Die ersten Strategen warnen bereits vor einer Renten-Blase
Die Flucht in vermeintliche Sicherheit beflügelt die Anleihenkurse
Von Beatrix Wirth ... "Nach dem Platzen der Aktienblase sehen Investoren den US-Immobilienmarkt und den Dollar als Kandidaten für neue Blasen an. Dass sich auch an den Staatsanleihemärkten eine Blase gebildet haben könnte, ist dagegen kein Thema", warnt Peter Müller, Rentenexperte von Commerzbank Securities. Dabei schätzt er die Preise längst als zu hoch ein. Für ihn sind alle Faktoren einer Übertreibung vorhanden: Bei den Anlegern herrsche eine regelrechte "Weltuntergangsstimmung", die sich aus übersteigertem Konjunkturpessimismus, Kriegs- und Deflationsängsten speise. "Würde die Regierung jetzt eine Emissionswelle lostreten - alles würde einen Abnehmer finden", skizziert er die maßlose Euphorie. Zwar rechnet er erst zum Jahresende damit, dass der Markt die Blase realisiert und abbaut. Doch warnt er schon jetzt vor schmerzhaften Erfahrungen: "Erfahrungsgemäß platzt eine Bubble am Rentenmarkt schnell." In einem ersten Schub könnten die Renditen rasant auf fünf Prozent hochschnellen - was die Kurse entsprechend in den Keller rauschen ließe.
Eine Bärenstimme kommt auch aus dem Lager der technischen Analysten von J.P. Morgan. Sie erwarten schon in Bälde eine deutliche Korrektur und haben daher ihre kurzfristige Einschätzung für Bundesanleihen auf "Neutral/Bearish" geändert. Und Norbert Wuthe vom Renten-Research der DZ Bank stellt ebenfalls eine "Übertreibung mit irrationalen Zügen" fest. "Die Renditen der US-Treasuries sind auf ein Niveau gefallen, das negativen Wachstumsraten von minus zwei Prozent angemessen wäre", sagt er. Dabei rechne die Mehrheit der Marktteilnehmer weiterhin mit einem moderaten Wachstum der Weltwirtschaft.
Von einer Blase will Wuthe aber nicht sprechen. "Oberflächlich sieht es nach einer Bubble aus, aber ich würde es noch nicht so bezeichnen", so Richard Zellmann von Helaba Trust. So legten die aktuellen Renditeerwartungen von Finanzmanagern keine ungebrochene Begeisterung für Renten nahe, sondern eher das Warten auf eine Korrektur, dem sich ein nochmaliger Anstieg anschließen könne. Auch die niedrigen realen Anleihezinsen, die in den USA wie in der Eurozone nur noch knapp über zwei Prozent liegen, signalisieren für ihn keine Fehlbewertung. "Wir werden uns mittelfristig an die Niveaus der 60er Jahre gewöhnen müssen." Ähnlich argumentiert Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt. "Wir leben nicht in einer Bubble, sondern in einer Post-Bubble-Ökonomie", lautet sein Credo. Derzeit würden die Ressourcen wieder in normale Bahnen gelenkt, was - neben den mikro- und makroökonomischen Faktoren - hohe Kurse und niedrige Zinsen rechtfertige. Auf der Hut zu sein, kann dennoch nicht schaden. Stratege Wuthe: "Wenn die Renditen nur noch in eine Richtung laufen und marktnegative Meldungen missachtet werden, dann sollten die Alarmglocken schrillen." (Welt, 29.9.02) Kommentar: In der Tat wird der nächste Crash eine Kombination aus Aktien- und Anleihenzusammenbruch darstellen. Es sit ein fataler Fehler, Anleihen als sichere Anlage im Vergleich zu Aktien anzusehen. Die Rechtslage wird bzgl. Anleihen auch gerade so weit verschärft, daß besonders für neue Anleihen dann der einzelne Besitzer nicht einmal mehr einer Fristverlängerung oder einem Anleiheverfall widersprechen kann. Die Anleiheblase ist darüberhinaus noch viel größer als die Aktienblase.
