Oppenheim lagert Beteiligungen aus
von Sarah Speicher-Utsch und Christina Rathmann (Frankfurt)
Die Privatbank Sal. Oppenheim befreit ihre Bilanz von Industriebeteiligungen. Sie hatten durch ihre starke Wertschwankungen Eigenkapital und Ergebnis belastet.
Mit der Auslagerung von Wertpapieren folgt Sal. Oppenheim dem Beispiel anderer Banken, die problematische Portfolios aus ihren Bilanzen abgetrennt haben. Analysten zufolge ähnelt das Verfahren der Gründung einer institutsinternen Bad Bank. Allerdings dient eine solche Bad Bank gewöhnlich der Abwicklung von vom Ausfall bedrohten Wertpapieren. Sal. Oppenheim betont, die Aktien langfristig halten zu wollen.
Die Industriebeteiligungen von Sal. Oppenheim haben 2008 deutlich an Wert verloren. Erst Ende September war das Institut bei Arcandor eingestiegen. Für 23 Millionen neue Aktien - oder einen Anteil von zehn Prozent - hatte das Institut seinerzeit 59 Mio. Euro gezahlt, was deutlich mehr war als der damalige Börsenwert. Dafür erhielt Sal. Oppenheim weitere 19,5 Prozent der Arcandor-Anteile für einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag von der Großaktionärin Madeleine Schickedanz. Die Arcandor-Aktie hat seit der Transaktion 16 Prozent ihres Kurswertes eingebüßt.
Matthias Graf von Krockow, Sprecher der Privatbank Sal. Oppenheim Noch drastischer ist der Wertverlust bei der Bonner Immobiliengesellschaft IVG. Ihren Anteil an dem Unternehmen hatte Sal. Oppenheim im Oktober vergangenen Jahres von zehn auf 20 Prozent aufgestockt. Die Aktie ist seitdem sogar um fast 40 Prozent eingebrochen.
Zu der neuen Beteiligungsgesellschaft sollen auch die Private-Equity-Aktivitäten von Sal. Oppenheim gehören. Diese verwalten nach Angaben der Bank 5 Mrd. Euro. Erst Ende vergangenen Jahres hatte das Institut seine Aktivitäten in diesem Geschäft gebündelt und war zum größten deutschen Anbieter aufgestiegen.
Mit Abspaltung des Beteiligungsportfolios befreit Sal. Oppenheim die Bankeinheit nun von Risiken. Kürzlich hatten die Aktionäre das Eigenkapital der Bank um 200 Mio. Euro aufgestockt. Gemessen am Eigenkapital zur Jahresmitte 2008 von gut 1,8 Mrd. Euro entspricht das einer Erhöhung um elf Prozent. Ende 2007 lag die Eigenkapitalquote nach Grundsatz 1 des Kreditwesengesetzes (KWG) bei 14,6 Prozent.
Von der neuen Holding erhoffen sich die Familienaktionäre mehr Flexibilität sowie weitere Möglichkeiten zu unternehmerischem Engagement, heißt es bei Sal. Oppenheim. Im Mantel der Bank hingegen unterliegt das Beteiligungsgeschäft auch der deutschen Finanzaufsicht BaFin.
Quelle:www.ftd.de