Der Link dazu:
www.mittelstand-nachrichten.de/...frankfurt-oder-20110829.html
("Produktion von Wafern und Zellen soll eingestellt werden")
Nun ja langsam wirds konkret was ich schon seit über einem Jahr schreibe, dass Conergy die Zellproduktion einstellen muss um überhaupt ein Fünkchen an Überlebenschance zu haben. Dabei wird es Conergy wohl Q-Cells gleich tun und die Modulproduktion ausbauen bei gleichzeitiger starker Reduktion der Zellproduktion (bei Conergy wird wohl die Zellproduktion komplett eingestellt werden) um damit so wenig wie möglich an Arbeitsplätzen abbauen zu müssen, denn sonst müssen Subventionen zurückbezahlt werden. Konnte man auch erwarten, zumindest für diejenigen die Ahnung haben was in der Solarbranche wirklich abgeht.
Dieser Schritt hätte spätestens schon vor einem Jahr erfolgen müssen meiner Meinung nach. Ich habs ja immer schon mal erwähnt die Frankfurter Zellproduktion ist zu klein, veraltet und hinkt technologisch hinter der Konkurrenz hinterher wie der Zellwirkungsgrad mit gerade mal 17,5% zeigt.
Neben der Restrukturierung der Frankfurter Produktion muss Conergy auch dringend in der Verwaltung was stellentechnisch unternehmen. Habs auch mehrmals schon angeführt, dass die Kostenstruktur der Holding alles andere als gut ist. Mit einer Rohertragsmarge von 19% sollte ein Unternehmen dann schon fähig sein zumindest auf Nettobasis ein ausgeglichenes Ergebnis ausweisen zu können. Tut aber Conergy nicht wie die letzten zwei Quartale deutlich aufzeigten.
Man kann mal gespannt sein wer diese Restrukturierung bezahlt, denn Conergy wird das mal sicher nicht aus ihrem operativen Geschäft heraus bezahlen können und von der vorhandenen Liquidität mit knapp 30 Mio. € auch nicht, denn die wird man dazu benötigen um die laufende Kosten bezahlen zu können und Projekte müssen auch irgendwie vorfinanziert werden. Denke mal, dass Conergy so gut wie keine Chance hat über Banken an neue Kredite ran zu kommen.
Jedoch macht sich Conergy mit diesem Schritt etwas hübscher und interessanter für einen neuen Partner, denn ohne Frage Conergy hat einen guten Vertrieb und verfügt auch immer noch über einen guten Namen und so könnte man auch die höheren Modulkapazitäten verkaufen. Vorallem Zellproduzenten wie JA Solar oder eine Gintech, um nur mal zwei große Zellproduzenten zu nennen, könnten durchaus Interesse haben einen großen Abnehmer für ihre Zellen zu haben, denn vorallem die voll vertikal integrierten PV-Unternehmen wie Yingli oder eine Trina Solar machen den Zellproduzenten durch den massiven Fertigungskapazitätsausbau und durch ihre sehr günstigen Produktionskosten immer mehr zu schaffen. So ist ja z.B. der taiwanesische Zellproduzent Sunrise im letzten Jahr in einen italienischen Modulproduzenten eingestiegen umso Teile seiner Zellproduktion an den Mann zu bringen. Ebenso könnte ich mir vorstellen, dass der taiwanesische Elektronikkonzern AUO (AU Optronics Corporation) durchaus Interesse an Conergy haben könnte. AUO ist derzeit sehr aktiv um ihr noch kleines Solargeschäft auszubauen. So baut die AUO derzeit zusammen mit Sunpower eine 1,4 GW Zellfabrik in Malyasia, hat den japanischen Polysilziumproduzenten M.Setek gekauft, baut derzeit eine Wafer- und eine Modulproduktion in China und baut in Tschechien ihre relativ kleine Modulproduktion gerade aus (von 50 MW auf ca. 100 MW). Zudem will die AUO ihr Solargeschäft sehr wahrscheinlich noch in diesem Jahr ausgliedern und an die Börse bringen. Da könnte eine runderneuerte Conergy schon dazu passen und die AUO hätte auch genügend Geld um bei Conergy einsteigen zu können oder auch ganz zu kaufen. Außerdem stellt AUO auch Wechselrichter her und hat auch schon kleinere PV-Kraftwerke gebaut. Da würde Conergy schon dazu passen ohne Frage und würde AUO Solar ein gutes Stück nach vorne bringen.
Die Frage bei einem Einstieg eines asiatischen PV-Unternehmen stellt sich dann halt wie der geschehen soll. Kann im Prinzip eigentlich nur durch ein neuerliche Kapitalerhöhung erfolgen, denn irgendwie will ja der neue Partner an Conergy beteiligt sein und Conergy braucht Geld um diese Restrukturierung überhaupt bezahlen zu können, oder Conergy wird komplett aufgekauft.
Die Restrukturierung wird nicht gerade billig. Denn erstens muss die Zellproduktion abgebaut und wohl verschrottet werden bis auf die Roboter, die neue Modulproduktion muss bezahlt werden (100 MW kosten ca. 15 bis 20 Mio. €), bei der neuen Modulproduktion würden Überbrückungs- und Anlaufkosten entstehen und auch die Entlassung von rd. 200 Mitarbeiter kostet Geld. Auch der Wafervetrag mit MEMC könnte die eine oder andere Mio kosten, wenn man ihn auflösen muss. 40 bis 60 Mio. € würden da wohl locker zusammen kommen ohne Abschreibungen, denn die wird man bei der Zellproduktion sicher vornehmen müssen.
Es wird jedenfalls interessant werden in den nächsten paar Wochen was bei Conergy passiert. Habe es aber schon am Samstag geschrieben, bevor die ganzen Restrukturierugen nicht durch sind, vor allem der Arbeitspaltzabbau, wird meiner Meinung niemand bei Conergy einsteigen bzw. komplett übernehmen, denn niemand will der Buhmann sein. Ist gerade in einer ökologsichen Branche nicht gerade sehr vorteilhaft im Zusammenhang mit einem größeren Arbeitsplatzabbau genannt zu werden. Schadet nur dem Markennamen.