"Daher unser Tipp an die Anleger. Machen Sie es wie die Erdölkonzerne: Nehmen Sie Biosprit nur zur Beimischung von bewährtem Kraftstoff."
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Biosprit ist kein Raketentreibstoff
...Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko treibt die Suche nach alternativen Treibstoffen und Engergiequellen wieder voran. Ein Teil davon sind Biokraftstoffe, deren Spektrum sich über Biomasse, Biogas, Biodiesel und Ethanol erstreckt (s. rechts). Jedes einzelne Segment hat punkto Wirschaftlichkeit und Umweltaspekt seine Vor- und Nachteile. Der Umweltaspekt ist für die Anleger auch deshalb von Bedeutung, weil die Branche am staatlichen Fördertropf hängt. Derzeit hat Ethanol aus Zuckerrohr das größte Einsparungspotenzial gegenüber fossilen Energiequellen (s. Grafik). Besonders stark vertreten sind hier die USA und Brasilien, die den Rohstoff vor der Haustür haben. Tendenz steigend. Die EU hingegen setzt primär auf Biodiesel.
Trend zeigt nach oben
Doch trotz steigender Tendenz ist der Anteil flüssiger Biokraftstoffe am weltweiten Transporttreibstoff-Verbrauch noch sehr gering. Laut einer Studie der Commerzbank liegt er bei einem Prozent. Gemessen am weltweiten Gesamtenergieverbrauch steuern fossile Energiequellen mit 80 Prozent noch immer den Löwenanteil bei. Immerhin zehn Prozent wird mit Energie aus Biomasse gedeckt. Diese Biomasse enthält aber nicht nur Stärke, Zucker oder Öl, die zu Biokraftstoffen verabeitet werden, sondern auch Zellulose, die verbrannt wird. Dazu zählen zum Beispiel Holzpellets. Laut Prognose der Weltbank wird die Bioenergieproduktion bis 2030 von 1,17 auf 1,63 Milliarden Tonnen Öläquivalent steigen. Vor allem bei flüssigem Kraftstoff wird mit starkem Zuwachs gerechnet. Der Ethanolverbrauch soll bis 2030 von 60 auf 170 Millionen Tonnen steigen.
Bitterer Beigeschmack
Doch hohe Zuwachsraten bei der Biospritproduktion bedingen auch einen steigenden Rohstoffbedarf und gehen auch mit steigenden Preisen einher. Einen bitteren Nachgeschmack bekommt das Ganze auch, weil die Preise für Weizen und Zucker zuletzt wegen geringeren Ernteprognosen auch so schon kräftig gestiegen sind (s. Charts).
Besonders bitter ist das für die Europäer, die bei der Ethanolproduktion vor allem auf eine Mischung aus Getreiden und zum Teil auch auf Zucker setzen. Die USA hingegen greifen vorwiegend auf Mais zurück, dessen Preis sich im Gegensatz zu Weizen und Zucker zuletzt relativ stabil entwickelt hat. Als weltgrößter Ethanolverbraucher sind die USA aber teilweise auf Importe angewiesen.
Krone aus Zucker
Einer der größten Player am US-Ethanol-Markt ist der Agrarkonzern Archer Daniels, der sich in unserem Aktiencheck an die Spitze vorgekämpft hat. Durch die breite Aufstellung der Geschäftsfelder sind die Risiken bei der Aktie zudem weit geringer als bei reinen Biospritherstellern. Hinzu kommt ein relativ niedriges KGV, ein positiver Analystenkonsens und die Tatsache, dass Archer Daniels als einer der wenigen Anbieter eine Dividende ausschüttet.
Mit einer Marktkapitalisierung von 17,8 Milliarden $ kann den Amis aber auch in dieser Hinsicht keiner das Wasser reichen. Einer, der mit einem Börsenwert von 5,8 Milliarden $zumindest in die Nähe kommt, ist der brasilianische Zuckerproduzent Cosan, der in unserem Ranking auf dem siebenten Platz gelandet ist. Beeindruckend sind auch die Wachstumsraten beim brasilianischen Ethanolverbrauch, der in den letzten drei Jahren um 78 Prozent gestiegen ist, der Benzinverbrauch hingegen nur um drei Prozent. Gleichzeitig entfallen 90 Prozent der Neuwagenkäufe bereits auf Flex-Fuel-Fahrzeuge, die sowohl mit Benzin als auch mit Methanol und Ethanol betrieben werden können.
Die Mischung macht's
Die heimische Agrana hat zwar die Ethanolproduktion zuletzt um 74.000 m³ auf 294.000 m³ kräftig gesteigert, in unserem Ranking hat sie es aber nicht auf die vorderen Plätze geschaft, die ebenfalls mehrheitlich zum Südzucker-Konzern gehörende Cropenergies aber schon. Deren Aktie ist wegen der Fokussierung auf Biosprit aber wesentlich riskanter. Wie riskant ein Investment in die Branche ist, haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Pleitefälle bewiesen. Eine davon war die bayrische Schmack Biogas.
Den Tournaround offenbar geschafft hat hingegen die deutsche Verbio, die im ersten Quartal wieder schwarze Zahlen schrieb. Auch der Aktienkurs hat sich wieder erholt, obwohl der IPO-Preis von 14,50 € noch in weiter Ferne ist. Daher unser Tipp an die Anleger. Machen Sie es wie die Erdölkonzerne: Nehmen Sie Biosprit nur zur Beimischung von bewährtem Kraftstoff.