Die Frage "Sind alle vergifteten Forderungen wertlos" ist etwas tendenziös gestellt. Sie lässt sich bereits mit "Ja" beantworten, wenn nur eine einzige dieser Forderungen bedient wird. Sie gleicht insofern der Aussage: "Sind alle Schwäne weiß"? Um sie zu falsifizieren (Popper), reicht es, nur einen einzigen schwarzen Schwan zu finden, der irgendwo in Australien hinter einem Baum lungern kann.
So gesehen, Libuda, kann man Deine Frage klar mit "Nein!" beantworten. Es gibt höchstwahrscheinlich mindestens eine dieser zig tausend Forderungen, die bedient wird.
Viel wichtiger sind jedoch statistische Aussagen. Man sollte besser fragen: "Wieviel Prozent der vergifteten Forderungen fallen aller Voraussicht nach aus?"
Diese schon sehr viel spezifischer gestellte Frage beantwortet der Bond-Markt. Vorweg: Am Bond-Markt sind wesentlich klügere Köpfe unterwegs als am Aktienmarkt. Denn während man am Aktienmarkt mit Glück oder gutem Timing seinen Einsatz verfielfachen kann, geht es am Bondmarkt meist nur darum, am Ende der (oft langen) Restlaufzeit sein Geld in voller Höhe zurückzubekommen. Es geht also um "return of capital". Das Risiko am Bondmarkt ist ziemlich asymetrisch: Einer meist nur mageren Rendite von einigen Prozent pro Jahr (außer Junkbonds) steht ein möglicher Totalverlust (-100 %) entgegen, falls die Firma oder der Staat, der diese Bonds emittiert hat, zahlungsunfähig wird. Das sahen wir z. B. 2002 bei argentischen Staatsanleihen. Weiterhin geht es am Bondmarkt um sehr viel höhere Volumina als am Aktienmarkt. Am Bondmarkt ist (nach meiner Schätzung) mindestens fünf Mal so viel Geld investiert wie am Aktienmarkt.
Unter diesen Prämissen kann und muss man die Bewertungen am Bondmarkt sehr ernst nehmen. Da sind Vollprofis am Werk. Wenn diese Leute die BBB-Tranche eines in 27 Jahren fälligen ABS aus dem US-Housing-Markt (Chart unten) mit nur noch 2,5 % der Nominale handeln, heißt dies, dass sie das Ausfallrisiko - d.h. den Totalverlust des einst zum Nominalkurs investierten Kapitals - mit etwa 1 zu 40 ansetzen. Zocker investieren 1 Dollar, um am Ende der Laufzeit womöglich 40 Dollar rauszubekommen. Das wäre ein Bombengeschäft - würde es nicht durch die sehr hohe Wahrscheinlichkeit des Totalausfalls empfindlich getrübt.
Das Risiko ist ähnlich, wie jetzt eine Aktie der Hyporealestate für 1,50 oder der Commerzbank für 3 Euro zu kaufen. Die Einstiegskurse wären phantastisch, wenn die HRE wieder auf 50 Euro stiege, wo sie vor 2 Jahren stand, oder die Commerzbank auf 40. Bei beiden Banken droht jedoch die Verstaatlichung mit (gesetzlicher) Zwangsenteignung. In dem Fall würden die Aktien im Prinzip wertlos - es sei denn, der Staat versüßt den Aktionären den Ausstieg noch mit einem winzigen Trostpreis.
Investoren sollten daher sowohl von ABS-Housing-Bonds als auch von potenziellen Pleitebanken tunlichst die Finger lassen. Dass Einige der zig tausend Papiere womöglich am Ende der Laufzeit bedient werden, gleicht das statistische Risiko der vielen anderen, die wertlos werden, nicht aus.
Ebensowenig taugt Libudas obige Aussage, um jetzt einen Einstieg im ebenso wackeligen Aktienmarkt zu rechtfertigen (was ja der eigentliche Hintergrund der "Frage" war).
ABS-Housing-Bonds, Tranche BBB, emittiert 2007 zu 100 %, aktueller Kurs: 2,5 %. Restlaufzeit: 27 Jahre. "Der Markt" preist die Wahrscheinlichkeit eines Totalverlustes mit 97,5 % ein.
