...gehe ich davon aus, dass 2016 für die Ölpreisentwicklung ein trübes Jahr werden wird, einfach ob des Umfeldes aus Überproduktion / einer sich abschwächenden Nachfrage.
In früheren Jahren in welchen die Nachfrageseite schwächelte wurde seitens der OPEC mit dementsprechenden Förderkürzungen reagiert, dem ist derzeit nicht der Fall. Das die OPEC (speziell Saudi Arabien) keine Kürzung der Förderquoten in Betracht zieht / vornimmt hat primär drei Gründe:
1. Wirtschaftliche (dies mag jetzt paradox klingen): der Kampf um Marktanteile (v.a. ggü. den Frackingunternehmen)
2. Politische: Der Ölpreis wird instrumentalisiert um seinen Feinden zu Schaden -> v.a. hinsichtlich des Iran, mit welchem die Saudis eine gewisse Feindschaft pflegen (historische und religiöse Gründe), es sich jedoch abgezeichnet hat, dass die Sanktionierung des Iran nun -Schritt für Schritt- aufgehoben wird -> der Iran kehrt als Ölexporteur wieder vollumfänglich an den Markt zurück.
3. Eine Änderung in der Stuktur auf der Nachfrageseite: zum einen sind die Amis über das Fracking als Käufer vom Markt verschwunden, zum anderen wird (wenn auch zu einem relativ kleinen Teil) Öl substituiert (Recycling von Kunststoffen, Technologien welche den Ölverbrauch reduzieren), hinzu kommt das bisherige "Großeinkäufer" (v.a. Schwellenländer) aktuell über die wirtschaftliche Entwicklung von der Tendenz her weniger nachfragen, und die Nachfrage das derzeitige Überangebot nicht auffangen kann.
Diese Gemengelage wird weiterhin den Ölpreis belasten, jedoch nicht auf Dauer, denn zum einen wird -früher oder später- eine (relativ) umfassende Marktbereinigung einsetzen, dies sollte die Angebotsseite "entlasten", zum anderen führt die derzeitige Situation -auf breiter Front- zu Investitionskürzungen so das -nachgelagert- (auf längere Sicht) ein Rückgang der Förderung zu erwarten ist.
Ebenfalls berücksichtigen sollte man den Umstand, dass der niedrige Ölpreis neben der Ölindustrie / den Förderländern auch den Sektor der erneuerbaren Energien belastet, so das der hier bemerkbare Effekt des Substituierens von Öl einfach aufgrund der Preislage ausgebremst wird.
Last but not least sind die Staatsfinanzen der "üblichen Förderländer" ebenfalls dem Sog des fallenden Ölpreises ausgeliefert -> massive Einnahmeausfälle machen sich bemerkbar, jedoch wird in vielen Förderländern recht feudal mit den Einnahmen umgegangen (Staatsapparat, Sozialleistungen, Subventionen), so das eine dauerhaft niedriger Ölpreis -über kurz oder lang- zu drastischen Ausgabenkürzungen (in den vorgenannten Bereichen) zwingen würde, selbiges würde -ebenfalls über kurz oder lang- die betreffenden Länder innenpolitisch destabilisieren, daran kann jedoch auf Seiten der Regierungen / Monarchien niemand ein Interesse haben...
In Summe betrachtet komme ich zu dem Ergebnis, dass der Ölpreisverfall nicht von dauer sein wird, jedoch sollte man sich darüber im klaren sein, dass wir hier (bei den Faktoren welche letztlich den Preis stabilisieren werden) von längeren Zeiträumen sprechen (bestenfalls: Monate, mit großer Wahrscheinlichkeit jedoch eher Jahre), denn zunächst muss eine Marktbereinigung hervorgerufen werden und sich im Nachgang auch die Investitionskürzungen bemerkbar machen...