"Ölkonzerne Adnoc und OMV bilden neuen Chemie-Giganten
Die Araber und Österreicher verwandeln ihre Partnerschaft in ein fusioniertes Unternehmen. Als Nächstes könnte Adnoc in Deutschland zugreifen – womöglich gleich bei zwei Konzernen.
Bert Fröndhoff
14.12.2023 - 16:02 Uhr aktualisiert
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Seit September verhandeln die Araber dazu auch über einen Kauf des deutschen Kunststoffherstellers Covestro. In Finanzkreisen hieß es am Donnerstag, das Interesse von Adnoc an dem Dax-Konzern sei weiterhin hoch. Das Projekt werde unabhängig von OMV verfolgt.
Allerdings seien die Gespräche mit dem Covestro-Management noch immer nicht weit fortgeschritten. Die Verhandlungen könnten jetzt aber an Dynamik gewinnen, da das Projekt mit OMV festgezurrt sei, hieß es.
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Den Kreisen zufolge will Adnoc 11,6 Milliarden Euro für Covestro zahlen, also rund 60 Euro pro Aktie. Aktuell notiert die Aktie bei 52 Prozent. Es wird erwartet, dass der Preis noch steigt, etwa im Zuge der Prüfung der Geschäftsbücher (Due Diligence). Analysten rechnen mit Werten zwischen 63 und 68 Euro pro Aktie.
Allerdings liege Covestro weiterhin kein konkretes Übernahmeangebot der Araber vor, sagt ein Insider. Wäre dies der Fall, müsste der deutsche Konzern gemäß Publikationspflicht darüber umgehend die Öffentlichkeit informieren. Adnoc habe keine Eile und mache aktuell auch keinen Druck in den Gesprächen, heißt es.
Schon die Verhandlungen mit OMV haben sich ein Dreivierteljahr hingezogen. Eine tiefgehende Due Diligence habe es bei Covestro noch nicht gegeben, hieß es in Finanzkreisen. Das wäre auch erst nach Bekanntgabe einer konkreten Übernahmeofferte möglich.
Adnoc nahstehende Insider dementierten am Donnerstag erneut, dass auch Covestro nach einer erfolgreichen Übernahme in den neu entstehenden Petrochemie-Konzern eingegliedert werden soll. Dieses Gerücht hält sich in der deutschen Chemieindustrie hartnäckig.
Dagegen spricht: Die Produktionsketten sind sehr unterschiedlich. Die Deutschen sind marktführend bei harten und weichen Schäumen (Polyurethan) und in der Spezialchemie etwa bei Beschichtungen tätig.
Allerdings gibt es auch Schnittmengen bei den Kundenindustrien beider Konzerne, wozu etwa Healthcare, Energietechnik und Konsumgüter zählen.
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Die Strategie des Staatskonzerns aus Abu Dhabi hat drei Stoßrichtungen: Adnoc will stärker auf der nächsten Veredelungsstufe des Rohstoffs Öl präsent sein, also in der Chemie.
Zugleich wollen sich die Araber den Zugang zu moderner Chemietechnik für Recycling- und Kreislaufwirtschaft sichern, also einer Produktion mit erneuerbaren Rohstoffen. Und das soll mit dem Aufbau eines globalen Chemie-Netzes einhergehen.
Diesen Anspruch erfüllen nahezu allen genannten möglichen Übernahmeziele von Adnoc. Covestro ist einer der technologischen Marktführer beim Einsatz von CO2 und anderen erneuerbaren Rohstoffen sowie im Kunststoff-Recycling. Der Leverkusener Konzern will langfristig komplett weg vom Öl als Rohstoff...."
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