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Exklusiv: Eichel lockt ImmobilienanlegerVon Jens Tartler, Berlin
Die Bundesregierung will den deutschen Immobilienmarkt attraktiver für Anleger aus dem In- und Ausland machen. Die neuen Real Estate Investment Trusts (Reit) sollen grundsätzlich von der Körperschaftsteuer befreit werden.
Anfang Januar will Finanzminister Hans Eichel dazu nach FTD-Informationen über die Einführung neuartiger, steuerbegünstigter Immobilien-Trusts nach US-Vorbild entscheiden.
Die Chancen stünden gut, dass man eine Lösung finde, die sowohl den Finanzplatz Deutschland nach vorne bringe als auch das Risiko von Steuerausfällen minimiere, heißt es im Finanzministerium.
Nach den Plänen sollen die neuen Real Estate Investment Trusts (Reit) grundsätzlich von der Körperschaftsteuer befreit werden. Im Gegenzug ist vorgesehen, die Gewinne direkt den Anlegern zuzurechnen, die sie voll versteuern müssen. Damit soll eine Privilegierung gegenüber Anteilseignern einer AG oder GmbH verhindert werden, deren Unternehmen 25 Prozent Körperschaftsteuer zahlen müssen; dafür müssen die Anleger ihre Nettodividende nur zur Hälfte mit ihrem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern.
Kräftiger Schub für Immobilien- und Kapitalmarkt
Noch vor Weihnachten will eine Projektgruppe zu dem Thema ihre Ergebnisse vorlegen. In ihr arbeiten Fachleute des Ministeriums und Bankvertreter zusammen. "Der Reit-Standard setzt sich in der Welt durch, auch wir brauchen ein stärker kapitalmarktorientiertes Anlageinstrument", sagte Klaus Droste von der Deutschen Bank, der zu der Gruppe gehört.
Die Einführung von Reit könnte dem deutschen Immobilien- und Kapitalmarkt einen kräftigen Schub geben. In den USA kommen diese Anlageinstrumente nach Angaben der Beratungsgesellschaft Ernst & Young auf eine Marktkapitalisierung von 223 Mrd. $. In Deutschland verwalten offene und geschlossene Immobilienfonds ein Gesamtvermögen von rund 250 Mrd. Euro.
Dieses Gewicht schlägt sich aber nicht an der Börse nieder: Deutsche Immobilien-AGs wie die IVG kommen nur auf vier Prozent der europäischen Marktkapitalisierung. Auf britische, französische und niederländische Firmen entfallen dagegen zusammen 67 Prozent.
Keine einheitliche Linie
Hinzu kommt: Mehr als 70 Prozent der deutschen Unternehmen besitzen Immobilien. Diese Quote ist im internationalen Vergleich sehr hoch. Dadurch wird viel Kapital gebunden. Auch die öffentliche Hand hält noch zahlreiche Immobilien, zumeist Wohnungen. Sie könnten ebenfalls in Form von Reit an den Markt gebracht werden.
Im Finanzministerium gibt es allerdings keine einheitliche Linie. Auf der einen Seite legt der Druck der internationalen Kapitalmärkte die Einführung von Reit nahe. "Deshalb ist zum Beispiel Staatssekretär Volker Halsch offen dafür", sagte Banker Droste. Frankreich nutzt das Instrument seit 2003 mit Erfolg, Großbritannien will 2005 nachziehen. Marktexperten wie Michael Kohl von Ernst & Young gehen davon aus, dass London dann auf einen Schlag Reit-Standort Nummer eins in Europa wird.
Auf der anderen Seite fürchten die Steuerfachleute im Finanzministerium, dass viele deutsche Konzerne ihre Immobilien in Reit ausgliedern könnten, um damit Steuern zu sparen. Eichels Ministerialen haben noch in schlechter Erinnerung, dass das Aufkommen aus der Körperschaftsteuer nach der Reform 2001 zeitweise negativ war.
Die Projektgruppe hat jedoch Berechnungen vorgelegt, nach denen die gesamten Steuereinnahmen durch die Neuerung sogar um 8 Mrd. Euro in den nächsten fünf Jahren steigen könnten. Zum einen werde durch die Marktbelebung mehr Grunderwerbsteuer anfallen, so das Kalkül. Zum anderen könnte man - wie die Franzosen - Immobilienfonds und -gesellschaften beim Übergang zur neuen Gesellschaftsform einmalig besteuern, allerdings mit dem halben Satz. In Deutschland würde das etwa 5 Mrd. Euro bringen.
MfG kiiwii


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