www.wams.de/data/2005/12/25/822405.html
"Die stärkste Marke wird überleben - und das ist Premiere"
Premiere-Chef Georg Kofler über den Verlust der Bundesligarechte und die Zukunft seines Fernsehsenders.
Welt am Sonntag: Herr Kofler, der Kurs Ihrer Aktie hat sich fast halbiert. Ist Premiere ein Übernahmekandidat?
Georg Kofler: Viele Anleger sind offenbar der Meinung, daß das jetzt ein günstiger Einstiegskurs ist. Und ich will nicht ausschließen, daß manche Leute an neue Kombinationen denken.
Sie fänden es also gar nicht schlimm?
Das kommt auf den Übernehmer an.
Und wenn der Unity Media hieße?
Dazu kann ich keinen Kommentar abgeben. Ich sage nur: Es wird in den kommenden Jahren ohnehin zu neuen Kombinationen zwischen Medienunternehmen, Telekommunikationsunternehmen, vielleicht auch Infrastrukturunternehmen kommen.
Sie haben bislang immer gesagt, in Deutschland gebe es nur Platz für einen Pay-TV-Anbieter. Ist das überholt?
Kofler: Nein. Die Zukunft wird zeigen, daß diese Aussage richtig ist. Die stärkste Marke wird überleben - und das ist Premiere.
Experten schätzen, daß Sie ein Drittel Ihrer Abonnenten verlieren könnten. Können Sie diesen Verlust überhaupt noch ausgleichen?
Kofler: Wir sind zuversichtlich, daß wir unser Abonnentenniveau von rund 3,5 Millionen halten können. Wir haben nach wie vor Deutschlands größtes Sportangebot, ab September sogar die Champions League exklusiv. Und wir werden bei anderen Sportarten als dem Fußball anbauen.
Hoffen Sie auf eine Kooperation mit dem neuen Rechteinhaber Arena?
Kofler: Es liegt nahe, daß die neuen Rechteinhaber mit uns sprechen. Viele Premiere-Abonnenten könnten das Programm eines neuen Anbieters ohne unsere Mitwirkung gar nicht empfangen. Ich erwarte daher, daß wir zu einer vernünftigen Kooperation kommen.
Was passiert mit Kunden, die ein Premiere-Fußball-Live-Abo besitzen, wenn es zu keiner Kooperation kommt?
Kofler: Wir werden ein Sonderkündigungsrecht einräumen, wenn sich das Programm substantiell verändert.
Das Gespräch führte Tina Kaiser
Artikel erschienen am 25. Dezember 2005