Düsseldorf
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Die Börse hat ihr Urteil gefällt: Nokia verlor allein am vergangenen Donnerstag rund 18 Prozent. Mit 1,83 Euro notierte die Aktie zeitweise so niedrig wie zuletzt im Mai 1996. Damals begann sich der zuvor auf Gummistiefel spezialisierte Mischkonzern als Handyhersteller neu zu erfinden.
Doch hat die Börse immer recht? Es gab einmal einen Konzern, der zählte zu den erfolgreichsten seiner Branche. Doch dann fällte das Management eine falsche Entscheidung nach der anderen, Chefs gingen, neue kamen, die Firma verschlief wichtige Trends, der Aktienkurs fiel rasant - und der Firma drohte die Pleite.
Gemeint ist nicht Nokia, sondern Apple. Wer vor anderthalb Jahrzehnten prognostiziert hätte, das in den 80er-Jahren erfolgreiche Unternehmen Apple würde nach seinem Misserfolg in den 90er-Jahren eines Tages dennoch zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufsteigen, wäre wohl als unbelehrbarer Fantast abgetan worden. Und zwar auch deshalb, weil die Börse damals frühzeitig ihr Urteil gegen Apple gefällt hatte.
Nokia ist zwar nicht Apple - aber das Beispiel des amerikanischen IT-Konzerns zeigt, dass die Börse sich bisweilen durchaus irrt. Natürlich ist nicht zu bestreiten, dass Nokia zu spät in das lukrative Geschäft mit Smartphones eingestiegen ist und zu viel Geld in Forschung und Entwicklung investierte. Die Finnen verzettelten sich, legten zu viel Wert auf neue Technologien - und vergaßen die Bedeutung des Designs und den Wunsch der Verbraucher nach leicht zu bedienenden Geräten.
Die Folge: Vom einstigen Börsenschwergewicht und wertvollsten Unternehmen Europas ist fast nichts geblieben. Seit dem Hoch im Mai 2000 verlor die Aktie gut 98 Prozent. Gestern war Nokia noch 6,9 Milliarden Euro wert.
Staatsbankrott? Bankenkrisen? Darauf gibt es nur eine Antwort: Viel Lärm um nichts! (A. Kostolany)