ARLINGTON/NEW YORK (dpa-AFX) - Der US-Flugzeugbauer Boeing stellt sich bei seinem modernisierten Großraumjet 777X nach jahrelanger Verspätung auf weitere Verzögerungen ein. Einige Tests könnten sich ins Jahr 2027 verschieben, sagte Boeing-Chef Kelly Ortberg am Mittwoch auf einer Konferenz der Investmentbank Morgan Stanley. Als Grund nannte er die noch ausstehende Zulassung der Triebwerke von GE Aerospace. Dennoch plane Boeing, die ersten Flugzeuge des Typs im kommenden Jahr auszuliefern. Schon damit liegt die 777X sieben Jahre hinter dem ursprünglichen Plan.
Für dich zusammengefasst:
Boeing erwartet weitere Verzögerungen bei der 777X.
Die ersten Flugzeuge sollen im kommenden Jahr ausgeliefert werden.
Die Boeing-Aktie fiel um 3,7 Prozent nach dieser Meldung.
An den Turbinen vom Typ GE9X hatten sich bestimmte Dichtungen als nicht haltbar genug herausgestellt. Laut einem Sprecher von GE Aerospace ist die Ursache inzwischen erkannt. Das Unternehmen habe schon im August die ersten Einheiten mit verbesserten Dichtungen ausgeliefert und sehe einer Inbetriebnahme im Jahr 2027 erwartungsvoll entgegen. Erstkundin der 777X ist die Lufthansa . Die Gesellschaft wartet schon seit Jahren auf die Lieferung der Maschinen.
Die Boeing-Aktie reagierte im späten US-Handel mit einem Kursrutsch auf die Neuigkeiten und ging am Mittwoch mit einem Minus von 3,7 Prozent aus dem Tag. Im vorbörslichen Handel am Donnerstag ging es für das Papier aber wieder ein Stück aufwärts.
Allerdings dämpfte Boeings Finanzchef Jay Malave auch die Erwartungen an die finanzielle Erholung des Flugzeugherstellers, der seit 2019 in der wohl schwersten Krise seiner Geschichte steckt. So hatte die Konzernspitze für 2026 bisher einen freien Barmittelfluss zwischen einer und drei Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt. Es sei "etwas weniger wahrscheinlich", dass es mehr als zwei Milliarden Dollar (Dollarkurs) (rund 1,7 Mrd Euro) würden, erklärte Malave. Denn die Auslieferungen des Mittelstreckenjets 737 Max und des Großraumjets 787 "Dreamliner" entwickelten sich schwächer.
So habe es länger gedauert, die Produktion der 737 Max bei 47 Maschinen pro Monat zu stabilisieren. Probleme gab es demnach mit der Produktion der Tragflächen im eigenen Haus.
Boeing hatte die Produktion seines meistgefragten Modells nach einem Beinahe-Unglück Anfang 2024 auf Geheiß der Behörden auf 38 Stück pro Monat beschränken müssen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA stellte den Hersteller unter strenge Aufsicht und gab lange Zeit jede gebaute neue Maschine einzeln frei. Nach etlichen Verbesserungen und einem Wechsel an der Konzernspitze lockerte die FAA die Beschränkungen.
Schon 2019 hatte die 737 Max für großes Unglück gesorgt: Bei den Abstürzen zweier Maschinen starben insgesamt 346 Menschen. Die Flugzeuge der Reihe durften daraufhin mehr als 20 Monate lang weltweit nicht abheben, bis Boeing technische Verbesserungen an dem Modell vorgenommen hatte.
Die Folgen der Unglücke und der Produktionsmängel verfolgen den Hersteller bis heute: Die Langversion des Mittelstreckenjets, die 737 Max 10, ist bis heute nicht zugelassen. Ortberg sagte nun, er rechne "sehr bald" mit der Zertifizierung. Die Flugtests seien abgeschlossen, und die Aufseher prüften derzeit die gesamte Dokumentation. Mit der "Max 10" tritt Boeing gegen das Konkurrenzmodell Airbus A321neo an. Auf die Langversion der Modellfamilie A320neo entfällt bei dem weltgrößten Flugzeugbauer aus Europa längst der Löwenanteil der Bestellungen./stw/tav/jha/
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