AIG gewinnt Streit mit Regierung
Ken Feinberg muss nachgeben: Der Vergütungsbeauftrage der US-Regierung wird die Gehaltsobergrenze für hochrangige Manager des Versicherers AIG nun doch aufweichen. Mitarbeiter hatten öffentlich mit Kündigung gedroht, falls der Staat an seinen strikten Gehaltsauflagen für den geretteten Versicherer festhält.
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von Astrid Dörner
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Regierung hisst die weiße Flagge: AIG siegt im Streit um Top-Gehälter. Quelle: apLupe
Regierung hisst die weiße Flagge: AIG siegt im Streit um Top-Gehälter. Quelle: ap
NEW YORK. Topmanager des verstaatlichten Versicherungskonzerns AIG haben sich offenbar mit ihrer Forderung nach einer höheren Bezahlung durchgesetzt. Der Vergütungsbeauftrage der US-Regierung, Ken Feinberg, ist bereit, in mehreren Fällen die Gehaltsobergrenze von 500 000 Dollar aufzubrechen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Ausnahmeregel werde für 75 Führungskräfte des im vergangenen Jahr kollabierten Versicherers gelten. Feinberg könne dies bereits nächste Woche verkünden, hieß es. AIG wollte die Angelegenheit nicht kommentieren.
Der mit 182 Mrd. Dollar Steuergeld gestützte Konzern ist beim Thema Vergütung seit Wochen auf Konfrontationskurs mit der Regierung. Erst Anfang der Woche wurde bekannt, dass fünf hochrangige Manager mit Kündigung gedroht hatten, wenn Feinberg ihre Gehälter und Boni für das nächste Jahr weiter kürzen würde. Medienberichten zufolge haben zwei Führungskräfte ihre Drohung mittlerweile wieder zurückgenommen. Auch der im August angetretene AIG-Chef, Robert Benmosche, hatte mit Rücktritt gedroht, weil die Gehaltsauflagen ein Hindernis für das Unternehmen seien. Er ist bislang der Einzige bei AIG, der mehr als 500 000 Dollar Grundgehalt bekommt. Benmosches Jahresgehalt beträgt sieben Mio. Dollar.
Feinberg kann Obergrenzen für das Topmanagement von jenen US-Konzernen festlegen, die während der Finanzkrise besonders hohe Staatshilfen bekommen haben. Neben AIG betrifft das unter anderem auch die Bank of America, Citigroup und den Autobauer General Motors. Auf Druck Feinbergs hatte der Bank-of-America-Chef Ken Lewis im Oktober mitgeteilt, er wolle auf sein Gehalt in diesem Jahr verzichten.
Die Regierung hatte Feinberg nach lautstarken Protesten über zu hohe Bonuszahlungen bei staatlich gestützten Konzernen als eine Art Aufpasser installiert. Feinberg ist in den vergangenen Wochen jedoch von seinem harten Kurs abgerückt. Vertreter des Finanzministeriums und der Notenbank Federal Reserve hatten ihn gedrängt, stärker auf die Balance zwischen angemessener Bezahlung und dem Halten zentraler Mitarbeiter zu achten. Im Oktober hatte Feinberg den Anteil der Vergütung, den die 13 Topverdiener bei AIG in bar bekommen, um 91 Prozent gestrichen und den Aktienanteil erhöht.
Nach der staatlichen Rettungsaktion haben mehr als 50 Manager den einst größten Versicherungskonzern der Welt verlassen, darunter auch zwölf der obersten 25 Manager. Zeitweise war die öffentliche Hetze gegen AIG-Mitarbeiter so groß, dass ihnen dazu geraten wurde, keine Schirme, Taschen und T-Shirts mit Firmenlogo zu tragen. Zuletzt hatte der Personalchef den Konzern verlassen, was als schlechtes Zeichen für eine gegen Mitarbeiterschwund kämpfende Firma gewertet wurde.