Ohne Kompass
Kommentar
Von Nikolaus Blome
Gewurstel, dein Name sei Rot-Grün. Das tägliche Hin und Her der zweiten Regierung Schröder nimmt erratische Züge an. Zyniker würden sagen: Die Rot-Grünen haben keine Linie - und die wird jetzt auch noch verlassen.
Wohlgemerkt: Die Rücknahme einiger Knebelpläne bei der Besteuerung von Aktien- und Immobiliengeschäften ist richtig - weil es immer richtig ist, einen Fehler zu korrigieren. Aber warum werden die Fehler überhaupt erst gemacht? Was hat die jetzt aufbegehrenden Grünen bewogen, all diesen kruden Vorhaben während der Koalitionsverhandlungen noch zuzustimmen? Die Antwort kann nur sein: weil sie ihren inneren Kompass fürs Erste verloren haben. Weil sie sich ihrer zum Teil reformorientierten Abgrenzung zur Traditions-SPD erst erinnerten, als sie sich aus eigenem Versagen von Gerhard Schröder vorführen lassen mussten.
Bei Spekulationssteuer und möglicher Rentenreform hat der kleinere Koalitionspartner in wenigen Tagen zwar eineinhalb Punktsiege eingefahren. Wenn es in der Sache wirklich so kommt, macht sich das auf ihrem machtpolitischen Konto nicht schlecht, und mancher Anleger kann aufatmen. Aber mit solchen Hüpfspielchen lässt sich ein ganzes Land nicht aus der Krise führen. Denn sie kosten zugleich den letzten Rest von Glaubwürdigkeit, zum Beispiel bei der Europäischen Union: Der Finanzminister kriegt den "blauen Brief" ja nicht, weil sein Sparpaket in jedem Fall zu klein wäre - sondern weil niemand glaubt, dass selbst für Notoperationen politischer Mumm und Verstand derzeit reichen. Dieses Urteil ist vernichtend.
Den Autor erreichen Sie unter: blome@welt.de
Kommentar
Von Nikolaus Blome
Gewurstel, dein Name sei Rot-Grün. Das tägliche Hin und Her der zweiten Regierung Schröder nimmt erratische Züge an. Zyniker würden sagen: Die Rot-Grünen haben keine Linie - und die wird jetzt auch noch verlassen.
Wohlgemerkt: Die Rücknahme einiger Knebelpläne bei der Besteuerung von Aktien- und Immobiliengeschäften ist richtig - weil es immer richtig ist, einen Fehler zu korrigieren. Aber warum werden die Fehler überhaupt erst gemacht? Was hat die jetzt aufbegehrenden Grünen bewogen, all diesen kruden Vorhaben während der Koalitionsverhandlungen noch zuzustimmen? Die Antwort kann nur sein: weil sie ihren inneren Kompass fürs Erste verloren haben. Weil sie sich ihrer zum Teil reformorientierten Abgrenzung zur Traditions-SPD erst erinnerten, als sie sich aus eigenem Versagen von Gerhard Schröder vorführen lassen mussten.
Bei Spekulationssteuer und möglicher Rentenreform hat der kleinere Koalitionspartner in wenigen Tagen zwar eineinhalb Punktsiege eingefahren. Wenn es in der Sache wirklich so kommt, macht sich das auf ihrem machtpolitischen Konto nicht schlecht, und mancher Anleger kann aufatmen. Aber mit solchen Hüpfspielchen lässt sich ein ganzes Land nicht aus der Krise führen. Denn sie kosten zugleich den letzten Rest von Glaubwürdigkeit, zum Beispiel bei der Europäischen Union: Der Finanzminister kriegt den "blauen Brief" ja nicht, weil sein Sparpaket in jedem Fall zu klein wäre - sondern weil niemand glaubt, dass selbst für Notoperationen politischer Mumm und Verstand derzeit reichen. Dieses Urteil ist vernichtend.
Den Autor erreichen Sie unter: blome@welt.de