Warum Oracle jetzt als „am stärksten fehlbewertete“ KI-Aktie am Markt gilt

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Ein Firmenschild von Oracle bei der Oracle Open World Konferenz.
- © drserg / iStock Editorial / Getty Images Plus / Getty Images

Oracle könnte sich nach Einschätzung eines ausführlichen Beitrags auf Seeking Alpha als die „most mispriced AI opportunity on the market today“ erweisen. Im Zentrum stehen ein massiver Auftragsbestand im Bereich KI-Infrastruktur, hohe Kapitaldisziplin und ein Bewertungsniveau, das aus Sicht des Autors nicht zur Wachstumsdynamik passt. Gleichzeitig bleiben Risiken wie die Abhängigkeit von großen Hyperscaler-Kunden und mögliche Investitionszyklen im KI-Sektor präsent.

Strategische Positionierung im KI-Zeitalter

Oracle hat sich in den vergangenen Jahren von einem klassischen On-Premise-Softwareanbieter zu einem integrierten Cloud- und Datenbankkonzern transformiert. Laut Seeking Alpha steht das Unternehmen nun an einem Wendepunkt, an dem die Kombination aus Cloud-Infrastruktur (OCI), Datenbanktechnologie und Anwendungen gezielt auf KI-Workloads ausgerichtet wird. Im Fokus stehen dabei insbesondere rechenintensive Training- und Inferenzprozesse großer Sprachmodelle sowie branchenspezifische KI-Lösungen.

Die strategische Partnerschaft mit NVIDIA spielt eine Schlüsselrolle. Oracle stellt GPU-Kapazitäten für KI-Modelle zur Verfügung und positioniert OCI als kosteneffiziente und leistungsfähige Alternative zu den etablierten Hyperscalern. Der Artikel betont, dass Oracle seine Infrastruktur „from the ground up“ für moderne KI-Workloads optimiert hat.

Oracle Cloud Infrastructure (OCI) als Wachstumstreiber

OCI wird im Beitrag als Kern der Investmentthese herausgestellt. Das Segment profitiert demnach von einer starken Nachfrage nach GPU-Ressourcen für KI-Training und -Inference. Seeking Alpha verweist auf signifikante neue Verträge mit großen Kunden, die über mehrere Jahre laufen und ein hohes Umsatzpotenzial bergen.

Besonders hervorgehoben werden die „multi-billion dollar“ umfassenden Cloud-Verträge sowie langfristige Kapazitätszusagen von Kunden, die KI-Anwendungen in großem Stil ausrollen wollen. Diese Verträge führen zu einem stark wachsenden Auftragsbestand, der nach Ansicht des Artikels den zukünftigen Umsatzpfad von Oracle besser absichert, als es die aktuellen Bewertungskennzahlen widerspiegeln.

Auftragsbestand und Visibilität der Erlöse

Der Beitrag unterstreicht, dass Oracle über einen erheblichen „remaining performance obligation“ (RPO) verfügt, der zu einem großen Teil aus Cloud- und KI-Projekten besteht. Dieser Auftragsbestand wird als zentraler Indikator für die künftige Umsatzentwicklung herangezogen.

Seeking Alpha argumentiert, dass die am Markt wahrgenommene Unsicherheit über das Tempo der Cloud-Migration bei Oracle im Widerspruch zu der tatsächlich vorhandenen Vertragsbasis steht. Die hohe Visibilität der Erlöse aus bestehenden Verträgen werde in der Bewertung nicht adäquat berücksichtigt.

Profitabilität, Margenstruktur und Kapitalallokation

Oracle zeichnet sich laut Artikel durch eine robuste Profitabilität und eine für einen Cloud-Anbieter hohe operative Marge aus. Das Unternehmen kombiniert wachstumsstarke Cloud-Umsätze mit margenstarken Lizenz- und Supporterlösen aus dem traditionellen Geschäft. Diese Kombination stabilisiert die Cashflows und ermöglicht es, gleichzeitig in den Ausbau der KI-Infrastruktur zu investieren.

