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Nachgehakt: Der heilige Gral des Investierens! Wirklich?

wallstreetONLINE Redaktion  | 
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Mehr als 10.000 Aktien in einem ETF klingen nach maximaler Sicherheit. Doch ein komplettes Vermögenskonzept bietet der neue Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETF noch lange nicht.

Mit einem ETF  die gesamte Börsenwelt kaufen

Ein ETF, ein Sparplan und damit praktisch die gesamte Börsenwelt kaufen. Was fast zu einfach klingt, kommt mit dem neuen Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETF der Idee eines Weltportfolios erstaunlich nahe. Der zugrunde liegende FTSE Global All Cap Index umfasst mehr als 10.000 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern und deckt neben Large und Mid Caps auch Small Caps ab. Insgesamt werden damit rund 99 Prozent des weltweit investierbaren Aktienmarktes erfasst.

Anleger müssen nun nicht mehr selbst einen MSCI World mit Emerging Markets und Small-Cap-ETFs kombinieren und anschließend überlegen, wie hoch die einzelnen Bausteine gewichtet werden sollen. Der Index erledigt das automatisch nach Marktkapitalisierung. Gewinnt beispielsweise Indien gegenüber den USA an Börsenwert, steigt langfristig auch dessen Gewicht im Portfolio.

Für den langfristigen Vermögensaufbau ist dieser Ansatz ausgesprochen interessant. Denn häufig scheitert die Rendite nicht am falschen ETF, sondern am Anleger selbst. Wer ständig Regionen übergewichtet, Trends hinterherläuft oder nach Kursverlusten seine Strategie ändert, produziert unnötige Fehler. Ein Welt-ETF nimmt einem einen großen Teil dieser Entscheidungen ab.

Der MSCI World lässt einen Teil der Welt außen vor

Der Unterschied zum klassischen MSCI World ist größer, als dessen Name vermuten lässt. Der Index enthält lediglich große und mittelgroße Unternehmen aus Industrieländern. Schwellenländer und Small Caps fehlen vollständig. Wer einen MSCI-World-ETF kauft, investiert damit zwar sehr breit, besitzt aber eben nicht die gesamte Aktienwelt.

Hier bietet der Vanguard-ETF einen echten Mehrwert. Durch die Schwellenländer kommen China, Indien, Taiwan, Brasilien und weitere aufstrebende Volkswirtschaften hinzu. Das reduziert die vollständige Abhängigkeit von den etablierten Industriestaaten und eröffnet gleichzeitig Zugang zu Volkswirtschaften, deren Bedeutung langfristig weiter zunehmen könnte.

Small Caps erweitern das Anlageuniversum zusätzlich. Kleinere Unternehmen befinden sich häufig in früheren Entwicklungsphasen und können stärker von regionalem Wachstum profitieren. Gleichzeitig reagieren sie aber empfindlicher auf Rezessionen und hohe Finanzierungskosten. Auch Schwellenländer sind kein kostenloser Renditeverstärker. Politische Eingriffe, Währungsrisiken, geopolitische Spannungen und teilweise schwächere Aktionärsrechte gehören zum Preis dieser zusätzlichen Diversifikation.

10.000 Aktien schützen nicht vor einem Börsencrash

Dies ist ein Punkt, den Anleger nicht unterschätzen sollten. Mehr als 10.000 Aktien klingen zunächst nach nahezu grenzenloser Diversifikation. Tatsächlich bleibt das Portfolio aber nach Marktkapitalisierung gewichtet. Die USA dominieren deshalb weiterhin und Konzerne wie Nvidia, Apple, Microsoft, Alphabet oder Amazon gehören zu den größten Positionen.

Wer den ETF kauft, besitzt also mathematisch fast die gesamte Aktienwelt, bleibt wirtschaftlich aber stark von der Wall Street abhängig. Kommt es dort zu einem schweren Einbruch, werden auch 10.000 verschiedene Aktien das Depot nicht vor deutlichen Verlusten schützen.

