Design Hotel FCC Angkor, Siem Reap, Kambodscha
Hotellerie
Aktie von Design Hotels ist eine riskante Spekulation
16. August 2005 Internet und Reisebranche sind immer noch interessant. Die großen Tage dieser Themen sind allerdings etwas vorbei. Mit beiden Aspekten begeisterte einst die Lebensart Global Networks AG die Anleger, die das Papier einstmals auf ein Rekordhoch von 47 Euro im Jahr 2000 jagten. Heute backt das Unternehmen unter dem Namen Desgin Hotels erheblich kleinere Brötchen -auch beim Aktienkurs, der nur noch bei 83 Cent liegt.
Design Hotels versteht sich selbst als „internationaler Kreativ-, Marketing- und Kommunikationsdienstleister mit Kernkompetenz im Lifestyle-Tourismus”. Das Unternehmen berät Hotel- und Touristikunternehmen bei Konzeption, Vermarktung und Kommunikation und versucht eine Marktnische mit der Marke design hotels(tm) aufzubauen.
Bisher kein Geld verdient
Design Hotel Unique, Sao Paulo
Zu dieser „Kollektion” - so der Unternehmensausdruck - gehören über 140 Privathotels in 37 Ländern, die allerdings inhabergeführt sind oder zu kleineren Ketten gehören. Kennzeichen der Hotels soll eine unkonventionelle Gestaltung sein, die ein unverwechselbares, „einmaliges”, „authentisches” Erlebnis bieten, das ortsspezifische Charakteristika hat und sich somit vom Einheitstrend der Hotels der Weltstädte abhebt.
So sympathisch die Idee ist - Geld hat Design Hotels bis heute damit nicht verdient. In früheren Jahren fielen die Verluste trotz wesentlich höherer Umsätze drastisch aus. 2002 war dabei das absolute Katastrophenjahr: Die Umsätze fielen um etwa die Hälfte auf 12,6 Millionen Euro, derweil die Verluste um das Zweieinhalbfache auf 18,2 Millionen Euro stiegen, bedingt durch den dramatischen Einbruch im Tourismus.
Design Hotel Mauritzhof, Münster
Auch 2003 fiel kaum besser aus. Die Umsätze fielen um fast zwei Drittel auf 4,3 Millionen Euro, dafür konnte mit einem Minus von 284.000 Euro fast eine Ertragswende erreicht werden. Hintergrund war der Rückzug aus dem IT-Geschäft, den das Unternehmen vollziehen mußte, um noch überleben zu können.
Ertragswende könnte sich abzeichnen
Diese Erschütterungen hielten auch 2004 noch an. Hinzu kamen Abschreibungen und ungünstige Entwicklungen auf der Währungsseite, so daß Design Hotels bei praktisch unverändertem Umsatz einen dreimal höheren Fehlbetrag von 869.000 Euro verbuchen mußte.
Design Hotel Belle Mare Hotel Mauritius
Die am Dienstag vorgelegten Halbjahreszahlen lassen indes hoffen, daß es dem Unternehmen gelingt, in dei schwarzen Zahlen zu kommen und damit auch längerfristig zu überleben. Das Ergebnis nach Abschreibungen (Ebit) betrug im ersten Halbjahr 2005 4.000 nach einem Verlust im Vorjahreszeitraum von 181.000 Euro. Vor Steuern schloß das Unternehmen mit einem Gewinn von 1.000 Euro ab - zum ersten Mal eine bescheidene schwarze Zahl ohne Sondereffekte, wie das Unternehmen mitteilte.
Der Konzernumsatz belief sich im ersten Halbjahr 2005 auf 2,307 Millionen Euro - fünf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei stiegen die Umsätze aus Mitgliedsgebühren und Kommissionen im zweistelligen Bereich auf zusammen 1,92 Millionen Euro. Diese Mehr einnahmen gehen zum Teil auf die Aufnahme von 13 neuen Hotels zurück, die unter anderem auch die Basis für die höheren Kommissionserlöse aus einem Buchungsanstieg von 30 Prozent bildeten.
