ISTANBUL (dpa-AFX) - Ein Manipulationsskandal an der Börse erschüttert die Türkei. Im Rahmen von Ermittlungen wegen Unregelmäßigkeiten am Kapitalmarkt sei unter anderem das Vermögen von 42 Personen und 46 juristischen Personen eingefroren worden, teilte Justizminister Akin Gürlek am Samstagabend auf X mit. Zuvor waren mindestens 45 Personen verhaftet worden, darunter Führungskräfte von Investmentfirmen.
Für dich zusammengefasst:
Manipulationsskandal an der Börse erschüttert die Türkei.
42 Personen und 46 juristische Personen wurden betroffen.
Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugs und anderen Vergehen.
Die Istanbuler Staatsanwaltschaft ermittele unter anderem wegen Betrugs, Verstößen gegen das Kapitalmarktgesetz und Gründung einer kriminellen Vereinigung, so Gürlek.
Kurse künstlich nach oben getrieben?
Die Krise um Investmentfonds erschüttert die Türkei seit Mitte September. Die türkische Kapitalmarkbehörde SPK liquidierte der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge 131 Investmentfonds, in denen Medienberichten zufolge Vermögenswerte in Milliardenhöhe gebunden waren. Mehr als 455.000 Anleger sind Anadolu zufolge betroffen.
Die türkischen Behörden ermitteln, ob die Fondsbewertungen künstlich aufgebläht wurden. Medienberichten zufolge sind zahlreiche Kleinanleger betroffen. Wegen der massiven Inflation in der Türkei investieren viele Menschen ihr Erspartes in Aktiengeschäften, in der Hoffnung, es so gegen den Werteverlust zu schützen.
Die stellvertretende Vorsitzende der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP und ehemalige Familienministerin Fatma Betül Sayan Kaya gab nach Anschuldigungen der Opposition auf X ihren Rücktritt bekannt. Zuvor hatte die größte Oppositionspartei Yeni ihr vorgeworfen, kurz vor der Fondkrise hohe Gewinne mit Aktien erzielt zu haben. Das werfe Fragen auf. Sayan Kaya äußerte sich nicht genauer zu den Vorwürfen, erklärte aber, sie wolle politische Verantwortung übernehmen, während diese untersucht werden.
Die Yeni-Partei sprach von einer schweren Krise und forderte Anadolu zufolge die Regierung dazu auf, Anleger zu entschädigen. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte demnach erklärt, das Problem betreffe einen begrenzten Bereich der Kapitalmärkte und es bestehe kein Risiko für das Finanzsystem oder die türkische Wirtschaft./jam/DP/he
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