Einst standen sie an jeder Ecke. Heute sucht man sie immmer häufiger vergeblich. Die gute alte Telefonzelle ist vom Aussterben bedroht. Eine Grabesrede.
In einer Telefonzelle klingelt es, Tag für Tag. Niemand hebt ab. Sie steht in der amerikanischen Mojave-Wüste, einem einsamen Ort, das Tal des Todes gleich in der Nähe. Der Wind treibt Sand vorbei.
Ausgedient: Im Zeitalter des Handys ist das Quaseln in der Zelle nicht mehr "in".
Dass massenhaft Anrufe in die Wüstenluft dringen, ist Godfrey Daniels zu verdanken. Er beschloss im Mai 1997, täglich die Wüsten-Telefonzelle anzuwählen. Als knapp einen Monat später Lorene Crawford, Betreiberin einer Vulkanasche-Mine, zum ersten Mal den Hörer abnahm, veröffentlichte Godfrey den Mitschnitt des Gesprächs im Internet - nebst der Telefonnummer. Das hatte Folgen.
Die Mojave-Telefonzelle wurde berühmt: Reporter suchten sie heim, ein Film spielte dort. Zahllose Neugierige reisten in die Wüste - und meldeten sich, wenn es bimmelte. Das Telefonhäuschen wurde zum Chatraum, einem Ort, an dem sich wildfremde Menschen kennen lernen.
Telefonzelle als Kultobjekt. 1960 erfüllte sie noch ihren ursprünglichen Zweck, sie diente dem Minengründer Emerson Ray und seinen Mitarbeitern als Draht zur Welt. Das ist inzwischen anders. Die Region ist verwaist. Telefonzellen sind ein schwieriges Geschäft geworden. Nicht nur in den USA.
Marktschwund: Das Handy macht dem öffentlichen Fernsprecher den Garaus. 130.000 bunte Telefonhäuschen gibt es in Deutschland. Vor sieben Jahren waren es noch 165.000. Die Wartung der Quatschkabinen verschlingt viel Geld, die Einnahmen sind mau: An manch seltenem Standort haben die Telekomkunden innerhalb eines Jahres gerade mal 60 Mark vertelefoniert, selbst die am besten postierten Häuschen bringen nur mehrere hundert Mark pro Monat. "Ein schwieriger Markt", heißt es bei der Telekom.
Zukunft: Es wird noch schwieriger. 60 Millionen Deutsche werden Ende 2001 ein Handy besitzen. Rein rechnerisch gibt es schon nächstes Jahr mehr Mobiltelefone als Nutzer. Wozu noch Telefonzellen? Dem Schwund versucht die Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation Einhalt zu gebieten. Sie will mindestens eine Telefonzelle in einem Umkreis von drei Kilometern sehen. Das ist der Richtwert. Darunter ist der Abriss nur mit Auflagen erlaubt.
Hoffnung: Weil der Deutschen Telekom die Häuschen aufgezwungen werden, auch wenn sie Verluste machen, sucht der Telefongigant nach einem neuen Geschäftsmodell. Das Internet soll helfen: In diesem Jahr wuchsen 1000 Stück der Telekiosk genannten öffentlichen Surfstationen aus dem Boden von Bahnhöfen und Flughäfen. 2002 soll es noch mehr geben. Faxen, Surfen, Sprechen können die Passanten dort. Und Informationen über die Umgebung abrufen, eine Art virtueller Stadtführer.
Abschied: Letzter Blick in die kalifornische Mojave-Wüste: Ein bunter Grabstein steht dort, wo die Wüsten-Telefonzelle stand. Die Arbeiter der Gesellschaft Pacific Bell haben sie im Mai 2000 abgerissen.


Rückblick: Der Aufstieg und der Fall eines Kommunikationsmittels
1878: Die District Telephone Company testet in New Haven/USA eine Telefonzelle.
1904: Die Deutsche Reichspost stellt in Berlin die erste Telefonzelle auf. Tarif: 50 Pfennig für fünf Minuten plaudern.
1927: Gespräche sind nach Übersee möglich. Allerdings nur aus den Städten Berlin, Frankfurt und Hamburg.
1953: Die Deutsche Bundespost führt das gelbe Telefonhäuschen ein.
1994: Das Jahr der meisten Telefonzellen in Deutschland: Bundesweit gab es 165.000. Heute stehen nur noch etwa 130.000.
