Diese Wachstumsaktien trotzen der „AI Capex Fatigue“ – welche Chancen jetzt im Schatten der Hype-Werte liegen

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Visuelle Darstellung von künstlicher Intelligenz.(Symbolbild)
- ©unsplash.com

Ein kleines Segment von Wachstumsaktien mit im Mittel rund 100 Prozent erwartetem Gewinnanstieg je Aktie (EPS) könnte sich als attraktiver Gegenpol zur zunehmenden "AI Capex Fatigue" erweisen. Während sich die Markterwartungen bei klassischen KI-Profiteuren abschwächen und die Bewertungsspannen enger werden, rückt ein diversifiziertes Aktienkörbchen in den Fokus, das trotz hoher Wachstumsraten noch nicht im Zentrum der KI-Euphorie steht. Eine aktuelle Auswertung auf Seeking Alpha identifiziert hierfür 15 Titel mit hohem Forward-EPS-Wachstum und überwiegend positiven quantitativen Ratings.

Ausgangslage: KI-Investitionsmüdigkeit und Bewertungsstress

Im Markt mehren sich Anzeichen einer "AI Capex Fatigue". Investoren beginnen zu hinterfragen, inwieweit die massiven Investitionsprogramme (Capex) der großen Technologie- und Cloud-Konzerne in Rechenzentren, GPUs und Infrastruktur sich in absehbarer Zeit in nachhaltige Margen und Cashflows übersetzen. Kursreaktionen auf Quartalszahlen zeigen, dass selbst starke Zahlen bei KI-Schwergewichten nicht mehr automatisch zu deutlichen Kursgewinnen führen, wenn der Ausblick oder der Capex-Pfad Zweifel wecken. Die im Beitrag auf Seeking Alpha vorgestellte Strategie setzt hier an und sucht nach Wachstumswerten mit hoher erwarteter EPS-Dynamik, die weniger direkt im Zentrum der aktuellen KI-Capex-Diskussion stehen.

Filterkriterien und Methodik des Screenings

Ausgangspunkt ist ein quantitativer Screening-Ansatz. Die Auswahl basiert auf folgenden Kriterien: Es werden Titel herangezogen, die ein hohes erwartetes Wachstum des Gewinns je Aktie in den kommenden Jahren aufweisen. Die Vorauswahl erfolgt innerhalb des Seeking-Alpha-Universums, das quantitative Bewertungsmodelle zur Einordnung von Wachstum, Bewertung, Profitabilität und Kursdynamik nutzt. Die endgültige Liste umfasst 15 Aktien mit einem durchschnittlichen erwarteten EPS-Wachstum von rund 100 Prozent. Zusätzlich spielen die quantitativen Bewertungsnoten (Quant Ratings) von Seeking Alpha eine Rolle: Viele der ausgewählten Werte besitzen ein Rating im Bereich "Buy" oder "Strong Buy".

Charakteristika der ausgewählten Aktien

Die ausgewählten Unternehmen zeichnen sich durch hohe Wachstumsraten beim Gewinn je Aktie, teils dynamische Umsatzentwicklung und oftmals starke Margenprofile aus. Sie stammen aus verschiedenen Sektoren und Regionen, was eine sektorale Diversifikation ermöglicht. Im Portfolio finden sich sowohl Mid Caps als auch etabliertere Large Caps. Gemein ist den Titeln, dass sie aktuell nicht zu den am stärksten gehypten KI-Profiteuren zählen, gleichwohl aber strukturelle Wachstumstreiber aufweisen, die unabhängig von den kurzfristigen Schwankungen im KI-Investitionszyklus wirken können. Das durchschnittliche erwartete Forward-EPS-Wachstum der 15 Werte liegt bei etwa 100 Prozent, wobei einzelne Unternehmen diese Marke deutlich übertreffen.

Abgrenzung zu direkten KI-Hype-Werten

Während klassische KI-Begünstigte oftmals bereits mit sehr hohen Multiples bewertet werden und stark vom weiteren Verlauf der Capex-Zyklen der Hyperscaler und Großkonzerne abhängen, zielt das hier vorgestellte Screening auf Titel, deren Wachstumspfad breiter abgestützt ist. Die Bandbreite reicht von Software- und Plattformanbietern über Spezialindustriewerte bis hin zu Unternehmen, die von strukturellen Trends wie Digitalisierung, Automatisierung oder neuen Geschäftsmodellen profitieren. Sie können indirekt von KI und Automatisierung geprägt sein, stehen aber nicht notwendigerweise im direkten Brennpunkt der aktuellen Investitionswelle in Rechenzentren und GPUs. Dadurch soll das Risiko gemindert werden, dass eine plötzliche Zurückhaltung bei KI-Investitionen sofort zu massiven Revisionen der Gewinnschätzungen führt.

