"Im Dezember 2011 erhielt ich den Klöckner & Co SE Zwischenbericht. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon viel von dem in Duisburg ansässigen Unternehmen gehört. Anfangen konnte ich dennoch nichts mit dem Geschäftsmodell. Also begann ich den knapp dreißigseitigen Bericht zu durchforsten. Inzwischen bin ich seit zwei Jahren Aktionär und noch immer von Klöckner überzeugt. Die Gründe sind sehr vielseitige. Besonders hervorzuheben ist allerdings das Management" sagte ein Aktionär auf der letzten Hauptversammlung der Klöckner & Co SE zu ockham-research.info.
Klöckner ist einer der größten Stahlhändler Europas und mit einer Bilanzsumme von EUR 3.764 Mio. ein echtes Schwergewicht. Neben der Distribution (lat. Vertrieb) von Stahl möchte das Unternehmen in Zukunft aber auch in margenstärkere Bereiche vordringen. Die Umsetzung soll nach "KLC 6.0" (Abgeschlossene Restrukturierung) durch das Programm "Klöckner & Co 2020" erfolgen. Dieses setzt sich aus drei Bausteinen zusammen:
Wachstum und Optimierung
Differenzierung
Unterstützende Funktionen
Eine Umsetzung ist u.a. mittels Akquisitionen geplant. Im Blickpunkt sollten vor allem Unternehmen stehen, welche deutlich höherwertige Anarbeitung und Produkte anbieten. Der Anteil dieser Segmente soll somit von aktuell 30% auf 45% - bis 2017! - steigen.
Die Lieferkette - vom Lager bis zum Kunden - möchten die Duisburger deutlich effizienter gestalten. Eine Möglichkeit sieht man im Vertrieb von Stahl via Internet. Somit wird weniger an den Kundenwünschen vorbeiproduziert und entsprechende Lagerbestände verringert. Entsprechend sinkt auch das damit gebundene Kapital.
Ziel von "Klöckner & Co 2020" ist das Erreichen einer EBIT-Marge von 5%. Dies entspricht einer Wertsteigerung von 3% seit 2013.
Wer sich die Ziele des Managements anschaut, begreift schnell was das Unternehmen so interessant macht. Umso überraschender ist die schwach Kursentwicklung der Aktie. Seit 2011 verlor das Papier rund 20%.
Dabei sehen die derzeitigen Unternehmensdaten nicht einmal so schlecht aus. Der Absatz zog im dritten Quartal um 4,5% auf Tt. 1.690 Mio. an. Der Umsatz stieg mit 4,7% auf EUR 1.675 Mio. sogar noch etwas stärker. Für das Gesamtjahr rechnet KlöCo mit einem ähnlichen Wert wie in 2013. Mit einer EBIT-Marge von 3,5% (Vorjahr 2,3%) in Q3 erntet das Unternehmen die ersten Früchte von "KLC 6.0" und "Klöckner & CO 2020". Damit stärkt man auch die EBIT-Marge für das laufende Geschäftsjahr, welche sich bei aktuell 3,2% befindet. Das Ergebnis (Q3) entwickelte sich von EUR - 11,0 Mio. im Vorjahr auf EUR 15 Mio. Der Free Cashflow wuchs im letzten Quartal von EUR 33 Mio. auf EUR 44 Mio. Der Free Cashflow für 2014 ist mit EUR - 196 Mio. deutlich schwächer. Der Wert sollte sich aber bei steigender Nachfrage in 2015 respektive 2016 positiv entwickeln. Die Eigenkapitalquote änderte sich mit 39% nur minimal.
Für das entsprechend positive Ergebnis im Q3 ist vor allem das Segment Europa verantwortlich. Hier zog sowohl Umsatz als auch Absatz spürbar an. Zwar gab es zuletzt noch immer Absatzeinbußen in Frankreich und Spanien, diese wurden jedoch durch ein starkes Geschäft der Becker-Stahl-Service GmbH und der im April 2014 abgeschlossenen Übernahme der schweizerischen Riedo Gruppe kompensiert. Der Absatz im Segment Amerika schrumpfte leicht. Als Gründe nannte Klöckner hierfür den langen Winter in den USA, Konsolidierungseffekte von Standorten und den Abbau des niedrigmargigen Geschäfts.
Klöckner rechnet grundsätzlich mit einem stabilen Wirtschaftswachstum in 2015. Für das vierte Quartal sind die Aussichten für das Stahlgeschäft saisonbedingt schwach. Zudem nennt Klöckner die steigende Unsicherheit an den Europäischen Märkten als Anfälligkeitsfaktor. Weitere Probleme sieht das im MDAX gelistete Unternehmen in den USA. Hier geht man weiter von rückläufigen Stahlpreisen aus. "Das größte Problem von KlöCo ist die nach wie vor hohe Abhängigkeit des Unternehmens" sagt Manuel Markiewitz von ockham-reseach.info. "Der Aktienkurs entwickelt sich quasi eins zu eins mit dem Stahlpreis. Sollte dieser steigen, dürfter der Anteilsschein deutlich an Wert gewinnen. Vor allem aber sollte dann das Programm "Klöckner & Co 2020" Früchte tragen." mutmaßt ein Analyst.
Ähnlich urteilt auch Dirk Schlamp von der DZ Bank AG. Er sieht den fairen Wert der Aktie bei
EUR 11,50. Den Wert passte er allerdings an, da auch er von einer schwächeren europäischen Konjunktur ausgeht. Ingo-Martin Schachel, Analysten der Commerzbank AG, sieht den fairen Wert bei EUR 9,50 und empfiehlt den Anteilsschein daher zu halten. Auch andere Analysten empfohlen die Aktie zu halten bzw. zu kaufen. Grundsätzlich scheint man sich aber einig zu sein. Keiner der Banken riet seit Mitte Oktober 2014 zum Verkauf der Aktie.
Die Klöckner-Aktie ist eine Wette auf den Stahlpreis. Einziger Unterschied zur Konkurrenz ist ein gutes Konzept, ein starkes Management und stetige Innovationen. Sobald das Unternehmen den Anteil an margenstarken Geschäften gesteigert hat, sollte auch eine EBIT-Marge von 5% möglich sein. Mit dieser sollte das Unternehmen nicht nur schwarze Zahlen sondern auch einen positiven Cashflow erwirtschaften. Das die Klöckner & Co SE vermutlich bereits für das Geschäftsjahr 2014 eine Dividende von EUR 0,20 ausschüttet ist eine Belohnung für die geduldigen Aktionäre. Die Auszahlung sollte allerdings nicht überbewertet werden. Der Wert bleibt angesichts eines KBV-Verhältnisses von 0,60 (Buchwert: EUR 14,67) sehr interessant. Nicht zuletzt ist die Klöckner & Co SE ein typischer Übernahmekandidat.
Quelle: www.ockham-research.info