Das ist allerdings kein Konstruktionsfehler des ETF. Es ist schlicht die Konsequenz daraus, dass amerikanische Unternehmen derzeit einen enormen Teil der weltweiten Börsenkapitalisierung stellen. Wer den USA-Anteil bewusst reduzieren oder Europa, Emerging Markets beziehungsweise Small Caps stärker gewichten möchte, benötigt deshalb weiterhin mehrere ETFs.

Noch entscheidender ist jedoch eine andere Schwäche. Der Vanguard-ETF diversifiziert hervorragend innerhalb von Aktien, aber überhaupt nicht zwischen verschiedenen Anlageklassen. In einer schweren Börsenkrise können Aktien weltweit gleichzeitig fallen. Aus dieser Perspektive kann dieser ETF deshalb zwar problemlos die komplette Aktienkomponente eines langfristigen Depots bilden, das gesamte Vermögen sollte jedoch in andere Assets gesteckt werden.

60/20/20 könnte das Portfolio robuster machen

Gerade im aktuellen Umfeld ist es sinnvoll, Diversifikation weiter zu denken. Die Staatsverschuldung vieler Industrienationen steigt, geopolitische Konflikte nehmen zu und gleichzeitig werden die Aktienmärkte von wenigen hoch bewerteten US-Technologiekonzernen dominiert. Hinzu kommt, dass Staatsanleihen durch hohe Schulden, Inflationsrisiken und steigende Zinslasten nicht mehr automatisch jene Schutzfunktion erfüllen, die Anleger über Jahrzehnte gewohnt waren.

Eine interessante Lösung könnte deshalb eine 60/20/20-Aufteilung sein. Die ersten 60 Prozent bleiben Aktien vorbehalten. Genau hier könnte der Vanguard FTSE Global All-Cap zum Kernstück werden, denn mit nur einem Produkt sind Industrie- und Schwellenländer sowie große, mittlere und kleine Unternehmen abgedeckt.

Weitere 20 Prozent könnten aus kurzlaufenden Anleihen, Geldmarktanlagen oder Liquidität bestehen. Dieser Block muss keine spektakuläre Rendite erwirtschaften. Er soll Schwankungen reduzieren und vor allem Handlungsfähigkeit schaffen. Wer in einem Crash liquide bleibt, muss nicht verkaufen, sondern kann fallende Kurse zum Nachkaufen nutzen.

Die verbleibenden 20 Prozent sollten in realen Vermögenswerten investiert werden. Gold und Silber sowie ausgewählte rohstoffnahe Anlagen können in einem Umfeld aus hohen Staatsschulden, geopolitischen Spannungen und Inflationsrisiken eine zusätzliche Absicherung bieten. Gleichzeitig sorgen KI-Rechenzentren, Elektrifizierung, Verteidigung und Reindustrialisierung für einen enormen Bedarf an Energie und kritischen Rohstoffen. Uran, Kupfer und andere strategische Metalle erhalten dadurch eine Bedeutung, die weit über den klassischen Inflationsschutz hinausgeht.

Der Welt-ETF wird zum Fundament statt zum ganzen Haus

Natürlich ist eine 60/20/20-Aufteilung kein starres Gesetz. Ein junger Anleger mit 30 oder 40 Jahren Anlagehorizont kann einen deutlich höheren Aktienanteil verkraften. Wer kurz vor dem Ruhestand steht oder in wenigen Jahren auf sein Kapital angewiesen ist, sollte dagegen defensiver investieren.

Deshalb ist der neue Vanguard-ETF vor allem als Fundament für die Aktienseite des Depots prädestiniert. Anleger erhalten mit nur einem Produkt praktisch die komplette börsennotierte Weltwirtschaft und müssen sich weder um regionale Gewichtungen noch um die Aufteilung zwischen großen und kleinen Unternehmen kümmern.

Seine größte Stärke ist damit gleichzeitig seine Grenze. Ein ETF kann tatsächlich für die komplette Aktienanlage reichen. Für ein wirklich robustes Vermögenskonzept reicht selbst die ganze Aktienwelt allein jedoch nicht.


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