05. Februar 2003 Am deutschen Aktienmarkt gab es am Dienstag wenig zu ernten. Mit einem herben Tagesminus orientierte sich der Dax vielmehr wieder in Richtung Jahrestiefs. Dieses Niveau werde demnächst vermutlich auch endgültig erreicht, wenn sich abzeichnen sollte, dass es wie befürchtet zu einem baldigen Krieg gegen den Irak kommen wird. Als richtungsweisend wird in diesem Zusammenhang die am Nachmittag erwartete Rede von US-Außenminister Powell gewertet, in der er zum Vorwurf Stellung beziehen will, der Irak besitze Massenvernichtungswaffen. Im Vorfeld dieser Rede sei nicht mit Kaufbereitschaft unter den Anlegern zu rechnen, erklären Marktteilnehmer.
Rentenmarkt spielt sicherer Hafen
Der Rentenmarkt zeigte sich am Dienstag in sehr fester Verfassung. Der Bund-Future markierte mit einem Plus von 53 Basispunkten auf 115,39 Prozent ein neues Kontrakthoch. Das Segement habe von seiner Funktion als sicherer Hafen profitiert. Diese Rolle dürfte dem Rentenmarkt im Vorfeld der Powell-Rede und allgfemein schwacher Aktienmärkte weiterhin helfen, so Händler.
Euro wenig verändert
Der Euro zeigt sich am Mittwochmorgen gegenüber dem Dollar kaum verändert. Gegen 7.30 Uhr kostet die Einheitswährung 1,0886 Dollar nach Kursen von 1,0788 Dollar im späten New Yorker Handel am Dienstag. Die US-Devise notiert gegen den Yen bei 119,57 Yen nach einem Stand in New York von 119,68 Yen. Wie in allen Segmenten der Finanzmärkte warte man auch am Devisenmarkt darauf, was US-Außenminister Powell am Nachmittag zum Thema Irak zu sagen habe. Anleger verhielten sich angesichts der bevorstehenden Powell-Rede zurückhaltend, sagten Analysten. Sie wollten abwarten, ob der US-Außenminister Staaten wie Frankreich, Russland und China von der Notwendigkeit eines Militärschlags überzeugen kann. Ein Alleingang der USA in Irak werde den Dollar wohl weiter belasten, hieß es.
Aktienkurse in Japan freundlich
Die Börse in Tokio zeigte sich am Mittwoch in freundlicher Verfassung. Der Nikkei-225-Index stieg um 0,8 Prozent auf 8.550 Punkte. Der Topix-Index verbesserte sich um 0,1 Prozent auf 845 Zähler. Der Nikkei sei infolge positiver Konjunkturzahlen und den Aussagen der japanischen Regierung hinsichtlich einer kurzfristigen Erholung der Wirtschaft geklettert. Die jüngste Erholung der Wirtschaft dürfte jedoch wegen der anhaltenden Sorgen über die US-Konjunktur wahrscheinlich nicht nachhaltig sein, hieß es.
Börse Hongkong leichter
Leichter tendiert die Börse in Hongkong am Mittwochmittag. Zum Ende der ersten Sitzungshälfte verzeichnet der Hang-Seng-Index (HSI) ein Minus von 0,7 Prozent auf 9.188 Punkte. Das Volumen sei mit 3,18 Milliarden Hongkong-Dollar relativ dünn, heißt es. Nach Darstellung von Beobachtern geben die meisten Blue Chips nach. Zahlreiche Investoren würden vor der Rede von US-Außenminister Colin Powell vor dem UN-Sicherheitsrat in so genannte H-Aktien wechseln.
Nachbörsliche Entwicklungen am US-Aktienmarkt
Im nachbörslichen Geschäft zeigten sich die US-Aktienkurse am Dienstag praktisch unverändert. Der Nasdaq-100 After Hours Indicator notierte 0,01 Prozent höher bei 971,87 Punkten.
Die Aktien von Cisco Systems zeigten sich mit einer schwächeren Tendenz. Nach Bekanntgabe der Zahlen für das zweite Quartal nach Handelsschluss reduzierte sich der Kurs um ein Prozent auf 13,07 Dollar. Der Gewinn je Aktie lag mit 0,14 Dollar zwar um 0,01 Dollar über den Prognosen der Analysten, aber die Einnahmen lagen mit 4,7 Milliarden Dollar leicht unter den Erwartungen. Mit einem Kursplus von 4,1 Prozent auf 32,02 Dollar zeigten sich dagegen die Aktien von Computer Sciences bevor sie vom nachbörslichen Handel ausgesetzt wurden. Das Unternehmen hat Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt. Hier wurden die Prognosen der Analysten mit einem Gewinn je Aktie von 0,61 Dollar um 0,01 Dollar übertroffen.
Centillium Communications brachen nachbörslich um 29,6 Prozent auf 2,30 Dollar ein. Das Unternehmen gab für das vierte Quartal einen Verlust je Aktie von 0,30 Dollar bekannt, nach 0,12 Dollar im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Analysten hatten mit einem Verlust je Aktie von 0,16 Dollar gerechnet. Dagegen legten die Titel von WebEx Communications um 5,1 Prozent auf 11,30 Dollar zu. Das Unternehmen rechnet im ersten Quartal mit einem operativen Gewinn von 0,11 Dollar und im Gesamtjahr 2003 mit 0,50 bis 0,55 Dollar. Analysten hatten für das erste Quartal ebenfalls mit 0,11 Dollar gerechnet, für das Gesamtjahr allerdings nur mit 0,51 Dollar.
