BMW-Aktie so billig wie seit 6 Jahren nicht: Falle oder Chance?
Nicolas Ebert
Nicolas Ebert
Nicolas Ebert steht für kompakte Nachrichten mit einem sicheren Gespür für relevante Marktthemen. Nach über 6 Jahren für wallstreetONLINE und ariva.de im Einsatz fühlt sich der Berliner in der Finanzwelt wie zu Hause. Seine Inhalte reichen querbeet von Value-Titeln und den Märkten in Asien über die US Big-Techs bis hin zu aktuellen Top-Performern auf dem globalen Börsenparkett. So entstehen informative News, die Anlegern echten Halt geben.
Für BMW schlägt die Stunde der Wahrheit. Am 30. September präsentiert der Autobauer auf seinem Kapitalmarkttag neue Mittelfristziele. UBS-Analyst Patrick Hummel dämpft die Erwartungen. Er rechnet für 2028 mit einer operativen Marge im Autogeschäft von drei bis fünf Prozent. Der Konsens liegt bei 5,1 Prozent. Das Ziel von acht bis zehn Prozent dürfte BMW nach Einschätzung der UBS erst nach 2030 erreichen.
Der Grund für die Vorsicht: Drei Gewinnwarnungen wegen der Schwäche in China haben Spuren hinterlassen. Viele Investorinnen und Investoren rechneten ohnehin mit weniger, schreibt Hummel. Eine Kürzung des operativen Autogewinns für 2028 um 20 bis 25 Prozent sei jedoch "zu groß, um sie zu ignorieren".
Sparen an allen Fronten
Rohstoffe, Abschreibungen und Wechselkurse belasten bis 2028 mit rund 1,3 Milliarden Euro. Bleiben Absatz und Preise stabil, müsste BMW binnen zwei Jahren rund 2,3 Milliarden Euro einsparen. Der angekündigte Abbau von 8.000 Stellen in indirekten Bereichen bringe aber nur rund eine Milliarde Euro pro Jahr. Für 2027 sieht Hummel deshalb deutliches Abwärtsrisiko. Statt der erwarteten 3,7 Prozent könnte die Marge nur zwei bis drei Prozent erreichen.
Auch bei der Ausschüttung dämpft die Schweizer Großbank die Hoffnungen. BMW dürfte weiter 30 bis 40 Prozent des Gewinns als Dividende zahlen und den übrigen Free Cashflow in Aktienrückkäufe stecken.
Weil der Umbau mehr als eine Milliarde Euro verschlingt, rechnen die Analysten für das Jahr 2028 mit einem Ziel von vier Milliarden Euro Free Cashflow. Der Markt erwartet 4,7 Milliarden Euro. Eine Revolution erwartet die Bank vom neuen Vorstandschef Milan Nedeljković nicht. Die "Neue Klasse" sei stark gestartet. BMW müsse sich nicht neu erfinden.
Aktie auf 6-Jahrestief
Wie tief BMW in der Krise steckt, zeigte das zweite Quartal. Die Marge im Autogeschäft sackte von 5,4 auf 2,3 Prozent ab. In China brach der Absatz um fast ein Drittel ein. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 57,88 Euro und damit auf dem tiefsten Stand seit sechs Jahren.
Die UBS bleibt bei "Neutral" mit einem Kursziel von 70 Euro. Berenberg stufte BMW dagegen auf "Kaufen" hoch und nennt ein Kursziel von 75 Euro. Im Schnitt trauen die 22 vom Datendienst MarketScreener erfassten Analysten der Aktie rund 73 Euro zu.
Fazit
BMW ist günstig bewertet.Doch billig allein reicht nicht. Niedrigere Schätzungen könnten die Aktie kurzfristig belasten. Viel Pessimismus ist allerdings schon eingepreist. Überzeugt Nedeljković mit einem glaubwürdigen Sparplan, könnte der Kapitalmarkttag zum Wendepunkt werden. Wer einsteigen will, wartet besser die neuen Ziele ab.
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