Das Argument, die Kurse seien nur wegen des dünnen, illiquiden Handels so weit unten, halte ich für eine "faule Ausrede". Die Papiere sind mMn deshalb so illiquide, weil niemand mit einem Kauf sein Geld zum Fenster rauswerfen will - außer einigen Hardcore-Zockern bei Hedgefonds.
So gesehen, Libuda, kann man Deine Frage klar mit "Nein!" beantworten. Es gibt höchstwahrscheinlich mindestens eine dieser zig tausend Forderungen, die bedient wird.
Viel wichtiger sind jedoch statistische Aussagen. Man sollte besser fragen: "Wieviel Prozent der vergifteten Forderungen fallen aller Voraussicht nach aus?"
Diese schon sehr viel spezifischer gestellte Frage beantwortet der Bond-Markt. Vorweg: Am Bond-Markt sind wesentlich klügere Köpfe unterwegs als am Aktienmarkt. Denn während man am Aktienmarkt mit Glück oder gutem Timing seinen Einsatz verfielfachen kann, geht es am Bondmarkt meist nur darum, am Ende der (oft langen) Restlaufzeit sein Geld in voller Höhe zurückzubekommen. Es geht also um "return of capital". Das Risiko am Bondmarkt ist ziemlich asymetrisch: Einer meist nur mageren Rendite von einigen Prozent pro Jahr (außer Junkbonds) steht ein möglicher Totalverlust (-100 %) entgegen, falls die Firma oder der Staat, der diese Bonds emittiert hat, zahlungsunfähig wird. Das sahen wir z. B. 2002 bei argentischen Staatsanleihen. Weiterhin geht es am Bondmarkt um sehr viel höhere Volumina als am Aktienmarkt. Am Bondmarkt ist (nach meiner Schätzung) mindestens fünf Mal so viel Geld investiert wie am Aktienmarkt.
Unter diesen Prämissen kann und muss man die Bewertungen am Bondmarkt sehr ernst nehmen. Da sind Vollprofis am Werk. Wenn diese Leute die BBB-Tranche eines in 27 Jahren fälligen ABS aus dem US-Housing-Markt (Chart unten) mit nur noch 2,5 % der Nominale handeln, heißt dies, dass sie das Ausfallrisiko - d.h. den Totalverlust des einst zum Nominalkurs investierten Kapitals - mit etwa 1 zu 40 ansetzen. Zocker investieren 1 Dollar, um am Ende der Laufzeit womöglich 40 Dollar rauszubekommen. Das wäre ein Bombengeschäft - würde es nicht durch die sehr hohe Wahrscheinlichkeit des Totalausfalls empfindlich getrübt.
Das Risiko ist ähnlich, wie jetzt eine Aktie der Hyporealestate für 1,50 oder der Commerzbank für 3 Euro zu kaufen. Die Einstiegskurse wären phantastisch, wenn die HRE wieder auf 50 Euro stiege, wo sie vor 2 Jahren stand, oder die Commerzbank auf 40. Bei beiden Banken droht jedoch die Verstaatlichung mit (gesetzlicher) Zwangsenteignung. In dem Fall würden die Aktien im Prinzip wertlos - es sei denn, der Staat versüßt den Aktionären den Ausstieg noch mit einem winzigen Trostpreis.
Investoren sollten daher sowohl von ABS-Housing-Bonds als auch von potenziellen Pleitebanken tunlichst die Finger lassen. Dass Einige der zig tausend Papiere womöglich am Ende der Laufzeit bedient werden, gleicht das statistische Risiko der vielen anderen, die wertlos werden, nicht aus.
Ebensowenig taugt Libudas obige Aussage, um jetzt einen Einstieg im ebenso wackeligen Aktienmarkt zu rechtfertigen (was ja der eigentliche Hintergrund der "Frage" war).
ABS-Housing-Bonds, Tranche BBB, emittiert 2007 zu 100 %, aktueller Kurs: 2,5 %. Restlaufzeit: 27 Jahre. "Der Markt" preist die Wahrscheinlichkeit eines Totalverlustes mit 97,5 % ein.
Das Argument, die Kurse seien nur wegen des dünnen, illiquiden Handels so weit unten, halte ich für eine "faule Ausrede". Die Papiere sind mMn deshalb so illiquide, weil niemand mit einem Kauf sein Geld zum Fenster rauswerfen will - außer einigen Hardcore-Zockern bei Hedgefonds.
