Lumentum, Qualcomm und Corning: Startet dieses KI-Trio wieder durch?

Markus Weingran Markus Weingran
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Markus Weingran ist seit mehr als 20 Jahren als Kapitalmarkt-Stratege und Aktien-Experte aktiv. Geprägt durch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Finanzexperten Hans A. Bernecker verfolgt er einen klaren Anspruch: in jeder Börsenphase das Beste für Anleger herauszuholen. Weitere Einschätzungen und Trading-Ideen teilt er auch täglich in der wallstreetONLINE Börsenlounge auf YouTube.

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Ein Trio, das auf Erfolg ausgerichtet ist.
KI-generiert mit DALL-E
Drei Spezialisten, eine Lösung: Lumentum, Qualcomm und Corning wollen einen der größten Engpässe künftiger KI-Systeme lösen. Der Markt verteilt schon mal ordentlich Vorschusslorbeeren!
Für dich zusammengefasst:
Hinweis

Je größer KI-Systeme werden, desto größer wird ein Problem, das mit immer schnelleren Prozessoren allein nicht gelöst werden kann: Die Daten müssen auch zwischen den Chips bewegt werden. Genau hier wollen Lumentum, Qualcomm und Corning gemeinsam ansetzen.

Auf der ECOC 2026 in Málaga präsentieren die drei Unternehmen eine hochdichte optische Die-to-Die-Verbindung für sogenannte Scale-up-Architekturen. Dabei übernimmt jeder Partner einen entscheidenden Teil: Qualcomm liefert das D2D-Interface-IP, Lumentum die VCSEL-basierte optische Plattform und Corning die hochdichte Multimode-Faserverbindung.

Strom wird zum neuen Flaschenhals

Der Hintergrund ist fundamental. In heutigen KI-Clustern müssen Tausende Beschleuniger mit enormer Geschwindigkeit miteinander kommunizieren. Herkömmliche elektrische Leitungen stoßen dabei mit zunehmender Entfernung und Datenrate an ihre Grenzen: Der Energieverbrauch steigt, die Signalqualität verschlechtert sich und immer komplexere SerDes-Technik wird notwendig.

Werte aus dem Artikel:
Corning Aktie 139,90 € +0,32%
Lumentum Aktie 971,70 € +3,94%
Qualcomm Aktie 159,24 € +1,43%

Die Alternative heißt Licht.

Die gemeinsame Architektur soll elektrische Die-to-Die-Verbindungen auf optische Strecken von mehreren zehn Metern verlängern und dabei hohe Bandbreite mit niedriger Latenz und geringem Energieverbrauch kombinieren. Unterstützt werden sollen auch aufkommende Schnittstellen wie UCIe sowie künftige Co-Packaged-Optics- und Near-Packaged-Optics-Systeme. Damit wandert die Glasfaser immer näher an den eigentlichen Rechenchip.

Lumentum liefert das Herzstück

Für Lumentum dürfte die neue Kooparation die größte unmittelbare Bedeutung haben. Das Unternehmen liefert die 1060-Nanometer-VCSEL-Plattform, welche die elektrischen Signale in Licht umwandelt.

Die Technologie ist nicht völlig neu. Bereits auf der OFC im März präsentierte Lumentum eine entsprechende Scale-up-Lösung. Die 1060-nm-VCSELs sollen gegenüber klassischen 850-nm-Varianten höhere Geschwindigkeiten, bessere Eigenschaften bei hohen Temperaturen und eine hohe langfristige Zuverlässigkeit ermöglichen. Lumentum kann dabei auf eine Produktionsbasis zurückgreifen, über die bereits mehr als zehn Milliarden Emitter ausgeliefert wurden.

Die KI-Nachfrage schlägt sich bei Lumentum längst in den Zahlen nieder. Der Umsatz des Geschäftsjahres 2026 sprang von 1,6 auf 3,01 Milliarden US-Dollar. Allein im vierten Quartal erreichte das Unternehmen 1,01 Milliarden US-Dollar nach 480,7 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Für das laufende erste Geschäftsquartal stellt Lumentum bereits 1,225 bis 1,275 Milliarden US-Dollar in Aussicht.

Die neue Qualcomm-Kooperation könnte deshalb mehr sein als ein Forschungsprojekt: Sie zeigt, dass Lumentums VCSEL-Technologie inzwischen in ein breiteres Chip- und Konnektivitätsökosystem integriert wird.

Qualcomm will plötzlich ins Rechenzentrum

Noch interessanter ist möglicherweise die Rolle von Qualcomm. Der Konzern ist Anlegern weiterhin vor allem als Smartphone-Chiphersteller bekannt. Doch die Strategie verändert sich rasant. Qualcomm hat inzwischen eine umfassende Data-Center-Roadmap vorgestellt und peilt für das Geschäft mit Rechenzentren im Geschäftsjahr 2029 mehr als 15 Milliarden US-Dollar Umsatz an.

