Gas-Schock im Winter? Eine Verdreifachung der Preise auf bis zu 210 Euro droht
Ingo Kolf
Ingo Kolf
Ingo Kolf bringt über zwei Jahrzehnte Erfahrung im internationalen Finanzjournalismus mit, darunter 19 Jahre beim Nachrichtendienst Bloomberg, mit Stationen in Frankfurt und sechs Jahren in New York. Seine fundierte Expertise umfasst die Bereiche Makroökonomie, Wirtschaftspolitik und globale Zinsentscheidungen, mit einem besonderen Fokus auf die Devisenmärkte und bewährte Dividendenstrategien. Bei ARIVA.DE ordnet er die großen wirtschaftlichen Trends unserer Zeit in tiefgehenden Hintergrundberichten und Analysen ein.
Europas Gasmarkt bleibt angespannt. Analysten halten im Extremfall Preise von bis zu 210 Euro je Megawattstunde für möglich. Verbraucher, aber auch deutsche Aktien betroffen.
Für dich zusammengefasst:
Der TTF-Gaspreis liegt aktuell bei etwa 55 bis 60 Euro.
Preise könnten im Winter auf bis zu 210 Euro steigen.
Die Situation hängt von LNG-Lieferungen und Wetter ab.
Europas Gasmarkt bleibt ein Risikofaktor für den kommenden Winter. Die Preise liegen bereits deutlich über dem Niveau vom Jahresende 2025, und eine schnelle Entspannung ist keineswegs sicher. Besonders kritisch wird es, wenn die Störungen rund um die Straße von Hormus anhalten und gleichzeitig ein kalter Winter auf Europa trifft.
Der europäische TTF-Gaspreis bewegte sich zuletzt im Bereich von rund 55 bis 60 Euro je Megawattstunde. Vor dem Nahost-Krieg lag er noch bei etwa 30 Euro. Hintergrund ist vor allem der angespannte LNG-Markt. Europa muss einen großen Teil seines Gasbedarfs inzwischen über Flüssigerdgas decken und konkurriert dabei direkt mit Käufern aus China, Japan und Südkorea.
Gerade diese Konkurrenz könnte im Winter zum Problem werden. Europa muss weiter Gas importieren und gleichzeitig seine Speicher auffüllen. Bleiben LNG-Lieferungen aus dem Nahen Osten eingeschränkt, müssten europäische Abnehmer höhere Preise bieten, um zusätzliche Ladungen nach Europa zu ziehen.
Analysten von Energy Aspects skizzieren deshalb mehrere Szenarien. Selbst bei einer Normalisierung der LNG-Lieferungen könnten die europäischen Gaspreise im Winter höher als jetzt bei etwa 60 bis 80 Euro je Megawattstunde liegen. Bleiben allerdings größere Liefermengen aus Katar aus und fällt der Winter gleichzeitig überdurchschnittlich kalt aus, wären im Durchschnitt rund 110 Euro möglich.
Im extremsten Stressszenario wird es noch deutlich teurer. Soll Europa zusätzlich einen Sicherheitspuffer in den Speichern halten, könnten die Preise den Prognosen zufolge auf bis zu 210 Euro je Megawattstunde steigen. Das wäre zwar noch unter den Spitzenwerten der Energiekrise 2022, würde Haushalte und energieintensive Unternehmen aber erneut massiv belasten.
Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Extremfalls hängt vor allem von drei Faktoren ab: der Lage im Nahen Osten, der Nachfrage nach LNG in Asien und dem Wetter in Europa. Schon ein kalter Winter würde den Verbrauch deutlich erhöhen. Gleichzeitig sorgt der heiße Sommer aktuell für zusätzlichen Strombedarf durch Klimaanlagen, wodurch auch Gaskraftwerke stärker zum Einsatz kommen und was das Auffüllen der Speicher vor dem Winter erschwert. Das sorgt für anhaltend hohe Kosten für Verbraucher, die sowieso schon unter der Verdopplung der Gaspreise leiden.
Diese Aktien sind betroffen
Für Anleger sind vor allem drei deutsche Unternehmen interessant. Uniper gehört zu den größten europäischen Gashändlern und ist zugleich ein bedeutender Speicherbetreiber. Starke Preisschwankungen können dem Handelsgeschäft Chancen bieten, erhöhen aber auch die Beschaffungsrisiken.
Auch RWE ist über den internationalen LNG-Handel und eigene Speicher direkt am Gasmarkt beteiligt. Der Konzern gehört damit zu den Unternehmen, die von einer stärkeren Nachfrage nach LNG und höheren Handelsaktivitäten profitieren könnten.
Für BASF wäre ein erneuter Gaspreisschock dagegen vor allem negativ. Der Chemiekonzern zählt zu den größten industriellen Gasverbrauchern Deutschlands. Stark steigende Energiepreise würden die Produktionskosten erhöhen und könnten erneut Druck auf Margen und Wettbewerbsfähigkeit ausüben.
Fazit
Ein Gaspreis von 210 Euro ist derzeit kein Basisszenario. Doch die enorme Bandbreite der Prognosen zeigt, wie angespannt der Markt bleibt. Für Verbraucher und Anleger könnte der Gaspreis damit im kommenden Winter erneut zu einem entscheidenden Faktor werden.
Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen finden Sie jeweils hier: DE000NB4KWX8 , DE000NB66AG4 , DE000NB69995 , DE000NG79TC5 , DE000NG38RP7 , DE000NG38RN2 . Bitte informieren Sie sich vor Erwerb ausführlich über Funktionsweise und Risiken der Produkte. Bitte beachten Sie auch die weiteren Hinweise zu dieser Werbung.
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