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Volkswagen verliert in China den Anschluss – und setzt ausgerechnet auf Xpeng. Der kleinere Elektroauto-Spezialist soll den VW-Konzern bei Software, Tempo und digitalen Modellen retten. Doch der Partner wird in Europa selbst zum Rivalen.
Volkswagen Xpeng Kooperation: Der Deal hinter der E-Auto-Wette
Rein wirtschaftlich bleiben die Größenverhältnisse eindeutig. Der Volkswagen-Konzern lieferte 2025 weltweit knapp neun Millionen Fahrzeuge aus und erzielte einen Umsatz von 321,9 Milliarden Euro. Xpeng kam im selben Jahr auf 429.445 ausgelieferte Autos und einen Umsatz von 76,72 Milliarden Yuan beziehungsweise knapp elf Milliarden US-Dollar. Für das Gesamtjahr wies das chinesische Unternehmen noch einen Nettoverlust von 1,14 Milliarden Yuan aus. Im vierten Quartal 2025 gelang Xpeng allerdings erstmals ein Quartalsgewinn.
Xpeng ist damit weder finanziell noch bei den Stückzahlen ein gleich großer Partner. Trotzdem hat das Unternehmen erheblichen Einfluss auf den Erfolg der gemeinsamen Projekte. Denn Volkswagen kaufte mit der Beteiligung nicht in erster Linie Produktionskapazitäten, sondern Zugang zu Entwicklungsgeschwindigkeit, Softwarekompetenz und einer Elektronikarchitektur, die auf die Anforderungen des chinesischen Marktes zugeschnitten ist.
Ein zentrales Projekt ist die sogenannte China Electronic Architecture, kurz CEA. Die zonale Elektrik- und Elektronikstruktur soll Steuergeräte zusammenfassen, die Komplexität reduzieren und neue digitale Funktionen schneller in unterschiedliche Fahrzeugklassen bringen. Volkswagen entwickelt sie gemeinsam mit Xpeng, Cariad China und der eigenen chinesischen Entwicklungsgesellschaft VCTC. Vorgesehen ist die Architektur nicht nur für Elektroautos, sondern perspektivisch auch für weitere lokal produzierte Modelle des Konzerns.
VW ID. UNYX 08: Das erste Ergebnis der China-Strategie
Das erste greifbare Ergebnis der Zusammenarbeit ist der Volkswagen ID. UNYX 08. Im März 2026 startete im Volkswagen-Werk in Hefei die Serienproduktion. Nach Angaben des Konzerns wurde das fünf Meter lange Elektro-SUV innerhalb von 24 Monaten bis zur Produktionsreife entwickelt – für Volkswagen ein ungewöhnlich kurzer Zeitraum.
Das Fahrzeug verfügt über eine 800-Volt-Architektur, kann Software-Updates über das Mobilfunknetz empfangen und bietet ein Fahrerassistenzsystem der Stufe 2. Je nach Variante nennt Volkswagen eine Leistung von rund 230 oder 370 Kilowatt sowie eine Reichweite von mehr als 700 Kilometern nach den für den chinesischen Markt verwendeten Herstellerangaben. Ein zweites gemeinsam mit Xpeng entwickeltes Volkswagen-Modell soll ebenfalls 2026 auf den Markt kommen.
Turing-Chip und Level 2: Wo Volkswagens Technikversprechen enden
Dabei ist eine begriffliche Abgrenzung wichtig: Ein System der Stufe 2 fährt nicht autonom. Es kann Längs- und Querführung gleichzeitig unterstützen, der Fahrer muss den Verkehr jedoch dauerhaft überwachen und jederzeit eingreifen können. Formulierungen wie „autonomes Fahren nach Level 2++“ sind daher missverständlich.
Auch die Behauptung, im ID. UNYX 08 steckten bereits Xpengs eigene Turing-Prozessoren, lässt sich aus den veröffentlichten technischen Angaben von Volkswagen nicht ableiten. Der Konzern nennt zwar lokal entwickelte Technologien, 800-Volt-Technik, Assistenzfunktionen und die Updatefähigkeit, erwähnt in seiner Mitteilung zum Produktionsstart aber keinen Turing-Chip.
Xpeng selbst positioniert den Turing-Prozessor als zentrale Grundlage seiner künftigen KI-Produkte. Nach Unternehmensangaben besitzt der Chip 40 Rechenkerne und ist für große KI-Modelle ausgelegt. Die Technik soll nicht nur in Autos, sondern auch in Robotern und elektrisch startenden Fluggeräten eingesetzt werden. Der humanoide Roboter IRON nutzt laut Xpeng mehrere dieser Prozessoren. Solche Projekte zeigen, dass sich das Unternehmen bewusst nicht nur als Autohersteller, sondern als Anbieter einer breiteren KI- und Mobilitätsplattform inszeniert. Die technischen Leistungsversprechen stammen allerdings überwiegend vom Hersteller selbst und müssen sich im Großserieneinsatz erst bestätigen.
Xpeng in Deutschland: Chinas E-Auto-Marke verlässt die Nische
Während Xpeng Volkswagen in China beim Entwicklungstempo hilft, tritt das Unternehmen in Europa als direkter Wettbewerber auf. In Deutschland wurden 2025 nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes 2.991 Xpeng-Fahrzeuge neu zugelassen. Von Januar bis Mai 2026 waren es bereits 2.435 Fahrzeuge – ein Plus von 195,2 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Gemessen am Gesamtmarkt bleibt der Anteil gering. Das Wachstum zeigt jedoch, dass die Marke ihre bisherige Nischenposition langsam verlässt.
