"Der Kupferpreis steigt weiter"
Die Erfolgsgeschichte der Rohstoffe hat gerade erst begonnen. Anleger
mit Mut zum Risiko können beim Kauf von Minenaktien besonders
profitieren - oder verlieren.
jul./tim. FRANKFURT, 24. September. Seit Wochen prophezeien
Rohstoffexperten, dass der Kupferpreis, der sich im Laufe des Jahres
verdoppelt hat, rapide sinken wird, sobald die Chinesen ihre Lager
gefüllt haben, während die Industrieproduktion im Westen noch nicht
merklich anzieht. Und wirklich hat der Preis des Industriemetalls in den
vergangenen Tagen auf etwa 6130 Dollar je Tonne nachgegeben. Trotzdem
ist Georges Lequime, Investmentstratege bei der auf Rohstoffe
spezialisierten Fondsgesellschaft Earth Resource Investment Group
(ERIG), überzeugt, dass Kupfer seine Erfolgsgeschichte fortschreiben
wird. Langfristig bliebe die Nachfrage hoch, besonders in China. Unter
den Industriemetallen ist Kupfer der wichtigste Rohstoff. Daher gilt die
Preisentwicklung von Kupfer auch als ein wichtiger Indikator für die
Konjunkturentwicklung. Kupfer ist ein Hochtechnologiewerkstoff und hat
besonders gute Wärme- und elektrische Leitfähigkeit. Zum größten Teil
wird Kupfer in der Baubranche verwendet, aber auch in der Elektro- und
Sanitärinstallation sowie in der Elektrotechnik.
Lequime begründet seine Vorliebe für Kupfer in erster Linie mit der
Urbanisierung in China, die weiterhin einen hohen Bedarf an dem
Industriemetall bedingt. "Wenn man sich vorstellt, dass in China bis zum
Jahr 2025 etwa zehn neue Städte in der Größe von New York wachsen
werden, dann zeigt das, wie viel noch Kupfer nötig sein wird", sagt der
Stratege.
Kein Wunder, dass er Unternehmen bevorzugt, die Kupfer produzieren: Für
besonders interessant hält er den Minenbetreiber Capstone Mining. Das
kanadische Unternehmen fördert Kupfer nicht nur in seinem Heimatland,
sondern auch in Mexiko. Der Aktienkurs des Anbieters hat seit Anfang des
Jahres um 240 Prozent zugelegt.
Als zweiten Favoriten nennt Lequime Zink, dessen Preis von seinem
aktuellen Niveau bei 1900 Dollar je Tonne weiter zulegen sollte. Das
Industriemetall wird vor allem in der Eisen- und Stahlproduktion
eingesetzt. Als Preistreiber nennt der Stratege ebenfalls die
gesteigerte Nachfrage aus Asien. Für Aluminium und Blei ist der Manager
hingegen weniger optimistisch.
Ein besonderes Faible hat Lequime für Edelmetalle, allen voran Gold und
Silber. Erst kürzlich ist der Goldpreis auf ein neues 52-Wochen-Hoch von
1016,80 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) gestiegen. Seit Ausbruch der
Finanzkrise ist die Investmentnachfrage nach Gold stark gewachsen. "Wir
glauben, dass das Interesse der Investoren noch lange auf diesem Niveau
bleiben wird", sagt Lequime. Zudem blieben die Goldverkäufe der
westlichen Notenbanken unter dem erwarteten Niveau. Die asiatischen
Zentralbanken hätten hingegen gerade erst angefangen, ihre Goldbestände
aufzubauen, um ihre Devisenbestände zu diversifizieren und ihre
Abhängigkeit vom Dollar zu verringern.
Anlegern, die sich für Gold interessieren, empfiehlt Lequime ein
Investment in Minenaktien, anstatt sich physisches Metall in den Tresor
zu legen. Zwar gibt er zu, dass es riskant sein kann, in junge
Minenbetreiber ("Juniors") zu investieren, wie ERIG es vor allem tut.
Doch seien die Renditechancen bei diesen börsennotierte Unternehmen
ungleich höher als bei einem Kauf von Barren oder Münzen.
Denn der Aktienkurs erfolgreicher Minengesellschaften steigt stärker als
der Goldpreis, wenn es am Edelmetallmarkt nach oben geht. Zudem
profitieren Anleger von Dividendenzahlungen.
Auf der anderen Seite ist das Risiko, dass der Anleger bei einem
Investment in junge Minenbetreiber eingeht, auch ungleich höher, als
wenn er auf etablierte Unternehmen wie Barrick Gold oder Newmont Mining
setzt. Das Potential ihrer Minen, die zum Teil schon jahrzehntelang
betrieben werden, ist ungleich besser einzuschätzen als das der
"Juniors". Sind deren neuerschlossene Minen unerwartet schnell
ausgebeutet, kann die große Gewinnchance schnell zum Totalverlust werden.
Text: F.A.Z., 25.09.2009, Nr. 223 / Seite 23