Vivacon plant Kauf von 20000 Wohnungen
VON WILLI FELDGEN, 01.08.05, 07:00h
Bild: we
Die Zentrale von Vivacon am Bayenthalgürtel
Bis zu zwei Milliarden Euro will das Kölner Unternehmen investieren.
Köln - Einen gewaltigen Sprung in ihrer Unternehmensentwicklung macht die Kölner
Vivacon AG. Das im S-Dax notierte Immobilienunternehmen hat mit einem
nordamerikanischen staatlichen Pensionsfonds eine Kooperation besiegelt.
Dabei stellt der Fonds der Vivacon für den Erwerb von Wohnimmobilien in den beiden kommenden Jahren bis zu 500 Millionen Euro Eigenkapital zur Verfügung.
Zusammen mit dem von Banken aufzunehmenden Kapital stehen damit bis zu
zwei Milliarden Euro als Kaufsumme bereit.
Vivacon soll die Wohnungen kaufen, langfristig für deren Bewirtschaftung sorgen und
sie später mit Gewinn weiter veräußern. Eine schnelle Privatisierung der Wohnungen
- wie sie von Vivacon bislang betrieben wurde - ist nicht beabsichtigt,
sagte Vorstandschef Marc Leffin. Bei einem Durchschnittspreis von 1400 Euro pro Quadratmeter und einer Wohnungsgröße von 60 Quadratmetern ergibt sich,
dass Vivacon bis 2007 mehr als 20 000 Wohnungen kaufen wird.
Leffin zeigte sich zuversichtlich, dass dies kein größeres Problem werde:
Deutschland sei als Markt für den Verkauf von Wohnungsportfolios immer noch unterentwickelt. Zudem stagnierten die Wohnungspreise seit rund 15 Jahren,
und die Qualität der deutschen Wohnungen sei im internationalen Vergleich außerordentlich hoch. Einen harten Wettbewerb zwischen großen Finanz-Investoren
gebe es zudem erst bei Paketen ab 40 000 oder 50 000 Wohnungen.
„Wir wollen unter diesem Radarschirm fliegen und kleinere Pakete kaufen“,
sagt Leffin.
Bereits unmittelbar nach Bekanntgabe der Kooperation habe es per E-Mail Angebote
zum Kauf von größeren Wohnungspaketen gegeben. Vivacon habe zuletzt viele Angebote ablehnen müssen, da man sich auf denkmalgeschützte und privatisierungsfähige Wohnungen konzentriert habe, die anschließend in Erbpacht veräußert wurden.
Diese Beschränkungen entfielen nun.
Um gegenüber dem Fonds zu dokumentieren, dass man nur interessante Objekte erwirbt,
wird sich Vivacon an jedem Objekt mit fünf Prozent beteiligen. Um das notwendige Geld aufzubringen, werden die bislang erworbenen Grundstücke bewertet und
am Kapitalmarkt verbrieft. Damit sichert sich Vivacon vorzeitig einen Teil der
in den nächsten Jahrzehnten garantierten Einkünfte aus den Erbpachten.
An der Kooperation mit dem Fonds verdient Vivacon mehrfach:
Die Kölner erhalten eine einmalige Gebühr von einem Prozent auf den Kaufpreis,
eine Management-Gebühr von ebenfalls einem Prozent pro Jahr, 0,5 Prozent beim Verkauf und eine erhebliche Beteiligung an den Verkaufsgewinnen.
Kräftiger Kursanstieg
Leffin hofft, dass sein Unternehmen schnell bekannter wird. Selbst in Köln sei das bislang nicht ganz einfach gewesen. „Dabei hoffen wir, dass wir nach dem Kauf von 300 Studenten-Wohnungen in Junkersdorf künftig auch weitere Wohnungsbestände in unserer Heimatregion übernehmen können.“ Die Börse reagierte mit einem deutlichen Kursanstieg auf die Neuigkeiten von Vivacon. Die Aktie, die Anfang Juli erst bei zwölf Euro lag,
ist inzwischen auf über 17 Euro gestiegen. 72 Prozent der Anteile sind in Streubesitz. Leffin hält 9,1 Prozent.
(KStA)
Mit Gruß vom Dampfer 