2000: Die starke Verbreitung von Handys macht den Telefonzellen den Garaus.
In einer Telefonzelle klingelt es, Tag für Tag. Niemand hebt ab. Sie steht in der amerikanischen Mojave-Wüste, einem einsamen Ort, das Tal des Todes gleich in der Nähe. Der Wind treibt Sand vorbei.
Ausgedient: Im Zeitalter des Handys ist das Quaseln in der Zelle nicht mehr "in".
Dass massenhaft Anrufe in die Wüstenluft dringen, ist Godfrey Daniels zu verdanken. Er beschloss im Mai 1997, täglich die Wüsten-Telefonzelle anzuwählen. Als knapp einen Monat später Lorene Crawford, Betreiberin einer Vulkanasche-Mine, zum ersten Mal den Hörer abnahm, veröffentlichte Godfrey den Mitschnitt des Gesprächs im Internet - nebst der Telefonnummer. Das hatte Folgen.
Die Mojave-Telefonzelle wurde berühmt: Reporter suchten sie heim, ein Film spielte dort. Zahllose Neugierige reisten in die Wüste - und meldeten sich, wenn es bimmelte. Das Telefonhäuschen wurde zum Chatraum, einem Ort, an dem sich wildfremde Menschen kennen lernen.
Telefonzelle als Kultobjekt. 1960 erfüllte sie noch ihren ursprünglichen Zweck, sie diente dem Minengründer Emerson Ray und seinen Mitarbeitern als Draht zur Welt. Das ist inzwischen anders. Die Region ist verwaist. Telefonzellen sind ein schwieriges Geschäft geworden. Nicht nur in den USA.
Marktschwund: Das Handy macht dem öffentlichen Fernsprecher den Garaus. 130.000 bunte Telefonhäuschen gibt es in Deutschland. Vor sieben Jahren waren es noch 165.000. Die Wartung der Quatschkabinen verschlingt viel Geld, die Einnahmen sind mau: An manch seltenem Standort haben die Telekomkunden innerhalb eines Jahres gerade mal 60 Mark vertelefoniert, selbst die am besten postierten Häuschen bringen nur mehrere hundert Mark pro Monat. "Ein schwieriger Markt", heißt es bei der Telekom.
Zukunft: Es wird noch schwieriger. 60 Millionen Deutsche werden Ende 2001 ein Handy besitzen. Rein rechnerisch gibt es schon nächstes Jahr mehr Mobiltelefone als Nutzer. Wozu noch Telefonzellen? Dem Schwund versucht die Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation Einhalt zu gebieten. Sie will mindestens eine Telefonzelle in einem Umkreis von drei Kilometern sehen. Das ist der Richtwert. Darunter ist der Abriss nur mit Auflagen erlaubt.
Hoffnung: Weil der Deutschen Telekom die Häuschen aufgezwungen werden, auch wenn sie Verluste machen, sucht der Telefongigant nach einem neuen Geschäftsmodell. Das Internet soll helfen: In diesem Jahr wuchsen 1000 Stück der Telekiosk genannten öffentlichen Surfstationen aus dem Boden von Bahnhöfen und Flughäfen. 2002 soll es noch mehr geben. Faxen, Surfen, Sprechen können die Passanten dort. Und Informationen über die Umgebung abrufen, eine Art virtueller Stadtführer.
Abschied: Letzter Blick in die kalifornische Mojave-Wüste: Ein bunter Grabstein steht dort, wo die Wüsten-Telefonzelle stand. Die Arbeiter der Gesellschaft Pacific Bell haben sie im Mai 2000 abgerissen.


Rückblick: Der Aufstieg und der Fall eines Kommunikationsmittels
1878: Die District Telephone Company testet in New Haven/USA eine Telefonzelle.
1904: Die Deutsche Reichspost stellt in Berlin die erste Telefonzelle auf. Tarif: 50 Pfennig für fünf Minuten plaudern.
1927: Gespräche sind nach Übersee möglich. Allerdings nur aus den Städten Berlin, Frankfurt und Hamburg.
1953: Die Deutsche Bundespost führt das gelbe Telefonhäuschen ein.
1994: Das Jahr der meisten Telefonzellen in Deutschland: Bundesweit gab es 165.000. Heute stehen nur noch etwa 130.000.
2000: Die starke Verbreitung von Handys macht den Telefonzellen den Garaus.