nun muss ich doch auch meinen Senf dazu beitragen, obwohl ich einige Zeit nur still mitgelesen habe.
Ich halte die Ansichten von MM41 - so sehr ich die dahinter stehenden Wünsche nachempfinden kann - in vielen Punkten für allzu blauäugig. Öl und Gas wird sich in den nächsten Jahren nur schwer in der Energieerzeugung ersetzen lassen. Die Ersatztechnologien sind hierzu (noch) nicht reif genug. Vor allem aber steigt der Energiebedarf des Menschen zu schnell. Ob sie bis 2025 (wie offenbar in Schweden angenommen wird) Marktreife haben werden... ich weiß es nicht, habe aber einige Zweifel. Auch und vor allem, weil politisch gerade auch in Deutschland immer noch nicht konsequent genug an der Umsetzung einer Energiewende gearbeitet wird. Diese Entwicklung (oder Nicht-Entwicklung) allein auf Lobbying zurückzuführen würde sicher zu kurz greifen, da beide Seiten diesbezüglich ziemlich aktiv unterwegs sind). Das sieht man ja auch hier im Forum schön.
Die Batterietechnik ist aktuell sicher noch nicht ausgereift genug. Reichweiten von (idealerweise!) 100-200km, die im Winter leicht noch deutlich sinken können, machen eAutos derzeit noch (!?) nicht alltagstauglich. Ob wirklich die Brennstoffzelle die Lösung ist, weiß ich auch nicht. Kann es mir gut vorstellen. Aber spätestens wenn da erste Unfälle passieren (und Wasserstoff und Luft ergeben bekanntlich eine explosive Mischung), wird eine Sicherheitsdiskussion losgehen. eAutos haben diesbezüglich den Nachteil, dass bei Unfällen schon vorgekommen ist, dass Rettungskräfte durch Stromschläge verletzt wurden. Also auch da gibt es offene Baustellen.
Was die (Weiter-)Entwicklung neuer Batteriekonzepte angeht: Derzeit werden erfolgreich Lithium-Luft-Batterien getestet. In diesen werden weit höhere Speicherdichten erreicht (etwa ein Faktor 50), als in Lithium-Ionen-Batterien. In der Konsequenz wird bei gleicher Masse der Batterien eine viel größere Reichweite der eCars erreicht. Allerdings sind die Teile noch immer sehr teuer (da reines Gold für die Kathoden verwendet werden muss).
Was das Thema "Elektrifizierung ist Ideologie" angeht. Dieser Beitrag ist der eigentliche Grund, warum ich mich zu einer Antwort hinreißen ließ, denn einige der dort gebrachten Argumente kann man so nicht stehen lassen.
1. Der Ausstoß von NOX aus Kraftwerken ist erheblich geringer, als bei PKW, da bei modernen Kraftwerksanlagen (auch bei entsprechenden Kohlekraftwerken!) umfangreiche Filtersysteme nachgeschalten sind, welche die Stickoxide nahezu vollständig filtern. Solange also man nicht annimmt, dass Braunkohle in 50iger Jahre Kraftwerken verfeuert wird, sind die NOX-Abgase deutlich reduziert gegenüber PKW. Selbst CO2 wird teilweise in Calciumhydrogencarbonat gebunden und so gefiltert.
2. Die Behauptung, dass Solarzellen und Windkraftanlagen wenig effizient sind, stimmt eingeschränkt schon. Allerdings werden die "Rohstoffe" für beide Anlagen gratis und vor allem ohne Umweltverschmutzung "bereitgestellt". Somit ist die Effizienz der eigentlichen Bauteile von untergeordneter Bedeutung, wenn sie nur lang genug funktionieren - und das tun sie definitiv! Darüber hinaus gibt es bei den Solarzellen (ich kenne mich nur bei denen aus, nicht bei Windkraftanlagen) eine enorme Entwicklung in den letzten Jahren. Die Effizienz ist seit 2005 von ca. 5% auf (im experimentellen Stadium in Labor-Aufbauten) auf knapp 25% gestiegen. Einen nächsten großen Entwicklungsschritt versprechen Multiphoton-wellenlängen konvertierende Kristalle, welche die Effizienz theoretisch auf knapp 40% heben können. Das bleibt sicher spannend. In Summe kann man also sagen, dass die Aussagen zu den Einsatzbereichen von Solar und Windkraft sicher nicht zutreffen. Darüber hinaus gibt es Beispiele (z.B. Österreich), die einen Großteil ihrer Energie aus erneuerbaren Quellen gewinnen. Die Aussage, dass die Energiewende also prinzipiell nicht möglich ist (oder wenn, dann nur mit Kernkraftwerken) stimmt daher wohl nicht.
