Eine effizientere Versorgung ist auch ein wichtiges Thema beim Deutschen Ärztetag, der an diesem Dienstag in Leipzig beginnt. Erwartet wird die neue Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU).
Fast zehn Kontakte zu Ärzten pro Kopf im Jahr
Reinhardt erläuterte, in Deutschland würden Patientinnen und Patienten systembedingt mit der Organisation und Koordination ihrer Versorgung weitgehend allein gelassen. "Besonders betroffen sind die Schwächsten: ältere Menschen, chronisch Kranke, Menschen mit geringerer Gesundheitskompetenz." Deutschland habe mit 9,6 Arztkontakten pro Kopf im Jahr eine der höchsten Raten weltweit. In bestimmten Regionen habe jeder Zweite im Schnitt zwei Hausärzte.
"Diese Entwicklung ist nicht nur ineffizient, sie ist angesichts von Personalengpässen und begrenzten finanziellen Mitteln schlicht nicht mehr tragbar", sagte der Ärztepräsident. In diesem Zusammenhang wiesen im Koalitionsvertrag skizzierte Maßnahmen in die richtige Richtung. Union und SPD wollen einführen, dass Patienten primär in eine Hausarztpraxis gehen, die sie - mit Termin in einem bestimmten Zeitraum - bei Bedarf zu Fachärzten überweist.
Patientenschützer: Versorgungsnotstand ist hausgemacht
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz findet diese Vorstellung voreilig. "Während Bundesärztekammer und Bundesregierung schnell bei der Hand sind, eine Patientensteuerung zu fordern, verlieren sie kein Wort über vertraglich zugesicherte wöchentlich 25 Stunden Präsenzzeiten für Kassenpatienten. Auch die telefonische Erreichbarkeit wird nicht überprüft", sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur.
Es fehle zuallererst eine effiziente Steuerung der ambulanten Praxen. "Es gibt Ärzte, die über 2.000 Patienten versorgen. Andere wiederum erreichen nicht mal die Hälfte. Zudem sind Ballungsräume überversorgt, jedoch mangelt es an medizinischen Angeboten im ländlichen Raum, wo 60 Prozent der Bevölkerung wohnen", erklärte Brysch. "Der Versorgungsnotstand ist also hausgemacht."
Ärztepräsident: Keine "Zugangskontrolle" zur Versorgung
Reinhardt erläuterte zu seinem Modell: "Eine Überweisung durch Hausärztinnen und Hausärzte darf kein Gatekeeping, also keine Zugangskontrolle, in das System sein." Sie solle dann erfolgen, wenn eine fachärztliche Weiterbehandlung erforderlich oder absehbar ist. Perspektivisch solle das Prinzip "digital vor ambulant vor stationär" genutzt werden, um Patienten auf ihrem Weg in die Versorgung zu unterstützen und zu leiten. Dies meint zuerst eine Einschätzung und Beratung über digitale Wege, dann eine Versorgung in Praxen und bei Bedarf in Kliniken./sam/DP/he
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