Finanzmarktausblick
Europas Banken schwimmen in billigem Geld
11.11.2013 · Nach guten Arbeitsmarktdaten könnte Amerikas Notenbank ihre Anleihekäufe doch schon im Dezember drosseln. Der Bericht vom internationalen Finanzmarkt.
Von HANNO MUSSLER
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Trotz niedriger Zinsen werden Kreditinstituten wie der Bank of Ireland die Anleihen derzeit fast aus der Hand gerissen
Die europäischen Banken schwimmen in immer billigerem Geld. So erklären Fachleute in Frankfurter Banken nach der überraschenden Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank, warum Banken Anleiheemissionen auch zu niedrigsten Zinsen und zu dieser späten Jahreszeit fast aus der Hand gerissen werden. Ob eine im Jahr 2018 fällige Anleihe der norwegischen Geschäftsbank DNB Nor oder ein gedeckter Schuldtitel der Bank of Ireland – stets übersteigen die Gebote die Verkaufsziele bei weitem.
Bei DNB Nor kamen in dieser Woche 50 Prozent der 2,2 Milliarden Euro großen Nachfrage von anderen Banken. Darunter waren viele Sparkassen und Volksbanken, die ihre Liquiditätsreserve anlegen. Noch bemerkenswerter ist die Emission der Bank of Ireland. Dabei ist die Republik Irland gerade erst dabei, den europäischen Schutzschirm zu verlassen. Unter den war sie vor drei Jahren wegen eines 68 Milliarden Euro schweren Notkredits geschlüpft. Irlands älteste Geschäftsbank zog nun eine Nachfrage von 3,7 Milliarden Euro auf sich. Ihre Gläubiger gaben sich für die in dreieinhalb Jahren fällige Schuldverschreibung mit einem Kupon von 1,875 Prozent zufrieden.
Für Versicherer sind derart niedrig verzinste Anleihen nicht interessant, da sie damit die Renditezusagen an ihre Kunden nicht erfüllen können. Sie weichen in längere Laufzeiten aus. „Dennoch herrscht auch bei kürzeren Laufzeiten ein riesiger Nachfrageüberhang, ausgelöst von Banken, die nicht wissen, wohin mit dem Geld“, berichtet ein Fachmann auf dem Pfandbriefmarkt. Er erwartet, dass es in diesem Jahr bis in die zweite Dezember-Woche Anleiheemissionen geben wird. Normalerweise haben viele Investoren ihre Bücher schon Ende November für den Rest des Jahres geschlossen. Doch in diesem Jahr ist vieles anders.
Wochengewinn an der Wallstreet
Wohl selten haben sich die Erwartungen an die Geldpolitik der Notenbanken so oft verändert. Selten haben sie Zinsen und Wechselkurse so oft hin- und hergeschüttelt. Am Freitag sorgte der Bericht vom amerikanischen Arbeitsmarkt für eine neue Wendung. Im Oktober sind dort trotz drei Wochen geschlossener staatlicher Institutionen („Shutdown“) 204000 neue Arbeitsstellen entstanden. Erwartet hatten Analysten lediglich 120000 neue Stellen. Außerdem wurde die Zahl der neuen Stellen im September und August um 60000 nach oben korrigiert. Nun halten es einige Ökonomen für möglich, dass die amerikanische Notenbank doch noch vor Weihnachten den Umfang ihrer monatlichen Anleihenkäufe von 85 Milliarden auf 70 Milliarden Dollar zurücknimmt. Im September war die Notenbank davor zurückgeschreckt, weil ihr die wirtschaftliche Erholung zu wacklig erschien. Daraufhin waren die Zinsen, gestützt von der Aussicht auf eine unveränderte Anleihennachfrage, gefallen. Am Freitag aber stieg nun die Rendite für amerikanische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit auf 2,75 Prozent, den höchsten Stand seit Anfang September.