Infratil ist für mich zum Stand 17. April 2026 eine der interessantesten Infrastrukturaktien im pazifischen Raum, aber eben keine klassische „langweilige Versorger-Aktie“ mehr. Das Unternehmen wurde 1994 an der NZX gelistet, war einer der frühen börsennotierten Infrastrukturfonds überhaupt, wird seit seiner Gründung von Morrison gemanagt und ist heute ein globaler Infrastruktur-Investor mit Schwerpunkten auf Digitalinfrastruktur, erneuerbaren Energien, Healthcare und Flughäfen. Aus dem alten neuseeländischen Utility-/Airport-Profil ist Schritt für Schritt ein deutlich internationaleres Wachstumsvehikel geworden; Manawa bzw. früher Trustpower war die erste große Beteiligung, Wellington Airport kam 1998 dazu, und die eigentliche Neubeschleunigung kam ab 2016 mit CDC und Longroad. (Infratil)
Genau das ist heute die Investment-These: Infratil ist kein billiger Dividendenersatz, sondern ein aktiv gemanagtes Infrastruktur-Portfolio mit erheblichem Wachstumsanteil. Zum 30. September 2025 lag der Gesamtwert des Portfolios bei rund NZ$19 Milliarden; davon entfielen 66 % auf Digitalinfrastruktur, 21 % auf Renewables, 8 % auf Healthcare und 5 % auf Airports. Die größten Brocken waren CDC mit rund NZ$7,7 Milliarden, One NZ mit rund NZ$3,7 Milliarden und Longroad mit rund NZ$2,3 Milliarden. Gleichzeitig macht CDC laut Management inzwischen rund 40 bis 41 % des Portfoliowerts aus, also ist die Gesellschaft faktisch stark von einem einzigen Superstar-Asset abhängig. Das ist die große Chance – und das größte Klumpenrisiko.
Fundamental ist Infratil solide, aber man muss die richtigen Kennzahlen lesen. Für das Geschäftsjahr bis 31. März 2025 meldete Infratil ein proportionate operational EBITDAF von NZ$986,4 Millionen, Net Debt von NZ$2,19 Milliarden, eine Gearing-Quote von 17,9 % und verfügbare Liquidität von NZ$1,44 Milliarden. Der ausgewiesene Net Parent Loss von NZ$286,3 Millionen sieht auf den ersten Blick schwach aus, ist für Infratil aber nur begrenzt aussagekräftig, weil das Ergebnis stark von Neubewertungen geprägt ist. Relevanter ist hier der veröffentlichte Net Asset Value: NZ$16,1 Milliarden beziehungsweise NZ$16,65 je Aktie zum 31. März 2025. Im Halbjahr bis 30. September 2025 stieg das proportionate operational EBITDAF nochmals auf NZ$514 Millionen, also um 7 % gegenüber HY25, während der Portfoliowert um NZ$735 Millionen zulegte. Ende 2025 kam außerdem ein BBB+-Issuer-Rating von S&P mit stabilem Ausblick hinzu, was die Finanzierungsqualität verbessert.
Die Dividende ist ordentlich, aber nicht das Hauptargument. Infratil zahlte im Juni 2025 eine Schlussdividende von 13,25 NZ-Cent und im Dezember 2025 eine Zwischendividende von 7,25 NZ-Cent; historisch wurde die Ausschüttung in den letzten Jahren schrittweise angehoben. Auf Basis des zuletzt verfügbaren NZX-Kurses von rund NZ$12,05 lag die ausgewiesene Bruttodividendenrendite nur bei etwa 1,8 %. Das ist für einen Infrastrukturwert niedrig. Wer Infratil kauft, kauft in Wahrheit primär das Wachstum von CDC, Longroad und den übrigen Plattformen – nicht den laufenden Cash-Ertrag. Wichtig ist auch: Die FY26-Jahreszahlen und damit eine eventuelle Schlussdividende für FY26 waren am 17. April 2026 noch nicht veröffentlicht; angekündigt war die Veröffentlichung erst für den 26. Mai 2026. (Infratil)
Die Verwässerungsgefahr ist bei Infratil real und aus meiner Sicht höher als bei vielen anderen Infrastrukturwerten. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren wiederholt neue Aktien ausgegeben: Im Geschäftsjahr 2025 stieg die Zahl der Aktien auf 968,1 Millionen nach 832,6 Millionen im Vorjahr, also um gut 16 %. Zum 18. April 2026 wies die NZX bereits 999,3 Millionen ausgegebene Aktien aus, also nochmals gut 3 % mehr seit März 2025 und rund 20 % mehr als ein Jahr zuvor. Treiber waren unter anderem die NZ$1,15-Milliarden-Kapitalerhöhung im Juni 2024, Aktienausgaben an Morrison für Management- bzw. Incentive Fees, die Ausgabe von 17,6 Millionen Aktien an TECT als Teil der Gegenleistung beim Ausbau der Contact-Beteiligung sowie die Dividend Reinvestment Plans, bei denen sogar ein 2-%-Abschlag auf den Strike Price gewährt wurde. Dazu kommt, dass Infratil 2025 sehr hohe Management Fees an Morrison verbuchte; allein die International Portfolio Incentive Fees lagen bei NZ$346,9 Millionen. Das ist kein Grund, die Aktie zu meiden, aber man sollte sich nichts vormachen: Bei Infratil gehört Verwässerung strukturell zum Modell, wenn große Wachstumschancen finanziert werden oder Incentive Fees in Aktien bezahlt werden.
