manager-magazin.de, 20. Juli 2006, 14:44 Uhr
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UNICREDIT
Ein Italiener und der deutsche Bankenmarkt
Von Rita Syre
Kaufen, restrukturieren und rationalisieren - mit dieser Strategie hat Alessandro Profumo Unicredit zur profitabelsten Großbank Italiens geschmiedet. Derzeit trimmt er die HypoVereinsbank auf Rendite. Und schaut sich bereits nach neuen Übernahmemöglichkeiten um.
Frankfurt am Main - Alessandro Profumo wartet auf eine "Gelegenheit". Dann wird er zugreifen. Allerdings nicht unkontrolliert, sondern kalkuliert. Deshalb hat der Chef der italienischen Großbank Unicredit kürzlich bei der Berliner Bank abgewunken.
680 Millionen Euro will die Deutsche Bank für das Berliner Institut mit seinen 320.000 Kunden bezahlen. "Dieser Preis ist zu hoch", urteilte der Banker aus Genua vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. Er sei nicht bereit, das Fünf- bis Sechsfache des Buchwertes zu zahlen.
"Kaufen um des Kaufens willen ist nicht der Name des Spiels", fügte er hinzu. Deshalb habe sich die Unicredit-Tochter HypoVereinsbank (HVB) auch im Bieterkampf um die 98 Filialen der Nürnberger Norisbank mit ihren 340.000 Kunden zurückgezogen, obwohl die Stärkung des Konsumentenkreditgeschäfts wie die Vermögensverwaltung in Deutschland ganz oben auf seiner Liste steht.
Doch spätestens im nächsten Jahr wird dann das Rennen um die Bankgesellschaft Berlin gestartet. Sie steht dann zum Verkauf, weil das Land Berlin auf Anweisung der Europäischen Union seinen 81-prozentigen Anteil verkaufen muss.
Für Profumo ist der deutsche Markt von "strategischer Bedeutung". Deshalb und mit Blick auf die gute Positionierung der österreichischen HVB-Tochter BA-CA im Osteuropageschäft hat er 2005 für 20 Milliarden Euro die HypoVereinsbank übernommen.
Und wie angesichts seiner Vita nicht anders zu erwarten, greift er bei der Integration hart durch. Mindestens 1800 Stellen sollen in Deutschland gestrichen werden, die Münchener müssen die Eigenkapitalrendite in den nächsten drei Jahren auf 17 Prozent fast verdreifachen und damit auf Unicredit-Group-Level hieven.
Problemfälle werden nicht ausgeschlossen
Und wenn sich abzeichnet, dass die HVB die ehrgeizigen Vorgaben nicht schaffen sollte? Dann werde über weitere Maßnahmen entschieden, entspricht Profumo seinem Ruf als "Bad Boy". Allerdings, fügt er dann versöhnlicher stimmend hinzu, wenn einer in Gruppe die Vorgaben nicht erreiche, dann müssten andere eben mehr leisten.
Die Erträge sollen die Banken in Profumos Gruppe in den kommenden drei Jahren um durchschnitt 8 Prozent steigern, während die Kosten nur um 3 Prozent zulegen dürfen. So soll der Gewinn je Aktie im Schnitt um 27 Prozent klettern.
"Wir schauen uns jede Gelegenheit zum Kauf einer Bank in Europa genau an", stellte Profumo klar. Das schließt grundsätzlich auch Problemfälle nicht aus. "Denn bei Akquisitionen ist nicht die Strategie der Auslöser, sondern die Gelegenheit", argumentierte er.
Unter bestimmten Bedingungen habe Profumo dann auch ein Interesse an der Bank für Arbeit und Wirtschaft AG (Bawag). Die österreichische Gewerkschaftsbank befindet sich wegen spekulativer Devisengeschäfte und des Engagements beim insolventen Broker Refco in einer bedrohlichen Krise und steht zum Verkauf.
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