Commerce One: \"Es kann nur nach oben gehen\"
w:o-Interview mit Klaus Blaschke, Europa-Chef des amerikanischen Software-Anbieters
Auch der Anbieter von Business-to-Business-Software (B2B), Commerce One, hat im Abwärtstrend der vergangenen Monate ordentlich Federn lassen müssen. Dennoch finden viele Analysten das Geschäftsmodell des Unternehmens immer noch überzeugend. w:o sprach mit Klaus Blaschke, dem General-Manager für Zentral-Europa, über die jüngsten Quartalszahlen und darüber, wann die Gewinnschwelle erreicht wird.
w:o Herr Blaschke, Commerce One hat für das erste Quartal die Erwartungen erfüllt, aber letztlich war es doch enttäuschend. Die Prognosen sind zuvor deutlich gesenkt worden. Ist die B2B-Blase geplatzt?
Blaschke Keiner ist völlig frei von den Marktentwicklungen, insbesondere in den USA. Ich denke, dass wir hier in Europa nach wie vor auf dem Wachstumspfad sind, den wir vorhatten. Das Ergebnis in Amerika ist so, wie dort insgesamt der Markt aussieht.
w:o Tatsache ist, dass die Verluste ausgeweitet wurden. Wann wird Commerce One schwarze Zahlen schreiben?
Blaschke Der Break-Even war einmal für das zweite, also das laufende Quartal geplant. Das haben wir jetzt ein bisschen nach hinten verschoben.
w:o Was heißt das konkret?
Blaschke Das heißt, dass wir davon ausgehen, mit dem Jahresabschluss die Gewinnschwelle erreichen. Wir sind im ersten Quartal mit den Prognosen sehr vorsichtig gewesen, und selbst wenn sich das Ergebnis nur mit dieser Geschwindigkeit entwickelt, dann schaffen wir das im vierten Quartal.
w:o Das heißt, es kommen auch keine Ergebniswarnungen mehr?
Blaschke Wenn die Amerikaner nicht noch etwas völlig Bodenloses anstellen, auf keinen Fall.
w:o Der Umsatzzuwachs gegenüber dem ersten Quartal 2001 mit über 300% sehr ordentlich. Wird es mit dreistelligen Wachstumsraten weitergehen?
Blaschke Auf das letzte Jahr bezogen sicherlich. Aber für uns ist noch entscheidender, wie das zweite Quartal im Vergleich zum ersten aussehen wird. Wenn ich die Auftragslage für Europa anschaue, habe ich ein gutes Gefühl. Unser Vorstandsvorsitzender Mark Hoffman sagt das gleiche für das Gesamtunternehmen.
w:o Hatte die Ergebniswarnung, die Sie Anfang April veröffentlicht haben, auch etwas mit ihrem Auto-Marktplatz Covisint zu tun?
Blaschke Überhaupt nicht. Die Projekte laufen alle so wie geplant. Das ist ein hochkomplexes Projekt, und das bleibt es, aber es gibt keine Anzeichen, dass es irgendwie am Wackeln wäre.
w:o Das heißt, die geplanten Firmen bleiben alle am Ball?
Blaschke Ja. Allerdings wird dabei häufig vermischt, dass die Teilnehmer von Covisint natürlich auch auf anderer Ebene agieren. So wie DaimlerChrysler Teilnehmer an Covisint ist, so ist Bosch mit einem eigenen Marktplatz unterwegs und Zulieferer für DaimlerChrysler.
w:o Könnte man diese weiteren Ebenen nicht auch in Covisint integrieren?
Blaschke Könnte man, aber da stellt sich die Frage, wie viel Komplexität Sie da noch reinbringen wollen, bevor Sie den nächsten Schritt machen. Unsere erste Priorität für dieses Jahr ist die Umsetzung, also die Marktplätze wirklich zum Laufen zu bringen.
w:o Wenn Covisint so gut läuft, woran liegt es dann, dass Sie das Ergebnis nach unten korrigieren mussten?