Die Flucht in vermeintliche Sicherheit beflügelt die Anleihenkurse
Von Beatrix Wirth ... "Nach dem Platzen der Aktienblase sehen Investoren den US-Immobilienmarkt und den Dollar als Kandidaten für neue Blasen an. Dass sich auch an den Staatsanleihemärkten eine Blase gebildet haben könnte, ist dagegen kein Thema", warnt Peter Müller, Rentenexperte von Commerzbank Securities. Dabei schätzt er die Preise längst als zu hoch ein. Für ihn sind alle Faktoren einer Übertreibung vorhanden: Bei den Anlegern herrsche eine regelrechte "Weltuntergangsstimmung", die sich aus übersteigertem Konjunkturpessimismus, Kriegs- und Deflationsängsten speise. "Würde die Regierung jetzt eine Emissionswelle lostreten - alles würde einen Abnehmer finden", skizziert er die maßlose Euphorie. Zwar rechnet er erst zum Jahresende damit, dass der Markt die Blase realisiert und abbaut. Doch warnt er schon jetzt vor schmerzhaften Erfahrungen: "Erfahrungsgemäß platzt eine Bubble am Rentenmarkt schnell." In einem ersten Schub könnten die Renditen rasant auf fünf Prozent hochschnellen - was die Kurse entsprechend in den Keller rauschen ließe.
Eine Bärenstimme kommt auch aus dem Lager der technischen Analysten von J.P. Morgan. Sie erwarten schon in Bälde eine deutliche Korrektur und haben daher ihre kurzfristige Einschätzung für Bundesanleihen auf "Neutral/Bearish" geändert. Und Norbert Wuthe vom Renten-Research der DZ Bank stellt ebenfalls eine "Übertreibung mit irrationalen Zügen" fest. "Die Renditen der US-Treasuries sind auf ein Niveau gefallen, das negativen Wachstumsraten von minus zwei Prozent angemessen wäre", sagt er. Dabei rechne die Mehrheit der Marktteilnehmer weiterhin mit einem moderaten Wachstum der Weltwirtschaft.
Von einer Blase will Wuthe aber nicht sprechen. "Oberflächlich sieht es nach einer Bubble aus, aber ich würde es noch nicht so bezeichnen", so Richard Zellmann von Helaba Trust. So legten die aktuellen Renditeerwartungen von Finanzmanagern keine ungebrochene Begeisterung für Renten nahe, sondern eher das Warten auf eine Korrektur, dem sich ein nochmaliger Anstieg anschließen könne. Auch die niedrigen realen Anleihezinsen, die in den USA wie in der Eurozone nur noch knapp über zwei Prozent liegen, signalisieren für ihn keine Fehlbewertung. "Wir werden uns mittelfristig an die Niveaus der 60er Jahre gewöhnen müssen." Ähnlich argumentiert Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt. "Wir leben nicht in einer Bubble, sondern in einer Post-Bubble-Ökonomie", lautet sein Credo. Derzeit würden die Ressourcen wieder in normale Bahnen gelenkt, was - neben den mikro- und makroökonomischen Faktoren - hohe Kurse und niedrige Zinsen rechtfertige. Auf der Hut zu sein, kann dennoch nicht schaden. Stratege Wuthe: "Wenn die Renditen nur noch in eine Richtung laufen und marktnegative Meldungen missachtet werden, dann sollten die Alarmglocken schrillen." (Welt, 29.9.02) Kommentar: In der Tat wird der nächste Crash eine Kombination aus Aktien- und Anleihenzusammenbruch darstellen. Es sit ein fataler Fehler, Anleihen als sichere Anlage im Vergleich zu Aktien anzusehen. Die Rechtslage wird bzgl. Anleihen auch gerade so weit verschärft, daß besonders für neue Anleihen dann der einzelne Besitzer nicht einmal mehr einer Fristverlängerung oder einem Anleiheverfall widersprechen kann. Die Anleiheblase ist darüberhinaus noch viel größer als die Aktienblase.