3. Es stimmt, dass ein Großteil der Energiewende aber nicht in Europa (und schon gar nicht in Mittel- oder Nordeuropa) stattfinden wird können. Anstatt dies jedoch als großes Manko darzustellen, sollte man vielleicht mal über die Chancen nachdenken, die sich daraus ergeben. Die Entwicklung neuer auf Gleichspannungen basierender Hochspannungsleitungen wird den Energietransport auch über große Strecken zunehmend effektiver erlauben. Wenn man beispielsweise in Nordafrika Solaranlagen realisieren würde, könnte man damit einerseits die Energieproblematik für Europa entspannen. Gleichzeitig kann man durch die wirtschaftliche Entwicklung Nordafrikas den Migrationsdruck auf Europa deutlich senken. Und die politische Lage in Nordafrika kann deutlich stabilisiert werden. Und zu guter letzt: Wenn diese Kraftwerke in Kooperation mit Europa realisiert werden: wo wird dann wohl die Technologie dafür herkommen? Insgesamt ergibt sich damit eine Win-Win-Situation für Nordafrika und Europa. Wichtig in der Argumentation ist: nicht der gesamte Strom für Europa wird in Nordafrika produziert. Das ganze ist als Ergänzung (!) zu sehen!
4. Die Aussage "wird die meisten später erstaunen aber auch nicht groß jucken, weil der CO2 Schwachsinn spätestens dann wieder als Ideologie entlarvt sein wird, wenn die Temperaturen wieder fallen." weist den Autoren leider als nicht up to date aus - irgendwie sind da die letzten 15 Jahre Forschung an der Person vorbeigegangen. Vor allem sagen Klimaforscher auch nicht (!) voraus, dass es mit den lokalen Temperaturen stetig aufwärts geht - lokal können die Anstiege teilweise stark schwanken - aber das kann man ja mal in einem anderen Beitrag ausführen. Allein dieses Argument von lumpensammler entlarvt den Beitrag und die vorgebrachten Argumente leider als ideologisch motiviert (also genau dem, was er der Elektrifizierung des Verkehrs vorwirft). Eigentlich erstaunlich, dass es 2016 immer noch Menschen gibt, die so denken...
5. Alternative Energiequellen sind nichtsdestotrotz durchaus auch kritisch zu hinterfragen. Zum einen haben auch alternative Energiequellen umwelttechnisch negative oder unzureichend untersuchte Nebeneffekte. Solaranlagen ändern die lokale Albedo. Es ist unbekannt, welche Auswirkungen große Anlagen aufgrund dieses Effektes auf das lokale (oder darüber hinaus?) Klima haben. Windkraftanlagen ändern Mikroströmungen in der Atmosphäre. Auch hier ist wenig untersucht, welche Auswirkungen dies auf das Klima hat. Darüber hinaus beeinflussen Windkraftanlagen nachgewieser maßen das Verhalten von Vögeln und es kommt immer wieder zu Todesfällen von Tieren (vermutlich aufgrund der von den Windkraftanlagen erzeugten Infraschalls). Wie man dies vermeiden kann, ist Gegenstand aktueller Forschung.
Viel schwerer wiegt aber ein Einwand, der sich nur durch rigorose Reduktion der benötigten Energiemengen abschwächen lässt: Die Trennung der Lokalität von Energieerzeugung und Energieverbrauch (also beispielsweise Energieerzeugung in Nordafrika, Verbrauch in Europa oder Energieerzeugung durch Wind in der Nordsee, Verbrauch in Bayern) ändert die Energieverteilung auf der Erde. Die Auswirkung einer solchen Änderung der Energieverteilung in großen Maßstab ist vollkommen unklar. Dass die Konsequenzen gravierend sein können, kann man sich leicht überlegen: Man stelle sich einfach vor, dass in der Sahara Strom produziert wird, der ausschließlich dazu verwendet wird, die Arktis aufzuheizen. Dass dies zu globalen Auswirkungen führt, ist wohl jedem einsichtig. Meines Wissens gibt es aber zu dem Umverteilungsproblem bisher nur unzureichende Untersuchungen. Übrigens: das Problem ist unabhängig vom betrachteten Energieträger, sollte also selbst für den Fall dass fossile Energieträger schnell untersucht werden.
LokivonAsgard