Fünf-Billionen-Dollar-Riese vor den Zahlen: Kann Apple die Erwartungen schlagen?
Markus Weingran
Markus Weingran
Markus Weingran ist seit mehr als 20 Jahren als Kapitalmarkt-Stratege und Aktien-Experte aktiv. Geprägt durch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Finanzexperten Hans A. Bernecker verfolgt er einen klaren Anspruch: in jeder Börsenphase das Beste für Anleger herauszuholen. Weitere Einschätzungen und Trading-Ideen teilt er auch täglich in der wallstreetONLINE Börsenlounge auf YouTube.
Heute Abend veröffentlicht Apple seine Quartalszahlen. Der iPhone-Riese hat die Preise für sein Flaggschiff in seinem dritten Quartal stabil gehalten. Sorgt dieser Schachzug dafür, dass Apple das stärkste Wachstum in seinem dritten Quartal seit fünf Jahren präsentiert?
Für dich zusammengefasst:
Analysten erwarten 108,65 Milliarden USD Umsatz für Apple.
Der iPhone-Umsatz könnte um 20,8 Prozent steigen.
Die Apple-Aktie ist 2023 um fast 25 Prozent gestiegen.
Apple könnte im abgelaufenen Quartal erneut zeigen, wie stark die Bindung seiner Kunden ist. Während andere Smartphone-Hersteller ihre höheren Kosten an die Käufer weitergeben mussten, ließ der Konzern die Preise seiner wichtigsten Umsatzquelle weitgehend unangetastet. Das iPhone dürfte Apple deshalb das höchste Umsatzwachstum in einem dritten Geschäftsquartal seit 2021 bescheren.
Nach Daten von LSEG rechnen Analysten für die Monate April bis Juni mit einem Umsatz von 108,65 Milliarden US-Dollar. Das wären 15,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Gewinn soll um 18,1 Prozent steigen. Gleichzeitig dürfte die Bruttomarge von 49,3 Prozent im Vorquartal auf 47,9 Prozent sinken.
Der wichtigste Wachstumstreiber bleibt das iPhone. Die Erlöse mit dem Smartphone könnten um 20,8 Prozent gestiegen sein. Auch das wäre das stärkste Wachstum in einem dritten Geschäftsquartal seit 2021. Laut Counterpoint legten die weltweiten iPhone-Auslieferungen um drei Prozent zu. Apples Anteil am Smartphone-Markt erreichte dabei fast 20 Prozent.
Die stabile Preisstrategie verschaffte Apple einen Vorteil. Der weltweite Smartphone-Absatz fiel im zweiten Quartal auf den niedrigsten Stand für diesen Zeitraum seit 13 Jahren. Höhere Preise und knappe Speicherchips belasteten vor allem Anbieter, die Kostensteigerungen schneller an ihre Kunden weiterreichen mussten.
Ganz ohne Preiserhöhungen kommt allerdings auch Apple nicht aus. Der Konzern verteuerte zuletzt mehrere iPads und MacBooks. Zudem wurden die Abonnements für Apple Music und Apple One teurer. Beim iPhone hält sich Apple bislang zurück. Analysten rechnen jedoch damit, dass sich dies mit der nächsten Modellgeneration im Herbst ändern könnte.
Die entscheidende Frage lautet daher: Wie empfindlich reagieren die Kunden, wenn auch das iPhone teurer wird? Morgan Stanley sieht Apple in einer komfortablen Position."Die Nachfrage nach Apples Kernprodukten war in gewisser Weise unelastisch." Besonders ausgeprägt sei diese Preissetzungsmacht beim iPhone. Das eng verzahnte Ökosystem aus Hardware, Software und Diensten erschwert vielen Kunden den Wechsel zu einem Konkurrenten.
Auch an der Börse hat sich die Stimmung deutlich gedreht. Apple verzichtete bislang auf die enormen Investitionen in eigene Rechenzentren, die bei anderen Technologiekonzernen die Ausgaben in die Höhe treiben. Dan Morgan von Synovus Trust fasst den Wandel gegenüber Reuters so zusammen: "Apple wurde anfangs von vielen Investoren dafür verachtet, dass es nicht in den KI-Investitionszyklus eingestiegen ist." Inzwischen hinterfragen Investoren stärker, ob die hohen KI-Ausgaben der Konkurrenz ausreichende Renditen liefern.
Die Apple-Aktie ist seit Jahresbeginn um fast 25 Prozent gestiegen. Der Börsenwert überschritt in dieser Woche erstmals die Marke von fünf Billionen US-Dollar. Damit löste Apple Nvidia wieder als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen der Welt ab. Die hohe Bewertung steigert jedoch zugleich das Enttäuschungspotenzial.
Auch die übrigen Produktbereiche dürften wachsen. Beim Mac erwarten Analysten einen Umsatzanstieg von 8,7 Prozent nach 5,7 Prozent im Vorquartal. Das Wachstum des iPad-Geschäfts könnte sich dagegen von acht Prozent auf 5,2 Prozent abschwächen.
Apple könnte das stärkste Umsatzwachstum in einem dritten Geschäftsquartal seit fünf Jahren melden. Das iPhone bleibt dabei der entscheidende Motor. Die stabile Preisstrategie hat Marktanteile gebracht und die Nachfrage gestützt. Doch sie lässt sich möglicherweise nicht dauerhaft durchhalten. Steigende Speicherpreise und eine bereits hohe Bewertung machen die nächste iPhone-Generation zum wichtigen Test. Kann Apple höhere Preise durchsetzen, ohne die Nachfrage deutlich zu beschädigen, dürfte die Aufholjagd gegenüber den bisherigen KI-Favoriten noch nicht beendet sein.
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