Zusätzlich erweitert Xpeng sein Modellprogramm. Der im Juli 2026 angekündigte L03 startet in Deutschland zu Preisen ab 35.600 Euro. Die rein elektrischen Varianten bieten laut Hersteller zwischen 445 und 520 Kilometer WLTP-Reichweite. Die Ladeleistung beträgt bis zu 236 Kilowatt; unter geeigneten Bedingungen soll der Akku in 18 Minuten von 20 auf 80 Prozent geladen werden können. Die teuerste elektrische Version kostet 46.600 Euro. Außerdem kündigte Xpeng eine Variante mit Range Extender an, bei der ein kleiner Benzinmotor Strom erzeugt, die Räder aber elektrisch angetrieben werden.
Xpeng aus Graz: Wie Magna den Angriff auf Europa stützt
Oberhalb des L03 steht unter anderem der P7+, der in Deutschland ab 46.600 Euro angeboten wird. Xpeng wirbt hier mit 800-Volt-Technik, einer Ladezeit von zwölf Minuten zwischen zehn und 80 Prozent sowie dem Einsatz des Turing-Chips. Auch diese Werte sind zunächst Herstellerangaben. Sie verdeutlichen aber, mit welchen Schwerpunkten Xpeng in Europa Kunden gewinnen will: hohe Ladeleistung, umfangreiche Serienausstattung, digitale Funktionen und vergleichsweise aggressive Preise.
Die Expansion wird zudem europäischer. Auf seiner österreichischen Internetseite wirbt Xpeng bereits mit dem Hinweis „Aus Graz für Europa“.Damit reduziert das Unternehmen Transportwege und kann seine europäische Marktstrategie stärker auf lokale Produktion stützen.
Volkswagen oder Xpeng: Wer künftig den Takt vorgibt
Eine einfache Antwort gibt es nicht. Volkswagen bleibt bei Kapital, Produktionsvolumen, Einkaufsmacht, Vertrieb und industrieller Erfahrung deutlich überlegen. Xpeng könnte eine Expansion nach Europa ohne Händler, Servicepartner, Markenvertrauen und langfristig belastbare Qualitätsdaten nur schwer in großem Maßstab beschleunigen.
In der für China entscheidenden Disziplin – der schnellen Entwicklung digital geprägter Elektroautos – hat sich das Kräfteverhältnis jedoch verschoben. Dort ist Xpeng nicht bloß ein kleiner Zulieferer. Das Unternehmen liefert Technologien und Entwicklungsprozesse, die Volkswagen benötigt, um überhaupt wieder näher an das Tempo der chinesischen Konkurrenz heranzukommen.
Volkswagen, Xpeng und Rivian: Der riskante Software-Umbau
Volkswagen verfolgt deshalb inzwischen verschiedene Softwarestrategien für verschiedene Weltregionen. In China arbeitet der Konzern eng mit Xpeng und weiteren lokalen Partnern zusammen. Für westliche Märkte gründete VW Rivian als Gemeinschaftsunternehmen. Bis Anfang 2028 sind Investitionen von bis zu 5,8 Milliarden US-Dollar in Rivian und das gemeinsame Unternehmen vorgesehen. Das zeigt, dass Volkswagen seine künftige Software- und Elektronikarchitektur nicht mehr ausschließlich aus eigener Kraft entwickeln will.
Die Partnerschaft mit Xpeng ist daher zugleich Rettungsanker und Risiko. Gelingt es Volkswagen, die chinesische Entwicklungsgeschwindigkeit mit seinen Stärken bei Qualität, Fertigung und Skalierung zu verbinden, kann die Kooperation den Konzern stabilisieren. Gelingt das nicht, hilft Volkswagen einem technologisch starken Wettbewerber dabei, Erfahrung, Kapital und internationale Sichtbarkeit zu gewinnen.
Xpeng ist noch weit davon entfernt, Volkswagen in Europa bei den Verkaufszahlen ernsthaft zu bedrohen. Doch die entscheidende Veränderung hat bereits stattgefunden: In der alten Autowelt bestimmte der größere Hersteller die Bedingungen. In der Ära des softwaredefinierten Fahrzeugs kann der kleinere Technologiepartner zum Taktgeber werden.
Der Volkswagen ID. UNYX 09 steht für die neue China-Strategie des Konzerns: lokal entwickelt, digital aufgerüstet – und mit Xpeng als wichtigem Technologiepartner im Rücken. © Volkswagen
Wer empfiehlt zum Kauf (Buy / Outperform)?
per 4.8.2026
Die folgenden bekannten Banken und Analysehäuser sehen deutliches Kurspotenzial und raten aktuell zum Einstieg:
Deutsche Bank Research (Kursziel: 115,00 EUR)
Jefferies & Company (Kursziel: 120,00 EUR)
RBC Capital Markets (Kursziel: 121,00 EUR)
Berenberg Bank (Kursziel: 100,00 EUR)
Wer ist neutral eingestellt (Hold / Market-Perform)?
Diese Analysten sind aufgrund von Herausforderungen beim Konzernumbau und dem Druck auf dem chinesischen Markt zurückhaltender und empfehlen, die Aktie lediglich zu halten:
JPMorgan Chase & Co. (Kursziel: 110,00 EUR)
Bernstein Research (Kursziel: 100,00 EUR)
Goldman Sachs