Den Besitzern nachrangiger Anleihen der Banco Espirito Santo droht eine doppelte Schlappe. Nicht nur, dass der Wert ihrer Anleihen im Zuge des Rettungsplans für die Bank nahezu wertlos werden dürften. Auch Credit Default Swaps (CDS) – Finanzinstrumente, mit denen sich die Anleger gegen eine Pleite der Bank absichern wollten – werden möglicherweise nicht ausgezahlt.
Die International Swaps and Derivatives Association, kurz ISDA, die letztlich darüber entscheidet, ob ein Kreditereignis vorliegt, das eine Zahlung der Kreditausfallversicherungen auslöst, erhielt am Montag eine Anfrage, wie die Entscheidung der portugiesischen Zentralbank zur Aufspaltung der Bank zu werten sei. Wird sie als Nachfolge-Ereignis klassifiziert, würden sämtliche Kontrakte, die derzeit an die BES gebunden sind, auf die künftige Bank Novo Banco übertragen. In diesem Fall wären Anleger, die Kreditausfallversicherungen auf die nachrangigen BES-Anleihen halten, sich selbst überlassen.
Eine Anfrage bei der ISDA wurde nicht unmittelbar beantwortet.
Welches Schicksal die Papiere also letztlich ereilt, ist dementsprechend noch unklar. Womöglich deckt der Fall aber ein generelles Problem der konkreten Ausgestaltung von CDS auf. Derzeit werden CDS auf nachrangige Anleihen so behandelt wie die Masse der Schulden eines Unternehmens und nicht als individuelle Schuldenart. Da sich BES hauptsächlich über vorrangige Anleihen verschuldet hat, die aller Erwartung nach auf die neue Bank übertragen werden, werden alle CDS-Kontrakte wahrscheinlich ebenfalls dorthin übertragen.
„Das verdeutlicht einmal mehr, dass die aktuellen CDS-Kontrakte für europäische Banken nicht sonderlich gut gemacht sind", schlussfolgert Abel Elizalde, Experte für Kreditderivate bei der Citigroup in London.
Eine lang erwartete Reform soll im kommenden Monat kommen. Sie sieht unter anderem vor, dass CDS auf nachrangige Anleihen sich auch immer auf diese Anleiheform beziehen sollen. „Hätte es die neuen Kontrakte in der jetzigen Situation schon gegeben, träte das Problem jetzt nicht auf", sagt Elizalde.
Der Kurs der BES-Nachranganleihe mit Laufzeit bis September 2023 ist drastisch gefallen, seit die Finanzprobleme der Espírito Santo Gruppe eskaliert sind. Anfang Juni notierten die Bonds noch zu Kursen von 111 Prozent des Nennwerts, am Montag waren sie an der Börse nur noch 24 Prozent des Nennwerts wert, wie Daten von Tradeweb zeigen.
Eine Absicherung gegen eine Pleite der Bank ist derweil deutlich günstiger zu haben. Um sich per CDS für fünf Jahre vor einem Zahlungsausfall von BES-Schulden im Wert von 10 Millionen Dollar zu schützen, musste man zu Preisen vom Montag jährlich 312.000 Dollar zahlen. Damit waren die Kontrakte laut Markit-Daten 362.000 Dollar billiger als noch am Freitag.
Quelle: WSJ
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