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Toqqo444:

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4
25.09.08 20:34
#1
Artikel ist recht lang, umreisst aber sehr schön viele aktuelle (und wohl auch zukünftige) Probleme! Lesenswert!!!

www.handelsblatt.com
Ökonomen sehen schwarz für Weltwirtschaft
von Dorit Heß, Michael Maisch und Torsten Riecke

Es könnte "richtig ungemütlich" werden. Das hatte der britische Nobelpreisträger Clive Granger schon vor Wochen prognostiziert. Noch handele es sich zwar weitgehend um eine Finanzkrise. Was ihn aber so unruhig werden ließ und ihm Sorgenfalten auf die Stirn trieb: die Sorge, dass die Krise außer Kontrolle geraten und in großem Stil auf die Realwirtschaft und damit die Arbeitsmärkte übergreifen könnte. Inzwischen ist es ungemütlich geworden.

FRANKFURT/LONDON/NEW YORK. Die Krisenlawine hat in der vergangenen Woche derart an Tempo zugelegt, dass Grangers Sorge alles andere als unbegründet erscheint. Die Lehman-Pleite, die Verstaatlichung des Versicherers AIG und der Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac - es sind die schwärzesten Tage der US-Wirtschaft seit Jahrzehnten.

Aber nicht nur der US-Wirtschaft. Rund um den Globus nehmen die Stimmen zu, die Schreckensnachrichten verbreiten. Sie verkünden, dass die Turbulenzen der vergangenen Wochen die Risiken für die Weltwirtschaft deutlich erhöht haben und die Wachstumsraten der vergangenen Jahre so schnell nicht wiederholt werden können. Kein Wunder: Der Anteil der USA am weltweiten Bruttoinlandsprodukt hat sich zwar in den vergangenen Jahren kontinuierlich verringert, er beträgt laut Weltbank aber immer noch gut 27 Prozent.

"Nachdem die Weltwirtschaft in den vergangenen Jahren über ihrem langfristigen Trend gewachsen ist, wird sie in den kommenden Jahren darunter liegen", prophezeit die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro. Eine Zeit lang sei kein Preis für Risiko vorhanden gewesen - weil es von den Zentralbanken enorme Liquidität gegeben habe, die von den Finanzmärkten noch vervielfacht worden sei, argumentiert sie. "Der Abbau dieser Ungleichgewichte, die aus der hohen Verschuldung der US-Haushalte und den aufgeblasenen Bilanzen der Banken bestehen, wird die große Aufgabe der kommenden Jahre werden."

Jahre der Anpassung - die erwarten auch viele US-Ökonomen, die trotz der aktuellen Krise vor einer Verteufelung der modernen Finanzinstrumente warnen. Die enormen Wohlstandsgewinne der vergangenen Jahrzehnte seien auch auf die Liberalisierung der internationalen Finanzmärkte zurückzuführen, dieses Schmiermittel werde der Weltwirtschaft dank der Spätfolgen der Kreditkrise fehlen.

"Trotz der Finanzkrisen in Lateinamerika, Asien und Russland waren die vergangenen 25 Jahre eine bemerkenswerte Periode des Wohlstands, nicht nur in den Schwellenländern, sondern weltweit", sagt beispielsweise Gary Hufbauer, Ökonom am renommierten Peterson Institute for International Economics in Washington. "Wenn man eine Liste der tausend Top-Unternehmen aus dem Jahre 1980 mit der gleichen Liste von heute vergleichen würde, könnte man vermutlich sehen, dass mehr als die Hälfte der Firmen ersetzt wurde. Das wäre unmöglich, wenn diese Firmen nicht Zugang zu Risikokapital, dem Aktienmarkt oder einem wettbewerbsfähigen Bankensektor gehabt hätten."

Auch David Smick hält das moderne Finanzsystem für einen Wohlstandsmotor. In seinem gerade erschienenen Buch "The World is curved" weist der international tätige Finanzberater darauf hin, dass seit 1980 rund eine Milliarde Menschen die offizielle Armut verlassen hat. Ohne den freien Fluss der Kapitalströme sei das nicht möglich gewesen. US-Notenbankchef Ben Bernanke hat vor dem Kongress ebenfalls die Bedeutung der Kreditmärkte für den wirtschaftlichen Wohlstand betont: "Wenn die Kreditmärkte nicht funktionieren, leidet die ganze Wirtschaft." Geringeres Wachstum und eine höhere Arbeitslosigkeit seien die Folge.