Blaschke Die gesamte Wirtschaftslage hat dazu geführt, dass Entscheidungen vertagt wurden. Außerdem neigen die Amerikaner zu einem Kollektiv-Kriseln. Wenn es einem schlecht geht, kommen zwei dazu, und plötzlich kriselt es überall. Dass die Wirtschaft nicht so weiterwachsen konnte wie im Jahr zuvor, das war wohl jedem klar. Aber dass man die Lage jetzt komplett umschreibt, das hilft niemandem.
w:o Ihren Konkurrenten Ariba hat es noch schlimmer erwischt. Im Unterschied zu Ihnen setzt Ariba auf einmalige Lizenzzahlungen, Sie werden am Umsatz Ihrer Marktplätze beteiligt. Hat Ihr Geschäftsmodell gesiegt?
Blaschke Wer zwei und zwei zusammenzählt, der merkt das. Unser Geschäftsmodell ist längerfristig angelegt. Die Anlaufkurve war bei uns etwas schwieriger zu nehmen, aber die Umsetzung funktioniert jetzt besser. Vor einem Jahr wurde unsere Übernahme des Service-Anbieters Appnet zum Teil heftig kritisiert. Aber dadurch haben wir die Consultants jetzt im Haus, die wir brauchen, um die Implementierung durchzuführen. Das ist der Unterschied zwischen Ariba und uns.
w:o Läuft die Entwicklung in Europa besser als in den USA?
Blaschke Ja, wesentlich besser.
w:o Wie sieht die Entwicklung insgesamt aus?
Blaschke Wir haben natürlich für die öffentlichen Marktplätze eine gewisse Sättigung erreicht, aber das wussten wir schon vorher. Deshalb geht es jetzt mehr darum, weitere Teilnehmer an die Marktplätze anzubinden. Das ist sehr beratungsintensiv und eben nicht das schnelle Lizenzgeschäft. Das zweite ist die Zusammenarbeit mit SAP, die jetzt beginnt, voll zu greifen. Wir entwickeln Private Exchanges, das sind Plattformen, über die ich verschiedene IT-Infrastrukturen mit der externen Welt anbinde. Da ist übrigens eher I2 Technologies unser Konkurrent. Und da spielt die Zukunftsmusik. Vor allem das letzte Quartal 2001 wird zeigen, ob diese neue Plattform wirklich schon das große Wachstum bringt.
w:o Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit SAP?
Blaschke Wesentlich besser als das, was ich persönlich erwartet habe. Das sind natürlich zwei Welten: Ein sehr großer Player und wir aus der New Economy, aber das hat sich hervorragend eingespielt.
w:o Die weitere Entwicklung von Commerce One hängt auch wesentlich von der US-Konjunktur ab. Schlittern wir dort in eine Rezession?
Blaschke In Amerika sind die auf dem besten Weg dazu. Aber die Interpretationen gehen weit auseinander. In Deutschland hingegen glaube ich, dass wir besser dastehen, als das Bild zeigt, das derzeit vermittelt wird.
w:o Gerade Aktionäre von Commerce One sind in den vergangenen acht oder zehn Monaten bitter enttäuscht worden. Es ging von 80$ im September auf gut 5$ in den Keller. Im Nachhinein betrachtet: War Commerce One im September zu hoch bewertet?
Blaschke Da muss ich mich der Realität beugen. Bei dem Kursverlust muss es wohl damals zu viel gewesen sein. Das ist die normative Kraft des Faktischen. Aber damals haben ja auch die Analysten mit völlig anderen Maßstäben gemessen. Und diese Maßstäbe gelten nicht mehr, vielleicht ist das auch besser so. Jetzt müssen wir uns wieder an traditionellen Bewertungskriterien messen lassen.
w:o Und wenn Sie diese Kriterien anlegen: Was sagen Sie dann zum jetzigen Kurs?
Blaschke Wir haben den Bodensatz erreicht, da kann es nur nach oben gehen. Von dem gesamten Unternehmen her gibt es keinen Grund, etwas anderes anzunehmen.
Quelle: www.wallstreet-online.de
Gooooooooooood Traaaaaaaaaaaaades!!!
Julian700