Operativ ist der wichtigste Punkt derzeit CDC. Am 26. März 2026 hob CDC die FY27-EBITDAF-Guidance auf A$680 bis A$720 Millionen an; zuvor war von ungefähr A$660 Millionen die Rede. Am 8. April 2026 wurde die unabhängige CDC-Bewertung per 31. März 2026 auf A$15,0 Milliarden angehoben, womit Infratils 49,72-%-Anteil auf A$7,454 Milliarden kam. Positiv sind dabei die weiter wachsende Kapazität, die sehr starke Nachfrage nach Rechenzentrumsfläche in Australasien und die Tatsache, dass CDC offenbar weiter großvolumig finanziert werden kann. Negativ ist, dass selbst diese gute Bewertung schon zeigt, wo der Gegenwind sitzt: höhere Zinsen, höhere Fremdkapitalkosten, höhere Eigenkapitalkosten. Heißt auf Deutsch: Wenn der Datenzentrumssuperzyklus intakt bleibt, trägt CDC Infratil weiter kräftig. Wenn er abkühlt oder teurer finanziert werden muss, trifft das Infratil direkt ins Herz.
Für die nächsten fünf bis fünfzehn Jahre gefällt mir das Chancenprofil trotzdem. Das Management will kleinere oder nicht ausreichend skalierbare Assets eher abgeben, hat einen mittelfristigen Divestment-Zielwert von rund NZ$1 Milliarde formuliert und das frei werdende Kapital in hochüberzeugende Plattformen wie CDC und Longroad umschichten. Zugleich sollen Contact Energy, One NZ und Wellington Airport als Cashflow-Generatoren die laufenden Kosten und mittelfristig auch nachhaltige Dividenden stärker absichern. Strategisch ist das sinnvoll. Die großen Langfristtreiber – KI- und Cloud-Infrastruktur, Elektrifizierung, Dekarbonisierung, Connectivity und alternde Bevölkerung – sind real. Die Schwächen liegen ebenfalls offen auf dem Tisch: Neuseelands schwache Binnenkonjunktur belastet lokale Beteiligungen, Longroad bleibt anfällig für US-Regulierung und Kapitalkosten, und die Konzentration auf CDC ist höher, als es mir bei einem Infrastrukturwert ideal wäre. Mein Urteil deshalb: sehr gutes Unternehmen, aber keine sichere Witwen-und-Waisen-Aktie.
Zur Bewertung und zu den Kurszielen: Beim jüngsten verfügbaren NZX-Kurs von rund NZ$12,05 lag die Marktkapitalisierung bei rund NZ$12,0 Milliarden. Das ist für die Qualität der Assets nicht billig, aber gemessen an der Wachstumsdynamik von CDC auch nicht überzogen. Der von Marketscreener ausgewiesene Analystenkonsens lag zuletzt bei NZ$14,06. Meine eigene Einschätzung liegt leicht darüber beziehungsweise in derselben Größenordnung: Für die nächsten zwölf Monate halte ich einen fairen Bereich von etwa NZ$13,50 bis NZ$15,50 für plausibel, mit einem zentralen Ziel um NZ$14,50. Für fünf Jahre sehe ich bei guter Ausführung eher einen Bereich von NZ$17 bis NZ$20. Das passt grob zu Infratils eigener Aussage, dass bei Erreichen der Zielrendite eine Marktkapitalisierung von NZ$20 Milliarden in den nächsten fünf Jahren möglich wäre; bei der heutigen Aktienzahl entspräche das rechnerisch rund NZ$20 je Aktie, wobei weitere Verwässerung diesen Wert pro Aktie drücken würde. Für zehn bis fünfzehn Jahre traue ich Infratil weiter attraktive Renditen zu, aber da würde ich keine präzise Kurszahl vortäuschen. Dafür ist die Bandbreite aus Zinsen, Regulierung, Kapitalbedarf und Portfolio-Umschichtungen zu groß. Meine Einschätzung dafür in einem Satz: Auf Sicht von 10 bis 15 Jahren halte ich Infratil für einen guten Kandidaten für hohe einstellige bis niedrige zweistellige jährliche Gesamtrenditen – aber nur, wenn die Verwässerung nicht aus dem Ruder läuft und CDC seine dominante Stellung behält. (nzx.com)
Unterm Strich ist Infratil für mich aktuell ein Qualitätswert mit Wachstumscharakter, einem starken Management-Track-Record und sehr guten Assets – vor allem CDC. Die Aktie ist aus meiner Sicht eher ein Kauf für Anleger, die Infrastruktur mit Technologie- und Energiewende-Twist suchen und Schwankungen aushalten, nicht für Anleger, die primär eine hohe, planbare Ausschüttung wollen. Der größte Pluspunkt ist das Asset-Set. Der größte Minuspunkt ist, dass Infratil für Wachstum regelmäßig Kapital braucht und die Aktionäre dabei nicht selten mit neuen Aktien zahlen. Genau deshalb ist die Aktie gut, aber nicht harmlos. (Infratil)
Autor: ChatGPT