber auch Israel, Russland, Indien und europäische Staaten stehen auf der schwarzen Liste seiner Organisation.
Die Mitglieder
Viele Al-Qaida-Mitglieder sind Mudschahedin aus dem afghanischen Krieg. Rund 50 000 Kämpfer aus dem gesamten islamischen Raum hatten am Dschihad gegen die Sowjets teilgenommen; viele von ihnen haben seither in zahlreichen Konflikten weitergekämpft, so etwa in Kaschmir, Tschetschenien, Berg-Karabach, Tadschikistan, Bosnien-Herzegowina und Algerien. Die breit gefasste Ideologie von Al Qaida hat es ihren Mitgliedern ermöglicht, islamische Gruppen verschiedener Schattierungen zu infiltrieren. Auch zahlreiche moslemische Gesellschaften in nicht-islamischen Ländern wurden unterwandert.
Die Verbündeten
Bin Laden selbst verfügt über ein Guthaben von schätzungsweise 300 Millionen Dollar. Verschiedene arabische Millionäre, vor allem aus der Golfregion, haben Bin Laden oder assoziierte Gruppen regelmäßig unterstützt. Zudem sind substanzielle Beträge aus dem Sudan und dem Iran in die Kassen von Al Qaida geflossen. Schließlich bezieht die Organisation Gelder von verschiedenen moslemischen Wohltätigkeitsorganisationen. Der internationale Geldtransfer wird vor allem von Osama Bin Ladens Schwager, Mohammed Jamal Khalifa, abgewickelt.
Die "Unverwundbarkeit"
Bin Laden hat eine Organisation aufgebaut, die schwer aufzudecken ist. Die internationalen Geheimdienste bekunden Mühe mit der ungewohnten Agilität und der dynamischen Struktur der Organisation. Drei Hindernisse machen den Kampf gegen Al Qaida zu einer komplizierten Angelegenheit: Mit Bin Laden hat Al Qaida einen charismatischen Führer, der in der islamischen Welt auf große Sympathien stößt. Viele von Al Qaida geplanten Anschläge werden von kleinen, zum Teil unbekannten Splittergruppen ausgeführt.
Bin Laden selbst ist kaum zu fassen. Das gebirgige Afghanistan bietet ihm ideale Möglichkeiten, sich zu verstecken. Die radikal-islamischen Taliban, die ihr Regime von der Welt praktisch abgekapselt haben, fungieren als idealer Schutzschild. Da die Infrastruktur in dem Land am Hindukusch daniederliegt, können Bombardierungen die Kämpfer kaum in die Knie zwingen. Auch diplomatische Druckmittel sind keine Option. Das Land ist politisch ohnehin bereits weit gehend isoliert.
Al Qaida hat zahlreiche internationale Hilfsorganisationen und arabische Gemeinschaften im Westen unterwandert, somit ist die mögliche Täterschaft omnipräsent. Wird eine Zelle aufgedeckt, ist der Schaden für die Gesamtstruktur von Al Qaida meist gering.
El Kaida: Feuer wird unter ihren Fußsohlen lodern
Terrororganisation warnt Briten und Amerikaner davor, in Hochhäusern zu leben und Flugzeuge zu benutzen. US-Angiffe auf Afghanistan werden fortgesetzt
Der Feuerschein einer explodierenden US-Bombe bei Kabul Foto: dpa
Dubai - Die Organisation des Islamisten Osama bin Laden, El Kaida, hat erneut mit Anschlägen gedroht. Der katarische Sender El Dschasira zitierte aus einer Erklärung der Gruppe, in der Amerikaner und Briten, besonders aber Moslems und Kinder gewarnt wurden, Flugzeuge zu benutzen oder in Hochhäusern zu leben.
El Dschasira zitierte El-Kaida-Sprecher Sulaiman Bu Gheith mit den Worten: „Wir sagen Bush und anderen in seiner Regierung, dass der Sturm nicht enden wird, besonders der Sturm der Flugzeuge, bis die Angriffe auf Afghanistan aufhören und palästinensisches Land befreit sein wird.“ Die „Ungläubigen“ aus Großbritannien und den USA sollten zudem die Golfregion verlassen. Andernfalls werde „Feuer unter ihren Fußsohlen lodern“.
Die USA wiesen die Erklärung als Propaganda zurück. Zugleich wurden die US-Angriffe auf Afghanistan in der siebten Nacht in Folge fortgesetzt, wobei auch wieder die Stadt Dschalalabad unter Beschuss lag. Die Stadt ist eines der bevorzugten Ziele der Alliierten ist. Um die Stadt herum befinden sich mehrere Aubildungslager militanter Islamisten, von denen einige von El Kaida betrieben worden sein sollen. Die afghanische Nachrichtenagentur AIP meldete, es seien Armeeeinrichtungen im Osten von Dschalalabad getroffen worden. Dabei seien sechs Menschen verletzt worden. Zwei weitere Bomben seien in den Außenbezirken der Stadt eingeschlagen. Bei den Bombardements seien auch mehrere Häuser getroffen worden. Aus Regierungskreisen verlautete, möglicherweise habe es auch Todesopfer gegeben. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums war am Samstag versehentlich ein Wohngebiet nahe dem Flughafen von Kabul getroffen worden. „Wir bedauern jedes Opfer unter den Bürgern“, hieß es in einer US-Stellungnahme.
Die Sprecherin des US-Präsidialamtes, Jennifer Millerwise, sagte in Washington, die USA betrachteten die Erklärung der El Kaida als neuerliche Propaganda. Bereits am Dienstag hatte die Gruppe über den katarischen Sender eine Erklärung verbreitet, in der weitere Anschläge mit Flugzeugen angekündigt wurden.