Die Kapitalallokation wird als aktionärsfreundlich beschrieben. Oracle nutzt seine Free-Cashflows für Aktienrückkäufe und Dividenden, ohne die Investitionen in KI-relevante Infrastruktur zu vernachlässigen. Seeking Alpha stellt heraus, dass diese Balance zwischen Wachstum und Ausschüttung insbesondere für institutionelle und konservativere Investoren attraktiv sei.

Bewertung im Vergleich zu KI- und Cloud-Peers

Im Zentrum des Beitrags steht die These, dass Oracle im Vergleich zu anderen KI-Profiteuren deutlich niedriger bewertet ist. Während zahlreiche KI-orientierte Software- und Halbleiterwerte mit hohen Umsatzmultiplikatoren gehandelt werden, wird Oracle laut Artikel zu einer Bewertung gehandelt, die eher einem reifen, niedrig wachsenden Softwarekonzern entspricht.

Der Autor von Seeking Alpha bezeichnet Oracle daher als „the most mispriced AI opportunity on the market today“ und stellt die Diskrepanz zwischen Wachstumsprofil, Auftragsbestand und Bewertung in den Vordergrund. Der Markt bewerte weiterhin vor allem die historische Wahrnehmung von Oracle als langsam wachsendem Legacy-Anbieter, anstatt die neue Rolle im KI-Ökosystem zu reflektieren.

Strukturelle Wachstumsfaktoren im KI-Segment

Der Artikel hebt mehrere strukturelle Treiber hervor, die Oracle im KI-Zeitalter unterstützen. Dazu gehören:

• Die steigende Nachfrage nach GPU-Kapazitäten für generative KI und Large Language Models.
• Die Verlagerung geschäftskritischer Datenbanken in die Cloud, oftmals in Verbindung mit KI-gestützten Analysen.
• Die Attraktivität integrierter Plattformen, die Infrastruktur, Datenbank und Anwendungen verbinden.

Oracle positioniert sich demnach mit einer vertikal integrierten Architektur, die sowohl die Verarbeitung großer Datenmengen als auch KI-Anwendungen unterstützt. Diese vertikale Integration wird als Vorteil gegenüber Anbietern gesehen, die nur einzelne Segmente der Wertschöpfungskette abdecken.

Risiken und Unsicherheiten

Trotz der positiven Perspektiven weist Seeking Alpha auf zentrale Risiken hin. Dazu zählen die starke Konkurrenz durch Hyperscaler wie Amazon, Microsoft und Google sowie die Gefahr, dass Kunden Multi-Cloud-Strategien verfolgen und damit die Margen unter Druck geraten.

Hinzu kommt die zyklische Komponente von Investitionen in KI-Infrastruktur. Sollte sich die Nachfrage nach generativer KI abkühlen oder sich großvolumige Projekte verzögern, könnte dies das Wachstum von OCI temporär bremsen. Auch regulatorische Fragen im Zusammenhang mit Datenverarbeitung und KI-Nutzung bleiben ein Risikofaktor, den Anleger im Blick behalten müssen.

Fazit: Mögliche Implikationen für konservative Anleger

Für konservative Investoren zeichnet der Beitrag von Seeking Alpha das Bild eines etablierten Blue Chips, der sich in einem strukturellen Wachstumsfeld neu positioniert, gleichzeitig aber noch nicht wie ein typischer „High-Growth-KI-Wert“ bezahlt wird. Die Kombination aus berechenbaren Cashflows, wachsendem Cloud- und KI-Geschäft sowie disziplinierter Kapitalallokation wird als Argument für ein Engagement angeführt.

Aus der Perspektive eines defensiven Anlegers könnte die Nachricht Anlass sein, Oracle als Beimischung im Technologiesegment zu prüfen, anstatt auf hoch bewertete reine KI-Spekulationswerte zu setzen. Ein schrittweiser Aufbau einer Position – unter Beachtung der individuellen Risikotragfähigkeit und Diversifikationsziele – erscheint vor diesem Hintergrund als mögliche Reaktion auf die dargestellte Investmentthese.


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