Freitag, 02. März 2012, 08:37 Uhr
Offshore: "50 Monate für einen Netzanschluss"
Auszug:
Herr Falk, zwischen genehmigten und gebauten Offshore-Windrädern klafft derzeit eine große Lücke. 2.000 genehmigten Anlagen stehen gerade einmal 50 gebaute gegenüber. Warum kommt der Offshore-Ausbau nur so langsam voran?
3.000 Megawatt Offshore-Leistung werden bis Ende 2013 in Betrieb beziehungsweise in Bau sein. Das Hauptproblem sind aktuell die Netze, deren Ausbau nicht mit dem der Windparks Schritt hält.
Wie lange darf sich ein Netzbetreiber denn mit dem Anschluss Zeit lassen?
Damit Windparks eine Planungssicherheit bekommen, hat die Bundesnetzagentur festgelegt, dass der Netzbetreiber spätestens 30 Monate nach seiner Zusage die entsprechende Netzanbindung bereitstellen muss.
Und diese Frist können die Netzbetreiber nun nicht länger einhalten?
Aktuell ist die Situation die, dass die Netzanschlüsse rund 45 bis 50 Monate brauchen. Hiervon sind vor allem die Offshore-Windparks betroffen, die schon gebaut werden. Das Problem ist, dass sie sich jetzt sehr kurzfristig an die verzögerten Netzanschlüsse anpassen müssen.
Wie wirkt sich diese Verzögerung auf die Planung von weiteren Windparks aus?
Die Verzögerung beeinflusst vor allem die anstehenden Investitionsentscheidungen in 2012 und 2013 für die zweite Ausbauphase. Niemand kann eine Finanzierung mit einem Vorlauf von vier bis fünf Jahren sicherstellen. Hinzu kommt die Unsicherheit, ob Tennet überhaupt weiter investieren kann.
Als Grund für Verzögerungen wird häufig auf das angebliche „Zuständigkeitschaos“ der Behörden verwiesen. Was ist dran an dem Vorwurf?
Die Stiftung Offshore-Windenergie sieht durchaus noch Optimierungsmöglichkeiten in den Genehmigungs- und Zertifizierungsprozessen. Die Behörden sind aber nicht der Grund für die Verzögerungen. Alle Beteiligten waren vor drei bis vier Jahren in der Frage der Netzanschlüsse einfach zu optimistisch.
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