Die Zeiten, in denen die üppige Liquidität im Finanzsystem das Wachstum der Weltwirtschaft angeschoben hat, dürften mit der amerikanischen Kreditkrise aber zu Ende gegangen sein. In den vergangenen Wochen seien die Märkte durch das Chaos an der Wall Street noch illiquider geworden, vermutet Stewart Thomson, Volkswirt bei Resolution Asset Management.

Und das ist aus seiner Sicht noch nicht einmal alles: Bislang hätten die Banken 600 Mrd. US-Dollar für Schäden aus der Kreditkrise abgeschrieben - aber das sei erst die Halbzeit. Außerdem müssten die Geldinstitute in den kommenden zwölf Monaten knapp 700 Mrd. Dollar an Schulden refinanzieren. All das spreche für eine weitere drastische Verknappung des Kreditangebots, weil die Banken ihre Liquidität für sich selbst bunkern müssten.

Die Folgen: weitere Verwerfungen an den Finanzmärkten, mehr Unternehmenspleiten und eine empfindliche Abkühlung des weltweiten Wachstums. Ähnlich pessimistisch beurteilt Robin Bew, Chefvolkswirt der Economist Intelligence Unit, die Lage. Er ist überzeugt davon, dass die Kreditkrise im kommenden Jahr massiv auf die Realwirtschaft durchschlagen wird: "2008 haben die Banken gelitten. 2009 werden es die Unternehmen sein", sagt er. Bew ist davon überzeugt, dass die Spätfolgen der Krise der Weltwirtschaft noch lange zu schaffen machen werden. "Auch wenn die Krise überstanden ist, werden wir nicht mehr solche Wachstumsraten sehen wie in den Jahren 2004 bis 2006."

David Owen, Volkswirt bei Dresdner Kleinwort, sieht die globale Ökonomie derzeit "in der schlechtesten aller Welten". Er fürchtet eine Fortsetzung der Immobilienkrise in den USA und Großbritannien, eine drastisch steigende Zahl von Unternehmenspleiten diesseits und jenseits des Atlantiks sowie massive Probleme für die hoch verschuldeten Verbraucher. Nach den Turbulenzen der vergangenen Woche seien die Risiken für die Weltwirtschaft noch einmal deutlich gestiegen.

Owen prophezeit, dass Frankreich und Spanien im dritten Quartal in eine Rezession rutschen, noch vor den USA und Großbritannien. Probleme drohen auch der deutschen Wirtschaft. Das Land stecke zwar in keiner Immobilienkrise wie die USA. Doch der massive Abschwung in großen Ländern wie Großbritannien und Spanien werde auch eine Exportnation wie Deutschland treffen, prophezeien die Wirtschaftsforscher des Kieler Instituts für Weltwirtschaft.

Das gleichzeitige Auftreten einer Immobilienkrise in mehreren bedeutenden Industrieländern habe es seit über 20 Jahren nicht mehr gegeben, schreiben sie in einer Studie, in der sie internationale Handelsverflechtungen analysiert und Konsequenzen der parallel auftretenden Immobilienkrisen untersucht haben: "In einem solchen Szenario würde insbesondere Deutschland nachhaltig konjunkturell in Mitleidenschaft gezogen." Vor allem in der ersten Jahreshälfte 2009 sähe es düster aus.

Die Liste der Lehren, die aus der Krise zu ziehen sind, ist lang: "Wir dürfen nicht den Fehler machen, das gesamte marktwirtschaftliche System infrage zu stellen", sagt Weder di Mauro. Was schieflief, sei "nicht systemimmanent." Eine Kombination aus falscher Wirtschaftspolitik und einem Versagen der Finanzaufsicht in den USA seien schuld an der Krise.

Hufbauer vom Peterson Institute wird konkreter: Es komme jetzt darauf an, die Aufsicht der Banken an drei Punkten zu verbessern: Die Verbindlichkeiten und Vermögenswerte der Finanzinstitute sollten fortlaufend überwacht werden, um eine Konzentration von Risiken rechtzeitig zu erkennen. Außerdem sollte die Entlohnung der Bankmanager nicht der Höhe nach, wohl aber zeitlich an die Periode der von ihnen eingegangenen Risiken gebunden werden.
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Toqqo444:

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26.09.08 10:59
#2
# #Sehr interessanter Artikel zur Lage# # Toqqo444

Man hätte hier

 
#3
viel früher gegenestuern können und müssen.

Die US-Regierung war offenbar nicht nur mit der Aussepolitik völlig überfordert, sondern wohl mind. genauso ahnungslos, was die Innenpolitik angeht.


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