AIG-Rückstellung und Kriegssorgen belastet US-Börsen
Die Ankündigung einer milliardenschweren Rückstellung in der Bilanz des US-Versicherungskonzerns AIG und verstärkte Kriegsängste im Vorfeld der Rede von US-Außenminister Colin Powell vor dem UNO-Sicherheitsrat haben die US-Börsen am Dienstag belastet. Händler sagten, die Anleger befürchteten, dass die Probleme von AIG auch andere US-Versicherer treffen könnten.
Der Dow-Jones-Index fiel zum Handelsschluss um 1,19 Prozent auf 8.013,29 Punkte. Der Nasdaq-Composite verlor 1,34 Prozent auf 1.306,15 Zähler und der breiter gefasste S&P-500-Index 1,41 Prozent auf 848,20 Punkte.
Die Investoren fürchten, dass ein Irak-Krieg steigende Ölpreise nach sich zieht und die ohnehin nur zaghafte Erholung der US-Wirtschaft gefährdet. Dies würde auch die Gewinnentwicklung der Unternehmen beeinträchtigen, sagten Analysten. Powell will am Mittwoch vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UNO) Beweise vorlegen, dass Irak die UNO-Abrüstungsvorgaben nicht erfüllt. „Die Furcht vor dem, was im Nahen Osten passieren könnte, nimmt zu", sagte A.C. Moore, Chefstratege bei Dunvegan Associates. „Diese Volatilität und Marktschwäche dürfte bis zu einer Lösung auch anhalten.“
Die Unsicherheit der Anleger sei durch die Ankündigung von AIG verstärkt worden, sagten Händler. „Die Kriegsängste dominieren das Geschäft, und diese Unsicherheit belastet die Anleger. Und während sie warten, lässt AIG eine Bombe platzen", sagte Dan Goldstein, Händler bei der Investmentfirma Ehrenkrantz King Nussbaum. John Gilette von Lazard Freres fügte hinzu: „AIG ist mehr als ein richtungweisendes Unternehmen, es spiegelt den Zustand der weltweiten Konjunktur wider, und wenn es dort heißt, es gibt Probleme mit der Bilanz, stellt das die Bewertungen überall in Frage.“
AIG legt eigenen Angaben zufolge 3,5 Milliarden Dollar vor Steuern und Rückversicherung auf die Seite, um damit die seit sechs Jahren explodierenden Kosten für Abfindungen für Mitarbeiter und Haftpflichtversicherungen für Manager zu decken. Dieser Deckungsanstieg werde das AIG-Ergebnis im vierten Quartal mit 1,8 Milliarden Dollar nach Steuern belasten. Der AIG-Aktienkurs brach um rund 6,6 Prozent auf 51,70 Dollar ein. Die Titel waren der umsatzstärkste Wert an der New Yorker Börse. Die Papiere des US-Versicherers Chubb Corp fielen um rund 5,4 Prozent auf 51,60 Dollar, die Titel von ACE um rund fünf Prozent auf 28,25 Dollar und die Aktien von Travelers Property Casualty um rund 3,4 Prozent auf 15,60 Dollar.
Die Titel des US-Netzwerkausrüsters Cisco Systems verloren im Vorfeld der nach US-Börsenschluss erwarteten Quartalszahlen rund zwei Prozent auf 13,20 Dollar und waren der umsatzstärkste Wert an der Nasdaq. Händler sagten, die Anleger rechneten zwar damit, dass der Konzern im abgelaufenen Quartal die Prognosen erfüllt habe. Allerdings werde von dem Konzern ein verhaltener Ausblick für das im April zu Ende gehende Quartal erwartet.
Die Aktien des Dow-Wertes General Electric gaben rund 2,5 Prozent auf 23,05 Dollar nach. Der Mischkonzern hatte von der britischen Bank Abbey National einen Großteil von deren Tochterunternehmen First National für umgerechnet rund 1,39 Milliarden Dollar übernommen.
US-Anleihen schließen fester
Die US-Anleihen haben sich am Dienstag im späten New Yorker Geschäft mit einer festeren Tendenz gezeigt. Zehnjährige Titel mit einem Kupon von vier Prozent gewannen 17/32 auf 100-17/32 und rentieren mit 3,931 Prozent, nach 3,992 Prozent am Montag. Der Longbond mit einer Zinsausstattung von 5,375 Prozent erhöhte sich um 23/32 auf 108-29/32 und bot eine Rendite von 4,791 Prozent, nach 4,836 Prozent am Montag. Die schwache Entwicklung an Wall Street hätte den Anleihemarkt unterstützt, sagte ein Marktteilnehmer. Die Aktienmärkte waren im Verlauf unter wichtige Marken gefallen, konnten diese aber bis zum Handelsende wieder überwinden.
Dazu kam die Zurückhaltung im Vorfeld der mit Spannung erwarteten Rede von US-Außenminister Colin Powell vor dem UN-Sicherheitsrat am Mittwoch. “In meinen Augen befindet sich der Markt seit Oktober des vergangenen Jahres in der gleichen Handelsspanne“, sagte Bill Hornbarger von AG Edwards. Die am Mittwoch bevorstehende Quartalsrefundierung stand ebenfalls im Fokus des Anlegerinteresses. Es wird mit einem Volumen von rund 24 Milliarden Dollar bei fünfjährigen Anleihen und 20 Milliarden Dollar bei zehnjährigen Papieren gerechnet. Die am Berichtstag veröffentlichten US-Konjunkturdaten, der Auftragseingang der Industrie für Dezember, hatten dagegen nur wenig Einfluss auf den Markt, hieß es weiter.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters.
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Text: @cri