Rolle der Quant Ratings von Seeking Alpha

Ein Kernelement des Ansatzes ist der Einsatz der Quant Ratings von Seeking Alpha. Diese Ratings aggregieren Kennzahlen zu Bewertungsniveau, Wachstum, Profitabilität, Momentum und Revisionen der Analystenschätzungen in einem Gesamtscore. Die 15 identifizierten Aktien weisen überwiegend starke Quant-Scores auf, insbesondere im Bereich Wachstum und zum Teil auch bei Momentum und Profitabilität. Titel mit schwachen oder neutralen quantitativen Bewertungen wurden in der endgültigen Auswahl tendenziell gemieden, um das Chance-Risiko-Profil zu verbessern. Damit fungieren die Quant Ratings als zusätzliches Filterinstrument, das hohe Wachstumsversprechen mit einem gewissen Qualitätsanspruch kombiniert.

Risiken des Ansatzes und mögliche Stolpersteine

Trotz des hohen erwarteten EPS-Wachstums bleibt das Risiko, dass Schätzungen nach unten revidiert werden müssen. Wachstumswerte sind typischerweise anfällig für Bewertungsvolatilität, wenn sich das Makroumfeld verschlechtert oder die Zinslandschaft verändert. Hinzu kommt das Risiko, dass Einmaleffekte, zyklische Erholungen oder aggressive Bilanzierungsannahmen die kurzfristigen EPS-Wachstumsraten verzerren. Der Ansatz ist zudem auf das Universum und die Modelle von Seeking Alpha angewiesen, was bedeutet, dass Modellrisiken und Datenrisiken bestehen. Eine starke Konzentration auf wenige Wachstumskennzahlen kann außerdem dazu führen, dass qualitative Faktoren – etwa Managementqualität, Wettbewerbssituation oder regulatorische Risiken – zu kurz kommen.

Implikationen für die Portfolioallokation

Der vorgestellte Screening-Ansatz lässt sich als Satellitenstrategie verstehen, die ein bestehendes Kernportfolio ergänzt. Die identifizierten 15 Wachstumswerte können, je nach Risikoprofil des Anlegers, in begrenzter Gewichtung beigemischt werden, um das Ertragspotenzial zu erhöhen, ohne das Portfolio vollständig auf die KI-Capex-Gewinner auszurichten. Durch die sektorale Streuung innerhalb der Liste ist eine gewisse Diversifizierung gegeben, allerdings bleibt es ein wachstumsorientierter Satellit mit erhöhter Volatilität. Eine schrittweise Allokation und regelmäßige Überprüfung der quantitativen Indikatoren sowie der fundamentalen Entwicklung der Unternehmen sind entscheidend, um das Risiko von Klumpenbildungen und abrupten Bewertungsanpassungen zu begrenzen.

Fazit: Handlungsmöglichkeiten für konservative Anleger

Für konservative Anleger, die den KI-Hype mit wachsender Skepsis betrachten, liefert die auf Seeking Alpha präsentierte Auswertung einen strukturierten Ansatz, um vom globalen EPS-Wachstum einzelner Unternehmen zu profitieren, ohne sich einseitig auf die derzeit meistdiskutierten KI-Profiteure zu konzentrieren. Ein möglicher Weg besteht darin, die 15 identifizierten Titel nicht als Kernbestandteile, sondern als gezielt dosierte Beimischung in einem breit diversifizierten Portfolio zu nutzen. Sinnvoll ist ein gestaffelter Einstieg in Tranchen sowie eine Obergrenze für die Gesamtgewichtung dieses Wachstumssegments, um Drawdowns beherrschbar zu halten. Konservative Investoren könnten zusätzlich auf jene Aktien innerhalb der Liste fokussieren, die neben hohem Forward-EPS-Wachstum auch starke Profitabilitätskennzahlen und solide Quant Ratings aufweisen. Auf diese Weise lässt sich die Chance auf überdurchschnittliches Gewinnwachstum nutzen, während das Risiko einer einseitigen Abhängigkeit von der weiteren Entwicklung der "AI Capex Fatigue" begrenzt bleibt.


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