SAN FRANCISCO (dpa-AFX) - Die KI-Firma Anthropic wirft chinesischen Rivalen vor, Anfragen von Nutzern heimlich zu ihr umgeleitet zu haben, statt sie mit der eigenen Software zu beantworten. Dadurch seien zum Teil auch Daten staatlicher Stellen aus China und Russland in Systemen der US-Firma gelandet, schrieb Anthropic in einem ausführlichen Bericht zu Versuchen unerlaubter Nutzung.
Für dich zusammengefasst:
Die KI-Firma Anthropic wirft einem Rivalen Schummelei vor.
Kimi leitete fast 300.000 Anfragen an Claude um.
Auch Anfragen mit Daten des russischen Militärs wurden umgeleitet.
So habe jemand Aufnahmen von Überwachungskameras unter anderem aus der Umgebung von Standorten der chinesischen Armee hochgeladen, mit dem Ziel, das Verhalten einer bestimmten Person in den Videos zu analysieren. Der Nutzer ging dabei davon aus, dass die Anfrage von der chinesischen KI-Software Kimi der Firma Moonshot ausgeführt wird. Kimi ließ sie jedoch von Anthropics Claude erledigen, wie es in dem Bericht hieß.
Allein in einem Zeitraum von zehn Tagen habe Kimi fast 300.000 Kundenanfragen von Claude beantworten lassen, schrieb Anthropic. Dafür sei ein Netzwerk aus 5.380 Fake-Accounts genutzt worden.
Auch russisches Militär betroffen
Auch die noch bekanntere chinesische KI DeepSeek fiel laut Anthropic mit solchen Tricks auf. Das habe unter anderem dazu geführt, dass zur US-Firma Anfragen mit Daten einer Behörde aus dem Umfeld des russischen Verteidigungsministeriums umgeleitet wurden. Darin enthalten gewesen seien auch gültige Einwahldaten für eine Datenbank der russischen Regierung.
Brisant für chinesische KI-Entwickler
Die Vorwürfe könnten einen Schatten auf das Ansehen der chinesischen KI-Branche werfen. Seit Anfang vergangenen Jahres hatte die günstigen KI-Modelle erst von DeepSeek und dann Moonshot wiederholt für Beben an der Börse gesorgt. Anleger zweifelten zeitweise an den Geschäftsaussichten amerikanischer KI-Labore wie Anthropic und des ChatGPT-Entwicklers OpenAI, weil der Eindruck entstand, dass leistungsstarke Künstliche Intelligenz mit deutlich weniger Aufwand trainiert werden könne.
Die US-Seite wirft den chinesischen Entwicklern unterdessen vor, in großem Stil amerikanische Software wie Claude und ChatGPT benutzt zu haben, um ihre Künstliche Intelligenz anzulernen. Für diese in der Branche unter dem Namen Destillation bekannte Technik habe allein Kimi von Mai bis Juli 23 Millionen Mal auf Anthropic-KI zugegriffen, hieß es in dem Bericht./so/DP/zb
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