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Energiewende: Festland-Konkurrenz hängt Offshore-Windparks ab
Von Stefan Schultz
Donnerstag, 21.03.2013 – 12:54 Uhr
Bund und Länder treffen sich zum Strompreis-Gipfel im Kanzleramt. Die Diskussion über steigende Kosten wird vor allem für die Offshore-Windparks gefährlich. Kritiker erklären sie zum Preistreiber Nummer eins. Und fragen: Funktioniert die Energiewende vielleicht auch ohne Windräder auf See?
Auszug:
Boom an Land, Stillstand auf dem Meer
Die offiziellen Ziele der Regierung jedenfalls sind hoffnungslos veraltet. Die Absicht, bis 2030 Offshore-Windparks mit einer Leistung von bis zu 25 Gigawatt zu bauen, wurde im Januar 2002 von Rot-Grün definiert - und seitdem nicht mehr geändert. Das rot-grüne Offshore-Ziel basierte nicht zuletzt auf einerPrognose des Deutschen Windenergie-Instituts (DEWI), laut der ab 2005 mangels geeigneter Standorte kaum noch neue Windanlagen an Land gebaut werden könnten. Bis 2030 werde die Kapazität von Land-Windrädern auf gut 17 Gigawatt steigen, prognostizierte DEWI.
Wie man sich irren kann. Jedenfalls ist die Kapazität der Land-Windräder schon jetzt fast doppelt so hoch. Derzeit liefert die Onshore-Windenergie rund neun Prozent des Stroms, und es gibt noch genug Platz für neue Rotoren. Und auch den politischen Willen, diesen Platz zu nutzen: Baden-Württemberg etwa will bis 2020 zehn Prozent seines Stroms mit Land-Windrädern produzieren; Schleswig-Holstein hat die Fläche für Onshore-Wind kürzlich verdoppelt.
Die Solarenergie boomte in den vergangenen Jahren ebenso stark. Nur der Bau der Offshore-Windanlagen geht noch immer schleppend voran. Zehn Gigawatt Offshore sollten bis 2020 errichtet werden; inzwischen heißt es sogar im Umweltministerium, dass wohl eher sechs bis sieben realistisch seien. Immer wieder verzögern sich die Projekte auf dem Meer - während die Konkurrenz an Land Tatsachen schafft.