Ausblick eher unklar
Design Hotel The Park Kolkata, Indien
Hingegen sanken die Umsätze aus dem Produktmarketing und der Beratung um 25 Prozent auf 385.000 Euro sanken. Allerdings stammte dieser Umsatzrückgang aus einem schwachen ersten Quartal. Im zweiten Quartal zog der Spartenumsatz wieder um 18 Prozent an. Die Steigerung des Gesamtumsatzes ist um so positiver zu vermerken, als daß die sonstigen Erlöse, die sich im Vorjahreszeitraum noch auf 103.000 Euro belaufen hatten, praktisch wegfielen, nachdem das Unternehmen mittlerweile auch seine Reisebürotätigkeit aufgegeben hat.
Positiv ist auch die Liquditätssituation zu vermerken. Zwar belaufen sich die liquiden Mittel (ohne Wertpapiere) lediglich auf 808.000 Euro, doch ist das bei einem Jahresumsatz zwischen vier und fünf Millionen Euro im Prinzip ausreichend. Außerdem hat das Unternehmen keine kurzfristigen Bankverbindlichkeiten.
Zukünftig will das Unternehmen Risikofaktoren der Vergangenheit möglichst ausmerzen. So sollen Austrittsbarrieren erhöht werden, vor allem aber Mitgliedsverträge von Dollar auf Euro umgestellt werden. Außerdem sollen Gespräche zum Aufbau strategischer Allianzen vorangetrieben und operative Produkte entwickelt werden.
Bewertung fast noch moderat
Auch wenn sich die Ertragswende abzeichnet, so stellt sich doch die Frage nach Zukunftsperspektiven. Sonderlich konkret ist auch der Ausblick des Unternehmens nicht. Die sogenannte Lifestyle-Hotellerie ist eine Marktnische, die sich unter stabilen weltpolitischen und wirtschaftlichen Bedingungen am besten gedeiht und sich vor allem an eine qualitätsorientierte Kundschaft in reiferen Volkswirtschaften richtet, die auf der Suche nach dem „besonderen” Erlebnis ist, weil das Reisen allein nicht mehr genug Anziehungskraft besitzt. Hier macht es aber die schwache wirtschaftliche Entwicklung, gerade in Europa, aber fraglich, ob der Trend in den nächsten Jahren die nötige Breitenwirkung wird entfalten können.
In den Schwellenländern dürfte dagegen einfach das Interesse fehlen, da dort eine zahlungskräftige gehobene Mittelschicht erst im Entstehen inbegriffen ist und diese noch andere Statussysmbole hat als das besondere Reiseerlebnis.
Ertragsprognosen für die Design Hotels AG gibt es nicht. Indes erscheint die Aktie bei einer Marktkapitalisierung von 7,8 Millionen Euro und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 1,74 zwar nicht exorbitant teuer, aber dennoch angesichts der Unsicherheit über die Zukunft recht hoch bewertet.
Die IFA-Hotelkette etwa kommt auf ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,5. Demgegenüber wird der Internet-Reiseanbieter Travel24.com mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 3,5 gehandelt, ganz zu schweigen von Expedia, die auf ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von über 1.000 kommen. Unter diesen Umständen ist Design Hotels regelrecht interessant.
Charttechnisch ist die Lage indes riskant. Nach dem Kursmassaker der Jahre 2000 und 2001 und einer Seitwärtsphase lief die Aktie zwsichen Januar 2004 und Anfang diesen Monats nach oben, wobei sie sich von rund zehn auf rund 40 Cents vervierfachte. Seitdem aber ist der Kurs explodiert und hat sich verdoppelt. Damit hat das Papier enormes Rückschlagspotential aufgebaut. Hingegen ist der Weg nach oben an für sich offen. Insgesamt also ein ausgesprochen spekulatives Papier, daß nur für Anleger geeignet ist, die auch mit einem Totalverlust der Anlage leben können.