Die Konnektivität spielt dabei eine zentrale Rolle. Qualcomm entwickelt Lösungen von Die-to-Die-Verbindungen über elektrische SerDes bis hin zu optischer Konnektivität und CPO. Erst im September kündigte das Unternehmen zudem eine mehrjährige Zusammenarbeit mit Amazon an, die neben maßgeschneiderten Chips ausdrücklich auch optische Verbindungen mit Geschwindigkeiten bis 1,6T und darüber hinaus umfasst.

Die Demonstration mit Lumentum und Corning zeigt daher, dass Qualcomm seine Rechenzentrumsstrategie nicht allein auf CPUs oder KI-Beschleuniger begrenzen will. Der Konzern möchte auch an der Verbindung zwischen den Chips verdienen.

Corning liefert die Datenautobahn

Der dritte Partner ist beinahe unscheinbarer, aber genauso wichtig. Corning stellt die Multimode-Fasern und die hochdichten Ferrulen bereit. Je näher optische Verbindungen an Prozessoren und Packages rücken, desto mehr Glasfaser muss auf immer kleinerem Raum untergebracht werden.

Corning investiert bereits massiv in diesen Trend. Im Mai vereinbarte der Konzern eine langfristige Partnerschaft mit Nvidia und kündigte an, seine US-Kapazitäten für optische Konnektivität zu verzehnfachen sowie die heimische Faserproduktion um mehr als 50 Prozent auszubauen.

Hinzu kommt ein mehrjähriger Vertrag mit Meta im Volumen von bis zu sechs Milliarden US-Dollar für Glasfaser-, Kabel- und Konnektivitätslösungen für KI-Rechenzentren. Bis 2030 möchte Corning mit seinem neuen Photonics-Geschäft sogar einen Umsatzstrom von zehn Milliarden US-Dollar aufbauen.

Die Kooperation mit Qualcomm und Lumentum passt damit in eine ohnehin bereits sehr konkrete Wachstumsstrategie.

Drei Unternehmen – drei unterschiedliche Wetten

Für Anleger sind die drei Aktien dennoch sehr unterschiedlich. Lumentum ist die direkteste Wette auf optische KI-Verbindungen. Steigt der Anteil optischer Verbindungen innerhalb von KI-Racks stark, könnte das für den vergleichsweise kleineren Spezialisten einen besonders großen Einfluss haben.

Corning ist die Infrastruktur-Wette. Egal welcher Prozessor oder welche optische Architektur gewinnt: Immer größere KI-Cluster benötigen enorme Mengen an Glasfaser, Kabeln, Steckern und Verbindungstechnik.

Qualcomm wiederum besitzt den größten Diversifikationshebel. Das Rechenzentrumsgeschäft ist gemessen am gesamten Konzern noch relativ jung. Gelingt der Sprung vom Smartphone-Spezialisten zum bedeutenden Anbieter von CPUs, Beschleunigern, Custom Silicon und Konnektivität, könnte sich die Wahrnehmung des Unternehmens grundlegend verändern.

Gute Voraussetzungen – aber nichts ist vorprogrammiert

Das Zusammenspiel der drei Partner wirkt auf dem Papier überzeugend: Qualcomm verbindet die Chips elektrisch, Lumentum übersetzt die Signale in Licht und Corning transportiert sie über Glasfaser.

Und anders als bei vielen frühen KI-Technologiegeschichten besitzen alle drei bereits konkrete Anknüpfungspunkte an einen stark wachsenden Markt. Lumentums Umsatz wächst rasant, Corning baut für Nvidia und Meta massiv Kapazitäten auf und Qualcomm hat für sein Rechenzentrumsgeschäft ein Umsatz-Ziel von mehr als 15 Milliarden US-Dollar ausgegeben.

Trotzdem sollte die ECOC-Demonstration nicht mit einem Großauftrag verwechselt werden. Die Unternehmen zeigen zunächst, dass ihre Technologien gemeinsam funktionieren können. Angaben zu Serienproduktion, konkreten Kunden oder Umsatzvolumina aus dieser speziellen Lösung gibt es bislang nicht.

Vorprogrammiert ist der Erfolg damit nicht. Die Voraussetzungen dafür werden allerdings zunehmend besser. Besonders Lumentum könnte als vergleichsweise fokussierter Photonik-Anbieter überproportional profitieren, wenn optische Verbindungen tatsächlich immer näher an die KI-Chips rücken.

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Redaktion Ariva/MW


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